Erstellt am 24. Mai 2016, 07:36

von Mario Kern und Daniel Lohninger

Deutlicher Unterschied: Stadt wählte grün, Bezirk blau. 33 der 39 Land-Gemeinden für Hofer, klare Mehrheit in St. Pölten für Van der Bellen.

Alexander Van der Bellen  |  NOEN, APA Werner Schlager

Das bundesweite Stadt-Land-Gefälle ist auch in der Region offensichtlich. Während es im Land-Bezirk eine klare Mehrheit für Norbert Hofer gab, holte sich Alexander Van der Bellen einen deutlichen Sieg in der Landeshauptstadt.

In 33 der 39 Gemeinden im Bezirk ging der FP-Kandidat als Sieger aus dem Duell hervor. Besonders eindeutig fiel das Ergebnis in Schwarzenbach aus: Hofer erhielt 70,7 Prozent der Stimmen, 68,3 Prozent gab es für ihn in Michelbach. Van der Bellen erzielte das beste Ergebnis in Eichgraben mit 58,3 Prozent und in Prinzersdorf mit 57,4 Prozent. Gänzlich konträr das Bild in der Landeshauptstadt, wo 56,8 Prozent der Wähler für Van der Bellen stimmten – und damit um 9.809 mehr als vor vier Wochen.

"Die Aufholjagd war wie ein Krimi"

Groß ist die Freude bei den Grünen: „Die Aufholjagd war wie ein Krimi, wir haben mitgefiebert und sind jetzt in Feierstimmung“, jubelte Grünen-Bezirkssprecher Michael Pinnow nach Bekanntwerden des Wahlergebnisses. Nun müsse Van der Bellen Brücken bauen und das Land einen. „Schließlich haben fast 50 Prozent einen anderen Kandidaten gewählt.“ Pinnow ist überdies mit den sechs „grünen Gemeinden“ im Bezirk sehr zufrieden. Dass Van der Bellen in der Stadt so gut abgeschnitten habe, sei nicht zuletzt Folge der Wahlempfehlungen führender Roter. Gemeinderätin Nicole Buschenreiter zeigt sich ebenfalls begeistert: „Großartig, dass er in der Stadt so zugelegt hat.“

"Die FP ist salonfähig geworden, die Wahl war also ein großer Erfolg"

Trotz der knappen Niederlage von Hofer zufrieden ist Stadt-FP-Obmann Klaus Otzelberger: „Jeder Zweite hat FP gewählt, obwohl alle vier Parteien und ein Großteil der Medien gegen uns waren. Die FP ist salonfähig geworden, die Wahl war also ein großer Erfolg für uns.“ Dass Hofer in der Stadt nicht punkten konnte, bewertet FP-Bezirkschef Erich Königsberger so: „Natürlich schmerzt es, dass wir hier um zehn Prozent weniger bekommen haben als im Bezirk. Es entspricht aber dem Stadt-Land-Gefälle.“

SP und VP hatten diesmal einen ruhigen Wahltag – wenngleich das Gros der Arbeit in den Wahlsprengeln an den Vertretern der beiden Parteien hing. Denn: In vielen Sprengeln in Stadt und Bezirk konnten FP und Grüne nicht einmal Wahlbeisitzer stellen. „Diese Wahl hat dennoch gezeigt, dass unsere Demokratie funktioniert“, erörtert VP-Nationalratsabgeordneter Fritz Ofenauer.

„Ich freue mich und bin sehr stolz auf das St. Pöltner Ergebnis.“

Über das Ergebnis freut sich Bürgermeister und SP-Bezirkschef Matthias Stadler. Er hatte sich bereits am Abend des ersten Wahlganges mit einer Empfehlung für Van der Bellen festgelegt. „Ich freue mich und bin sehr stolz auf das St. Pöltner Ergebnis.“ Bemerkenswert sei, dass Van der Bellen in allen Landeshauptstädten besser als Hofer abschnitt. „Und das, obwohl gerade in den städtischen Bereichen jene Themen vorherrschen, die von den Freiheitlichen aufgegriffen werden.“

Das Bezirksergebnis zugunsten von Hofer müsse man akzeptieren. „Dort muss man politisch ansetzen.“ Vom neuen Präsidenten Van der Bellen und dem neuen SPÖ-Kanzler Christian Kern erhofft er sich, dass sie „zusammenfügen, was in den letzten Wochen aufgebrochen ist. Auf Bundesebene sind nun SPÖ und ÖVP gut beraten, im Sinne einer neuen Zusammenarbeit eine gute Performance hinzulegen.“

„Eine der wichtigsten Aufgaben des neuen Präsidenten wird es sein, die Spaltung in diesem Land zu überwinden.“ Martin Michalitsch, VP

„Eine der wichtigsten Aufgaben des neuen Präsidenten wird es sein, die Spaltung in diesem Land zu überwinden“, betont VP-Bezirkschef Martin Michalitsch. Diese Spaltung sei auch in Stadt und Bezirk erkennbar. Er habe Van der Bellen gewählt: „Keine leichte Entscheidung, aber eine gegen den politischen Stil der FP.“ Stadtpartei-Chef Matthias Adl hofft, dass Van der Bellen jedenfalls ein aktiver Bundespräsident sein wird.