Erstellt am 13. April 2016, 05:44

von Martin Gruber-Dorninger

Alles dreht sich um den Drathesel. Im Wienerwald gibt es künftig ein Eldorado für Mountainbiker. Konflikte am Berg und im Stadtverkehr.

Auf acht neuen Strecken können sich Mountainbiker künftig im Wienerwald austoben.  |  NOEN, Gruber

„Jo, wir san’ mit’n Radl do“, dieses Lied geht den Bewohnern der Region Purkersdorf recht leicht über die Lippen. Kein Wunder, immerhin wurde Purkersdorf 1998 zur „Fahrradfreundlichen Gemeinde“ gewählt. Das ist zwar doch schon einige Jahre her, aber in letzter Zeit scheint sich in der Stadt und drumherum wieder einiges für die Radfahrer zu tun. Neben einem umfangreichen Radwegnetz vom Karlsplatz bis zum Wienerwaldsee, sorgen derzeit auch acht neue Mountainbike-Strecken im Wienerwald für Furore.

Auf Initiative der Plattform „Mountainbiken im Biosphärenpark Wienerwald“, bestehend aus allen Interessenvertretern, wird ein Streckennetz von acht neuen Single-Trails im Wienerwald freigegeben. Auf diesen gekennzeichneten Strecken ist es den Mountainbikern erlaubt, sich auszutoben.
„Das Miteinander in diesem Projekt ist einzigartig“, freut sich Alexander Arpaci, Vereinsobmann WienerWaldTrails, „alle beteiligten Projektpartner ziehen an einem Strang. Die Single-Trails stehen ab sofort allen Mountainbikern zum Start in die sportliche FairPlay-Saison zur Verfügung.“

x  |  NOEN, Martin Gruber-Dorninger

Doch wo es viel Licht gibt, da gibt es auch Schatten. In der Vergangenheit sorgten oftmals unterschiedliche Interessen für Dispute zwischen Jägern, Mountainbikern und Wanderern. In Lilienfeld kam es sogar zu einer Gerichtsverhandlung. Der Bezirksjägermeister für Wien-Umgebung, Andreas Radlinger, sieht darin immer noch ein großes Konfliktpotenzial.

Kennzeichen für Mountainbiker?

„Stellen Sie sich vor, Sie sind als Wanderer im Wald unterwegs und plötzlich rauscht von hinten ein Radfahrer an Ihnen vorbei. Und meist können Sie sich angehen lassen auch noch“, hat Radlinger schlechte Erfahrungen gemacht. Vor allem die Ohnmacht gegenüber den schnellen Mountainbikern ärgert den Jäger: „Man hat keinerlei Chance sie zu kontrollieren. Ich bin dafür, dass die Mountainbiker auf gekennzeichneten Routen ihren Sport ausüben sollen und auch eine Art Kennzeichen haben sollen.“

So weit soll es beim neuen Wienerwaldprojekt nicht kommen, es sollen die Interessen Naturschutz, Tourismus, Jagd, Freizeit, Waldbesitz und Grundeigentum in Einklang gebracht werden. „Durch gezielte Besucherlenkung soll das gelingen“, erklärt Rudolf Freidhager, Vorstand Österreichische Bundesforste. Durch umsichtige Streckenführung sollen Spannungen zwischen den Zielgruppen entschärft werden. Biosphärenpark-Geschäftsführer Herbert Greisberger mit Arbeitsplatz in Tullnerbach dazu: „Mit diesem Projekt sind wir unserer nachhaltigen Vision von ökologischem Gleichgewicht, ökonomischer Sicherheit und sozialer Gerechtigkeit wieder ein Stück näher gekommen.“

Gablitzer Grüne fordern bessere Radkonzepte

Doch nicht nur am Berg kommt es wegen der Drahtesel zu Konflikten. Auch in Gablitz kritisieren die Grünen, dass die Radwege zusehens vernachlässigt würden. Es gebe bei der Erarbeitung neuer Konzepte zum Thema „Radfahren“ und umweltfreundliche Mobilität kaum Fortschritte. „Die derzeitigen Radwege in Gablitz sind, wenn überhaupt vorhanden, zum Teil schlecht ausgestaltet, eng, durch diverse Straßenmasten verstellt und zwingen zu vielen Umwegen“, so Grünen-Gemeinderätin Fritzi Weiss.

Dies lässt Bürgermeister Michael Cech nicht auf sich sitzen: „Leider zeigt sich, dass die Grünen jede Arbeit für Gablitz verschlafen und alle Energie in politisches Hick-Hack stecken.“ Beim „Radlgrundnetz“ würden im vollen Einklang mit den Nachbargemeinden Schwachstellen untersucht und Lösungsvarianten erarbeitet. „Am 1. April gab es die gemeindeübergreifende Planungssitzung mit dem beauftragten Planer“, berichtet Cech und streicht gleichzeitig das Leihradprojekt „NextBike“ hervor. „Das wurde von der angeblich tatenlosen schwarz-roten Koalition ins Leben gerufen, ebenso das erfolgreiche Ortstaxi“, streicht Cech hervor und kritisiert seinerseits die „Tatenlosigkeit der Gablitzer Grünen“.

Was bringt die Zukunft für die Radler?

Auch in Purkersdorf ist man stolz auf die radlerischen Errungenschaften in letzter Zeit. „Wir haben das Leihradprojekt weiter ausgebaut. Auf allen Bahnhöfen kann man sich Räder ausleihen und bei Bedarf in Hütteldorf wieder zurückgeben“, betont Vizebürgermeister Christian Matzka. Der Radweg vom Karlsplatz bis zum Wienerwaldsee soll ebenfalls in nächster Zeit Realität werden. „Wir merzen noch Schwachstellen aus“, so Matzka.

Beim Thema „e-Bikes“ ist der Vizebürgermeister hingegen skeptisch. „Die sind zu schnell. Hier ist in der Gesetzgebung noch ein großer Graubereich“, sieht Matzka ein weiteres Konfliktpotenzial bei den Drahteseln.

INFORMATIONEN:

Plattform „Mountainbiken im Biosphärenpark Wienerwald“ besteht aus dem MTB-Verein „WienerWaldTrails“, Biosphärenpark Wienerwald Management, Österreichische Bundesforste, Stift Klosterneuburg, Forstamt der Stadt Wien (MA 49) und Wienerwald Tourismus.