Erstellt am 21. September 2015, 08:03

Kloster, Kaiser und Gelehrte. Das Skriptorium und die Bibliothek des Augustiner-Chorherrenstiftes Klosterneuburg im 15. Jahrhundert.

Im Stift Klosterneuburg begannen am Samstag die Landesfeierlichkeiten am Tag des hl. Leopold, des Landespatrons. Gleichzeitig wurde der Abschluss der Renovierungsarbeiten des Stiftes - im Jahr seines 900. Geburtstages - präsentiert.  |  NOEN, Michael Zechany
Die Ausstellung widmet sich der großen Zeit der Klosterneuburger Stiftsbibliothek im Spätmittelalter. Gezeigt wird eine Auswahl der schönsten Bücher, die von den Meistern Nikolaus und Michael, dem Meister des Albrechtsgebetsbuches sowie anderen "Wiener Hofminiatoren" ausgemalt wurden.
15.9.2015 - 30.6.2016 im Stiftsmuseum Stift Klosterneuburg: Jeden Samstag, Sonn- und Feiertag von 14.00 bis 17.00 Uhr

Für das Herzogtum Österreich war das gesamte 15. Jahrhundert eine politisch unsichere Zeit. Bereits im Jahr 1379 hatte sich die Familie der Habsburger in zwei Linien gespalten und während des ganzen folgenden Jahrhunderts blieb die Lage instabil. Im Jahr 1411 trat der 14-jährige Herzog Albrecht V. seine Regentschaft als Landesfürst an, nach dem er von den Ständen entführt und für Volljährig erklärt worden war. Er umgab sich mit einem Beraterstab, der aus Geistlichen und Intellektuellen bestand, die in den Klöstern und der Universität Wien wirkten. Durch seine Reformen verbesserten sich die Disziplin des Klerus und die wirtschaftliche Lage in Österreich. Die Kehrseite dieser Aktivitäten war ein religiöser Fanatismus des Herzogs, der sich zunehmend als Kämpfer gegen Andersgläubige gebärdete und unter anderem das jüdische Leben im Herzogtum zerstörte.
Nach der Verbrennung des Jan Hus am Konzil von Konstanz im Jahr 1418 begannen in Böhmen Hussitenkriege. Die alten Klöster wurden zerstört und der Markt für die böhmischen Buchmaler war mit einem Schlag weggebrochen. Die Illuminatoren mussten aus dem bisherigen Zentrum der gotischen Buchmalerei in Mitteleuropa fliehen und fanden Aufnahme am Wiener Hof und in den umliegenden Klöstern wie Melk oder Klosterneuburg. Das Ergebnis sind reich verzierte Handschriften, die einen Höhepunkt der spätmittelalterlichen Buchkultur bilden.

Das 15. Jahrhundert ist auch das Jahrhundert Gutenbergs. Ab der Einsetzung des Propstes Georg Muestinger (1418–1442) scheinen in den Rechnungsbüchern vermehrt Buchkäufe und Aufträge für teure Illuminierungen auf. Sie wurden von Künstlern ausgeführt, die auch für den Wiener Hof arbeiteten, so u. a. der Meister Michael und der ‚Albrechtsminiator‘, der für die Chorherren und -frauen gleichermaßen wie für Herzog Albrecht V. und Kaiser Friedrich III. arbeitete. Auch die nachfolgenden Pröpste wandten sich mit ihren Aufträgen an Hofkünstler, vor allem an den für den jungen Prinzen Maximilian tätigen ‚Lehrbüchermeister‘. Sehr bald wurden gedruckte Bücher – sogenannte Inkunabeln – angekauft, die in Klosterneuburg von den besten Künstlern der Zeit bemalt wurden – etwa vom‚ Meister des Friedrichsbreviers‘ oder von Ulrich Schreier aus Salzburg. Dessen Wiener Werkstatt schuf nicht nur Buchmalereien, sondern auch kunstvolle Einbände und beeinflusste die Buchkunst im Donauraum ab 1470/80 ganz wesentlich.

Mit der Heiligsprechung des Stiftsgründers Leopold III. im Jahr 1485 wurde ein gewaltiges Narrativ über die Person des künftigen Landespatrons angeregt, für das der kaiserliche Genealoge Ladislaus Sunthaym verantwortlich ist. Die Geschichten des Babenbergers wurden als erste Landesgeschichte Österreichs gedruckt und schließlich prunkvoll im Babenbergerstammbaum 1506 dem „letzten Ritter“ Kaiser Maximilian I. in Klosterneuburg präsentiert, als die Gebeine des Heiligen in einen neuen Silberschrein gelegt wurden.
Die Ausstellung im Stiftsmuseum ist Teil einer internationalen Ausstellungsreihe mit dem Titel „10 Stationen zur mitteleuropäischen Buchmalerei des 15. Jahrhunderts“ und wurde von der Expertin für spätmittelalterliche Böhmische Buchmalerei Maria Theisen von Österreichische Akademie der Wissenschaften, Abteilung Schrift- und Buchwesen kuratiert.