Erstellt am 14. September 2015, 09:45

Pielach-Alarmplan soll Fische schützen. Notsituationen an Flüssen wie heuer soll es nicht mehr geben. Fischbestand auch durch Fischotter und Gänsesäger bedroht.

In der Ruhe liegt die Kraft: In Niederösterreich gibt es über 40.000 aktive Fischer.  |  NOEN, Foto: Shutterstock / Goodluz
Die Hitze der vergangenen Monate bereitete auch den Fischern Sorgen. Hans Kaska ist Obmann des Fischereirevierverbandes IV St. Pölten, zu dem die Stadt St. Pölten sowie die Bezirke St. Pölten-Land, Lilienfeld und Tulln gehören. Er betont: „Durch die Hitzewellen in den Sommermonaten war die Sonneneinstrahlung auf die Gewässer deutlich zu hoch.“ In einigen Bereichen habe es trotz größerer Wachsamkeit der Fischerei und besorgter Bürger verendete Fische gegeben. Die erhöhten Temperaturen führten zu Sauerstoffmangel in den Gewässern, aber auch geringer Wasserstand und Stress für die Wassertiere, etwa durch den Badebetrieb, führten zu Problemen.

Aufgrund der Hitzewellen hat der Landesfischereiverband beschlossen, einen Alarmplan zu erstellen, dieser ist derzeit noch im Planungsstadium. „Eine rasche Reaktion der zuständigen Stellen auf unvorhergesehene Notsituationen ist unumgänglich, um dieses Ziel zu erreichen“, so Kaska. Dem stimmt der Fliegenfischer Thomas Hochebner von der Österreichischen Fischereigesellschaft zu: „Es müssen alle zusammenhelfen. An der Pielach hat es gut funktioniert.“ Die Kraftwerksbesitzer haben der Pielach mehr Restwasser zugeführt. „Probleme mit einem niedrigen Wasserstand kann man dadurch leicht in den Griff bekommen“, sagt Hochebner.

„Der Fischotter bedroht die Fischbestände“

Hochebner betreut an der Pielach inklusive der Nebenbäche über 100 Flusskilometer. „Die Ausfälle waren aber nicht so dramatisch,“ betont er. Neben der Hitze sind Prädatoren ein wichtiges Thema in der Fischerei. Hochebner erklärt: „Der Fischotter bedroht die Fischbestände.“ Diese seien dramatisch zurückgegangen, dadurch sei auch das ökologische Gleichgewicht der Flüsse bedroht.

„Der Fischotter frisst die großen Fische vor dem Ablaichen, es kommt nichts mehr nach“, erklärt Hochebner. Die dadurch ohnehin geringe Nachkommenzahl kann aber nicht ungehindert wachsen, denn die kleinen Fische sind Nahrung für den Gänsesäger. „Wenn dieser brütet, bekommt er bis zu 15 Junge. Ich habe mitten in Hofstetten-Grünau 30 Gänsesäger gezählt“, so Hochebner. Was dagegen machen können die Fischer nicht, denn Fischotter und Gänsesäger sind streng geschützt.

„Eine rasche Reaktion der zuständigen Stellen auf
unvorhergesehene Notsituationen ist unumgänglich,
um dieses Ziel zu erreichen.“ Hans Kaska,
Obmann des Revierverbandes IV

Rund 44.000 aktive Fischer gibt es derzeit in Niederösterreich. „Aus unserer Sicht ist besonders erfreulich, dass nicht nur immer mehr Frauen den Zugang zur Fischerei finden, sondern auch jährlich rund 450 Kinder und Jugendliche die Fischerkarte neu erwerben oder die Prüfung ablegen“, berichtet Kaska. Auch Hochebner freut das Interesse der Jugendlichen.

Es werden auch Jugendschwerpunkte gesetzt, um diese für den Sport zu begeistern. „Ich biete Kurse für die HTL an der Pielach an“, informiert Hochebner. Da gehe es speziell ums Fliegenfischen, aber auch für das Angeln von Raub- und Friedfischen werden Camps angeboten. Hochebner sagt: „Speziell für Jugendliche gibt es günstige Jahreskarten als Zuckerl zum Einstieg.“

Nur wenig Probleme mit Schwarzfischerei

Fischen ohne Fischerkarte war früher ein großes Problem. Nach Erfahrungen von Hochebner spielt die Schwarzfischerei aber heute keine wesentliche Rolle mehr. „Es kommt zwar vereinzelt vor, ist aber nicht bestandsgefährdend.“ Kaska stimmt zu und fügt hinzu: „Dass es immer wieder Personen gibt, die sich nicht an Gesetze halten, ist nichts Ungewöhnliches.

Die Fischereiaufseherinnen und Fischereiaufseher sind da, um das Gewässer, für das sie bestellt sind, zu beobachten und in jeder Hinsicht zu überwachen.“ Das habe in der Hitzeperiode aber auch seine guten Seiten gehabt und trug wesentlich dazu bei, dass Probleme rasch erkannt und teilweise auch gelöst werden konnten.