Erstellt am 29. Oktober 2015, 16:00

von Elisabeth Schuster

128 Flüchtlinge in der Veranstaltungshalle. Die erste Nacht im Transit- und Flüchtlingsquartier Bischofstetten ist Geschichte.

Veranstaltungshalle in Bischofstetten  |  NOEN, Elisabeth Schuster

Zwei Busse brachten gestern Nacht insgesamt 128 Flüchtlinge. Danach begann für die freiwilligen Helfer ihre Tätigkeit: Das Essen wird vom Bundesheer St. Pölten geliefert. Für die Vergabe sind das „Team Österreich“, das Rote Kreuz und die Caritas zuständig.

Insgesamt 35 Personen sind medizinisch versorgt  worden. Nach elf Stunden war der Aufenthalt der 128 Flüchtlinge wieder vorbei: Mit Bussen ging es weiter Richtung Deutschland.

„Vor wenigen Minuten sind drei weitere Busse gekommen“, erzählt Karl Lahmer von der Caritas.

Sachspenden werden benötigt

Die Caritas sucht dringend Sachspenden für das Flüchtlingstransitquartier in der Mehrzweckhalle in Bischofstetten. Sachspendenabgabe: Pfarrhof Bischofstetten, Kirchenplatz 2,
FR 14:00 bis 19:00 Uhr, SA 10:00 bis 13.00 Uhr

Gebraucht werden:
+ Socken Herren / Damen / Kinder
+ feste Schuhe/Sportschuhe Herren 38-45
+ feste Schuhe Damen
+ feste Schuhe Kinder
+ Unterwäsche
+ Babyfläschchen neuwertig
+ Babyschnuller neuwertig

Freiwillige dringendst gesucht

Wer sich als Freiwilliger für Bischofstetten registrieren will, schreibt ein SMS oder eine WhatsApp-Nachricht an 0676 83844321 mit Namen, Wohnort und möglichen Einsatzzeiten. Die Freiwilligen werden verständigt, wenn Einsatz gebraucht wird.

Aktuelle Updates auch auf der Caritas-Facebookseite:
www.facebook.com/CaritasStPoelten


NÖN.at hatte zuvor berichtet:

Notquartier in Bischofstetten

Ab Mittwoch steht die Veranstaltungshalle als Transit- und Flüchtlingsquartier bereit.

x  |  NOEN, Presse&Foto Franz Gleiß

Ein Anruf stellte vergangenen Montag den Alltag von Bürgermeister Reinhard Hager auf den Kopf. Am Apparat: die Landespolizei. Grund für den Anruf: Die Veranstaltungshalle in Bischofstetten soll zum Transit- und Flüchtlingsquartier umfunktioniert werden.

„Politischer Druck wäre zu groß geworden“

Am Tag darauf begutachtete das Rote Kreuz die Halle. Am Freitag folgte ein Gespräch von Feuerwehr, Gemeinde und der Landespolizei. Einigung gab es keine. „Wir wollten eine 24-Stunden-Präsenz der Polizei. Da das und andere Vorschläge nicht möglich waren, beendeten wir das Gespräch ohne Ergebnis“, sagt Hager.

Erneut klingelte das Telefon am Samstag: Diesmal war das Innenministerium dran. „Wir brauchen die Halle unbedingt“, hieß es am anderen Ende der Leitung. Daraufhin berief Bürgermeister Hager eine Krisensitzung ein. „Der politische Druck wäre zu groß geworden, hätten wir uns in den Weg gestellt“, erklärt der Ortschef.

Somit war klar: Die Veranstaltungshalle wird zum Transit- und Flüchtlingsquartier umfunktioniert. Am Dienstag stellte das Innenministerium ein Zelt bereit. Stehen wird es bei der Kläranlage. Dorthin wird das Equipment der Halle einstweilen zwischengelagert, um Platz für die Flüchtlinge zu schaffen. Außerdem traf sich Bezirkshauptmann Norbert Haselsteiner mit dem Bezirkspolizeikommando, um die Abläufe zu koordinieren und über die Sicherheit zu sprechen.

Maximal 300 Flüchtlinge haben Platz

Ab Mittwoch ist nun das Rote Kreuz vor Ort, um alles für die Flüchtlinge vorzubereiten. Die ersten Flüchtlinge werden laut Hager am Mittwochabend oder Donnerstag eintreffen. Maximal 300 Personen haben in der 1.200 m großen Halle Platz.

Der Alltag sieht wie folgt aus: Busse bringen die Flüchtlinge nach Bischofstetten. Woher sie kommen, ist nicht klar und kann von Tag zu Tag variieren. Angekommen in der Halle, werden sie mit einer Mahlzeit versorgt. Weiters stehen Dusch- und WC-Container bereit. Außerdem werden die Flüchtlinge medizinisch versorgt.

Die Sachspendenannahme und– ausgabe sowie die Koordination der Freiwilligen in diesem Zusammenhang übernimmt die Caritas. Die Nacht verbringen sie in Bettenlagern in der Veranstaltungshalle. Am nächsten Morgen steigen die Flüchtlinge wieder in die Busse und verlassen Bischofstetten. Wohin sie gebracht werden, ist ebenfalls nicht bekannt.

Zwischenquartier bleibt bis Februar 2016

Bis Februar 2016 soll die Veranstaltungshalle den Flüchtlingen zur Verfügung stehen. „Darauf haben wir uns mit dem Ministerium geeinigt“, erklärt Hager.

Die Einquartierung der Flüchtlinge heißt gleichzeitig Absage aller Veranstaltungen. Davon betroffen ist unter anderem die „ProjectXmas“-Party der Landjugend. Laut Ministerium könnte die Veranstaltung am 28. November zwar trotz allem stattfinden. Dafür müsste die Halle aber extra geräumt werden.

Ob die Landjugend dieses Angebot annimmt, ist noch nicht klar. Bei einer Absage wird das Ministerium für die bereits getätigten Kosten aufkommen. Eine Lösung gibt es auch für die Feuerwehr-Wettkampftruppen, die normalerweise in der Halle trainieren. Eine Ausweichmöglichkeit wurde gefunden.


Randnotizen:

Bürgermeister Reinhard Hager nutzte bei der Abschlussveranstaltung des diesjährigen Feuerwehrfestes in Bischofstetten am Samstag die Gelegenheit, um die neuersten Ereignisse zu verkünden. „Wenn wir so zusammenrücken wie heute, schaffen wir alles“, sagte Vizebürgermeister Werner Nolz.