Erstellt am 03. November 2015, 05:02

von Franz Gleiß und Elisabeth Schuster

Das Kommen und Gehen hat begonnen. Seit Mittwoch halten Busse mit Flüchtlingen vor der Mehrzweckhalle in Bischofstetten. 721 Flüchtlinge wurden seither schon versorgt.

 |  NOEN, Franz Gleiß

Ein Dach über dem Kopf. Eine warme Mahlzeit und ein Schlafplatz: Für Österreicher selbstverständlich. Nicht jedoch für die Tausenden Flüchtlinge, die täglich über die Grenzen nach Österreich kommen.
Erschwerend kommen nun die Temperaturen hinzu. Deshalb ist das Ministerium auf der Suche nach Quartieren für die Schutzsuchenden. Eines davon steht seit vergangenen Mittwoch im Bezirk bereit: in der Mehrzweckhalle in Bischofstetten. Insgesamt 150 Schlafplätze stehen Flüchtlingen zur Verfügung.

Flüchtlinge bisher problemlos versorgt

Seit Mittwoch versorgen Rotes Kreuz, Caritas, das „Team Österreich“ und das Bundesheer die Flüchtlinge. Und das problemlos, wie Rotkreuz-Bezirkskommandant Helmut Eder verrät. Hergebracht werden die Flüchtlinge mit Bussen. Woher sie kommen ist nicht bekannt.

In der Halle finden sie Nischen mit Schlafplätzen auf Feldbetten, einen Bereich für medizinische Versorgung und einen Essensbereich mit Heurigengarnituren. Die warme Mahlzeit am Abend liefert das Bundesheer aus St. Pölten an — die Feldküche der Melker Pioniere ist schon in Wieselburg im Einsatz.

„Durchschnittlich werden 35 Flüchtlinge medizinisch versorgt. Der Jahreszeit entsprechend kommen viele mit Verkühlungen“, erklärt Hannes Haberfellner, Ybbser Rotkreuz-Bezirksstellengeschäftsführer. Seit Freitag ist eine tägliche Versorgung durch einen Arzt vor Ort gesichert. Täglich kommen auch zwei Dolmetscher in die Halle nach Bischofstetten. Sie helfen weiter, wenn die Flüchtlinge nicht Englisch sprechen.

Neue Kleidung, Schuhe und mehr gibt es bei der Caritas. Außerdem ist die Caritas für die Verteilung von Hygieneartikeln zuständig. Vor der Veranstaltungshalle stehen WC- und Duschcontainer. Ist die Nacht in Bischofstetten zu Ende, werden die Flüchtlinge mit einem Frühstück versorgt. Ehe es wieder „Bitte einsteigen“ heißt und die Fahrt in das Unbekannte weitergeht. „Sehr wenige suchen um Asyl an“, erzählt Haberfellner.

Infoveranstaltung und Tag der offenen Tür

Gemeinde, Rotes Kreuz, Caritas und Diakon Ronald Ehlers informierten die Bevölkerung am Freitagabend bei einer Veranstaltung im Gasthaus Sterkl über das Transitlager. Am Ende wollte Bürgermeister Reinhard Hager noch weitere Fragen beantworten. „Es kam aber keine einzige Frage“, so Hager.

60 Interessierte verschafften sich selbst ein Bild vom Transitlager am Samstagnachmittag beim Tag der offenen Tür. Eineinhalb Stunden lang wurden die Besucher in zwei Gruppen durch die Halle geführt. Am Ende erlebten sie die Ankunft der Flüchtlinge mit den Bussen selbst mit. Einen Blick in die Halle warfen auch die Kameraden der Bischofstettner Wehr nach einer Übung am Freitag.

„Diese Besuche waren wichtig. Jetzt hat ein Umdenken in der Bevölkerung eingesetzt“, sagt Hager. Auch seine eigenen Bedenken sind inzwischen verflogen: „Seit ich bemerkt habe, was diese Familien mit ihren kleinen Kindern auf sich nehmen - nur um aus ihrem Land wegzukommen.“

Eine Geste der Solidarität zeigt auch die Landjugend Bischof-stetten. Die Jugendorganisation wird das Angebot des Ministeriums für eine Räumung der Halle für die seit langem geplante ProjektXmas-Party nicht annehmen und sagt die Veranstaltung ab. „Andere brauchen die Mehrzweckhalle viel dringender als wir“, sagt Katharina Hölzl, „und wir wollen den Flüchtlingen und vor allem den freiwilligen Helfern ihr Leben nicht noch zusätzlich erschweren.“