Erstellt am 11. April 2017, 06:00

von Nadja Straubinger

Kampf gegen die Leerstände im Pielachtal. Gemeinsam wollen 14 Gemeinden der Abwanderung weiter trotzen.

Fünf Gemeinden aus dem Pielachtal sind bei der Wohnstandortvermarktung dabei: Weinburg mit Bürgermeister Peter Kalteis, Ober-Grafendorf mit Bürgermeister Rainer Handlfinger, Kirchberg mit Bürgermeister und LEADER-Obmann Anton Gonaus, Loich mit Bürgermeister Anton Grubner und Frankenfels mit Bürgermeister Franz Größbacher, im Bild mit LEADER-Region Mostviertel Geschäftsführerin Petra Scholze-Simmel.  |  NOEN, LEADER-Region Mostviertel-Mitte

„Die besten Schuhe finden keinen Abnehmer, wenn sie nicht in der Auslage stehen“, erklärt LEADER-Geschäftsführer und Kirchbergs Bürgermeister Anton Gonaus, warum 14 Gemeinden der Region jetzt ihre Wohnstandortvermarktung gemeinsam durchführen wollen.

Es gebe viele Leerstände in den Gemeinden und das mache es schwieriger, ein schönes Ortsbild auf Dauer zu halten. „Wir wollen jetzt etwas gegen diese Leerstände unternehmen und das Image verbessern“, betont Gonaus. Dabei helfen soll die neue Website. Derzeit sind dort 122 Objekte zu finden. Ziel ist es, die Angebote rasch zu erhöhen.

„Wir wollen hier etwas aufbauen, dass hoffentlich auch genutzt wird“, so Gonaus. Die Webseite enthält neben Immobilien-Angeboten auch Standortinfos zu den LEADER-Gemeinden sowie Informationen zum Thema Wohnen. Außerdem erzählen Privatpersonen, wieso sie ihre Gemeinde lebenswert finden.

„Die Entwicklung umzukehren, das ist ganz schwierig. Aber wir versuchen, den Trend zu bremsen.“ LEADER-Obmann Anton Gonaus

In einem Demographie-Check hat die LEADER-Region erhoben, wie es um die Mitgliedsgemeinden in Bezug auf Wirtschaft und Bevölkerungsentwicklung steht. 39 Gemeindeporträts wurden erstellt und als Handlungsempfehlung die Professionalisierung der Wohnstandortvermarktung durch interkommunale Zusammenarbeit entwickelt. Während im Pielachtal nur die ganz kleinen Gemeinden wie Loich und Schwarzenbach mit Bevölkerungsschwund zu kämpfen haben, ist es im Bezirk Lilienfeld auch die Bezirkshauptstadt selbst, die mit einer Abnahme der Bürger zu kämpfen hat.

„Die Entwicklung umzukehren, das ist ganz schwierig. Aber wir versuchen, den Trend zu bremsen und gegenzusteuern“, führt Gonaus aus. Er sieht es als kommunalpolitische Kernaufgabe, dass auf die Ortsentwicklung geschaut wird. „In Kirchberg hat sich der Trend zur Abwanderung 2003 umgekehrt, heute haben wir einen Einwohnerhöchststand erreicht“, so Gonaus stolz. Aber auch Hofstetten-Grünau, Rabenstein und Weinburg wachsen.

„Kleine Gemeinden haben es schwerer“

„Kleine Gemeinden haben es schwerer“, weiß Gonaus. Es müsse immer Wohnraum geschaffen werden, aber auch die Infrastruktur müsse mithalten. Es sei aber nicht sinnvoll, auch bei wachsenden Gemeinden nicht, dass immer mehr Flächen außerhalb des Ortskerns gewidmet werden und das Zentrum stirbt.

„Mir taugt das Projekt, ob es etwas bringt, kann man sicher erst in drei Jahren sagen“, zeigt sich Gonaus vorsichtig optimistisch. Eine besondere Herausforderung aktuell sind die kleineren Haushaltsgrößen. „Früher haben pro Haus sechs Personen gewohnt, heute sind es nur zwei bis drei“, weiß Gonaus. Das heißt aber auch, dass es den doppelten Wohnraum benötigt, um die Einwohnerzahl zu halten.