Erstellt am 14. September 2015, 09:52

von Nadja Straubinger

„Wir müssen auf die Investitionen aufbauen“. Bürgermeister Franz Größbacher über die Landesausstellung, die Bevölkerungsentwicklung und über die nächsten Projekte in der Gemeinde.

Franz Größbacher erläutert die Säulen, auf denen die Zukunft der Gemeinde aufgebaut ist.  |  NOEN, Jutta Streimelweger

Das letzte Pielachtaler Sommergespräch ging in Frankenfels in Szene. Bürgermeister Franz Größbacher (ÖVP) wählt als Gesprächsort Laubenbachmühle, einen Standort der Landesausstellung.

NÖN: Sie haben Laubenbachmühle für unser Gespräch ausgewählt, warum?

Franz Größbacher: Das liegt nahe, weil heuer die NÖ Landesausstellung „ÖTSCHER:REICH - die Alpen und wir“ hier in der Laubenbachmühle und an zwei weiteren Standorten ausgetragen wird. Das ist ein Jahrhundertereignis für die Region und speziell für uns in Frankenfels.

Was hat die Landesausstellung bisher für Frankenfels gebracht?

Größbacher: Enorm viel. Bei der Eröffnung am 24. April bin ich mit dem Kernteam bei der Brücke gestanden und wir haben uns angesehen, was hier entstanden ist. Wenn das jemand vor fünf Jahren gesagt hätte, hätte es keiner geglaubt. Erst kam die Mariazellerbahn, dann um die 100 Arbeitsplätze und dann die Landesausstellung. Sie ist eine unbezahlbare Imagewerbung. Die Wertschöpfung für Tourismus, Gastronomie und allem was dazugehört wie beispielsweise die Regionalpartner sind sehr zufriedenstellend. Im Ort sind 20 Fremdenzimmer mehr im Sog der Landesausstellung entstanden. Auch die Jugend merkt, dass da eine Riesendynamik dahintersteckt und dass man stolz sein kann, hier zu wohnen.

Die Landesausstellung ist bald vorbei. Wie will man den Impuls im Ort weiterleben?

Größbacher: Es ist viel investiert worden. Viele haben gefragt, ist das notwendig? Da hab ich oft mit einem Spruch vom legendären Landeshauptmann Eduard Wallnöfer geantwortet: Wir müssen investieren. Die Jugend wird nicht alleine von der Kulturlandschaft leben können. Wer täglich 50 und mehr Kilometer pendeln muss, wird früher oder später wegziehen und der Heimat den Rücken kehren. Man braucht ein echtes Highlight.

„Erst kam die Mariazellerbahn, dann um die
100 Arbeitsplätze und dann die Landesausstellung.“
Franz Größbacher, Bürgermeister Frankenfels

Was ist ihr Highlight?

Größbacher: Die Himmelstreppe war ein echter Glücksfall. Der 100.000ste Besucher wurde vor etwa zwei Monaten bei der Landesausstellung begrüßt. Diese Mengen in eine Region zu bringen, wo das Tal eng wird, ist beachtlich. Aber, man muss weitermachen und darf sich nicht ausrasten. Wir müssen auf die Investitionen aufbauen. Die Landesausstellung ist nur das Fundament.

Gibt es schon Ideen, wie es weitergehen soll?

Größbacher: Es wäre zu früh, konkret darüber zu reden. Wir haben natürlich Ideen, aber bevor wir mit möglichen Partnern gesprochen haben, macht es keinen Sinn, etwas zu verraten. Durch die Landesausstellung haben sich die touristischen Angebote modernisiert. Auf der Mariazellerbahn werden die weiteren Schritte aufbauen. Der nächste Event ist allerdings schon mit dem „Advent in der Laubenbachmühle“ in Kooperation mit der NÖVOG geplant.

Sie nennen das Jahr 2015 gerne das Eröffnungsjahr, warum?

Größbacher: Das Betriebszentrum haben wir zwar schon 2014 eröffnet, aber die Landesausstellung und Nixhöhle erst heuer. Die Nixhöhle ist 1926 für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden und jetzt haben wir 300.000 Euro investiert. Die haben sich ausgezahlt, denn wir haben die Besucherzahlen verdoppelt. Außerdem wurde die Alm Eibeck eröffnet, die wir vor hundert Jahren gekauft haben. Im Weißenbachtal gab es ein Dreierpaket: das Kleinwasserkraftwerk, die Kanalisation und Wasserversorgung. Flussabwärts hier von der Laube haben wir einen Gehweg mit Abbiegespur und Parkplätze für die Landesausstellung hergestellt, in Boding Gehwege für die Verkehrssicherheit umgesetzt, Bauland angekauft, einen Wohnblock eröffnet, Betriebsgebiet aufgeschlossen und die Straßenbeleuchtung auf LED-Beleuchtung mit über 200 Lichtpunkten umgestellt. Außerdem haben wir Photovoltaikanlagen auf sechs öffentlichen Gebäuden. Es ist wichtig, dass wir uns nicht nur auf die Landesausstellung konzentrieren, sondern auch auf die anderen Dinge im Ort.

Was sagt die Bevölkerung zur Landesausstellung?

Größbacher: Die trägt mir natürlich hauptsächlich Positives zu. Aber es gibt auch manchmal Kritik, weil es zu laut ist. Wir haben da ein offenes Ohr. Es ist sicher nicht einfach, aber viele freuen sich, dass so etwas am Ende des Tals passiert.

Wie sehen Sie die Bevölkerungsentwicklung?

Größbacher: Seit zehn Jahren haben wir eine negative Entwicklung mit minus fünf bis minus sechs Prozent. Der Themenkomplex Bevölkerungsentwicklung und Zukunft des ländlichen Raums interessiert mich sehr, da lese ich auch viel Literatur. Im Vergleich zu ähnlichen Gemeinden am Talende ohne Hinterland stehen wir gut da. Im Vergleichszeitrum von 25 Jahren ist die Zahl stabil. Es gibt zwei Wege mit der Lage umzugehen: den steirischen Weg etwa, die Obersteiermark ist fast aufgelassen worden. Und es gibt den niederösterreichischen Weg und der heißt „ÖTSCHER:REICH - die Alpen und wir“. Da wird investiert, denn von nix kommt nix.

Gibt es auch Zuzug oder erhält sich die Gemeinde nur durch die Geburten?

Größbacher: Der Zuzug ist gering. In den Gemeinden rund um Ballungsräume kommen die Leute von selbst, wir müssen täglich darum kämpfen. Wir schauen, dass wir die Heimischen halten und dass wir die Startvoraussetzungen anpassen, beim Kindergarten angefangen über Bildung bis hin zu Freizeiteinrichtungen. Wir müssen froh sein, wie es ist. Wir haben aber erfreuliche Geburtenzahlen. 19 Geburten waren es heuer bis jetzt. Geburten und Todesfälle halten sich in etwa die Waage.

Heuer war Wahljahr. Welches Resümee ziehen Sie?

Größbacher: Wir sind sehr zufrieden. Wir haben vor fünf Jahren über zehn Prozent gewonnen, jetzt 2,3 Prozent. Wir haben über 70 Prozent der Stimmen. Ein solches Ergebnis hatte die ÖVP nur ein einziges Mal in den 70er-Jahren.

Wie war es im Wahlkampf?

Größbacher: Es gibt immer Ausreißer, aber es ist bei uns im Großen und Ganzen harmonisch. Da gibt es keine Haxlbeißerei. Natürlich wird diskutiert, dafür ist ja die Demokratie da, aber es geht nie ins Persönliche. Jeder wirbt für sein Programm, es herrscht gutes Gesprächsklima.

Welche Projekte stehen in der nächsten Zeit an?

Größbacher: Die größeren Dinge sind die Kindergartenerweiterung und eine Freibadsanierung. Heuer besuchen 80 Kinder den Kindergarten und wir brauchen eine vierte Kindergartengruppe. Diese ist noch ein Provisorium. Es sind aber etliche Dinge, die zu machen sind. Bei der Säule „Wohnen, Wohnungen und Bauland“ haben wir schon vorgesorgt. Wenn junge Leute eine Wohnung zu einem vernünftigen Preis brauchen, muss man die anbieten können. Junges Wohnen und Startwohnungen gehören zu den ersten Projekten. Die zweite Säule ist „Arbeit und Wirtschaft“: Wir bieten der Wirtschaft Unterstützung, dass diese integriert ist. Das Kapitel Freizeiteinrichtungen ist die dritte Säule. Hier gehört die Sanierung des Freibads dazu und auch die Unterstützung der Vereine und Institutionen. Das ist aber die Kür.

Was ist dann die Pflicht?

Größbacher: Infrastruktur gehört zu den Pflichtaufgaben einer Gemeinde. Hier sind die Eisenbahnkreuzungen ein großes Thema, wie überall im Tal. Aber auch der Hochwasserschutz ist noch nicht fertig. Aber wann ist der schon fertig. Auch das Bildungsangebot hält Leute hier. Wir haben ein neues Schulhaus gebaut. Und ein großes Kapitel ist die Sicherheit: In Weißenbach haben wir ein neues FF-Haus gebaut.

Wo sehen Sie Frankenfels in 20 Jahren?

Größbacher: Wenn wir die vier Säulen – Wohnen, Arbeit und Wirtschaft, Infrastruktur sowie Freizeit und Lebensqualität – weiterverfolgen, bin ich zuversichtlich für die Gemeinde. Wir haben eine starke Region. Charakteristisch ist bei uns auch der Zusammenhalt der Bevölkerung. Das sagen viele Fremde, dass es hier noch ein anderes Nachbarschaftsverhalten gibt. Das wollen wir uns auch in Zukunft erhalten.