Erstellt am 16. Februar 2016, 12:10

von Martin Gruber-Dorninger

Ansturm auf Diskussion. Stadtsaal war bummvoll, der Grund: Mitte April sollen 42 Asylwerber in Purkersdorf einziehen.

Bürgermeister Karl Schlögl, der Verantwortliche der Flüchtlingskoordination des Landes NÖ Peter Rozsa, Moderator Christoph Planitzer, Stadträtin Susanne Bollauf, vom Verein menschen.leben Klaus Neumann und Gemeinderätin Margaretha Schmidl am Podium des Informationsabends  |  NOEN, Gruber-Dorninger

So wie derzeit das gesamte Land Österreich, scheint auch Purkersdorf in einer Frage entzweit: Wohin mit den Asylwerbern? Purkersdorf soll spätestens ab Mitte April etwa 42 minderjährige unbegleitete Flüchtlinge in einem Bürogebäude der ehemaligen Firma Diebl-Druck in der Wintergasse aufnehmen. Die Anrainer sind besorgt und richteten sich bereits vor der Infoveranstaltung im Stadtsaal mit einer Petition sowohl an die Stadtgemeinde als auch an die Bundesregierung.

„Wir distanzieren uns klar von jeder Art von Rassismus, Gewalt und Fremdenhass, bekennen uns eindeutig zum Schutz von Flüchtlingen und Asylwerbern, lehnen aber einen unkontrollierten Zuzug ab“, heißt es unter anderem in dieser Petition, die auch einen Fragenkatalog beinhaltete.

Petition mit langem Fragenkatalog

Dieser wurde auch bei der Infoveranstaltung (war zu Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch im Gange) Punkt für Punkt von den Verantwortlichen abgearbeitet. Neben Bürgermeister Karl Schlögl waren das Susanne Bollauf und Marga Schmidl, die in Purkersdorf die Flüchtlingskoordination innehaben, sowie Peter Rozsa vom Land Niederösterreich und Klaus Neumann vom Verein menschen.leben, der sich in diesem Bürogebäude in der Wintergasse eingemietet hat und dort Asylwerber betreuen will.

Zusätzlicher Beamter für Purkersdorf

Die Stimmung im Stadtsaal war zwar angespannt, aber durchaus konstruktiv. Vor allem die Erfahrungen von engagierten Purkersdorfern, die bereits Flüchtlinge aufgenommen oder betreut haben, trugen zu Beruhigung und Zwischenapplaus bei. Bei der Frage der Sicherheit gingen dann doch die Wogen hoch. Etwa bei der Frage eines Besuchers: „Neben dem geplanten Quartier ist ein Kindergarten, den meine Tochter besucht. Können Sie die Sicherheit meines Kindes gewährleisten?“

Peter Rozsa versicherte, dass zu jedem Zeitpunkt jemand im Quartier sein werde und die jungen Männer zwischen 14 und 18 Jahren begleiten werde.
Außerdem berief er sich auch auf seine Erfahrung, dass es bisher in keinem einzigen Lager in Niederösterreich zu derartigen Übergriffen gekommen sei.

Karl Schlögl betonte gegenüber der NÖN, dass ihm als Bürgermeister bei der Aufnahme von Flüchtlingen die Hände gebunden seien: „Als Bürgermeister ist man in der schwierigen Situation, egal ob pro oder contra Asylwerber, dass man vom Land und Bund durch Gesetze entmündigt ist.“ 

„Als Bürgermeister ist man in einer schwierigen Situation, egal ob pro oder contra Asylwerber.“ Karl Schlögl, Bürgermeister von Purkersdorf

Er könne lediglich versuchen, die Rahmenbedingungen, wie beispielsweise die Sicherheit, zu verbessern. Das habe Schlögl in dieser Woche auch getan. „Ich habe die Zusage von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner, dass wir in Purkersdorf einen zusätzlichen Polizeibeamten bekommen, der auf diese Situationen spezialisiert ist“, so Schlögl, der im Innenministerium um diese Fachkraft angesucht hat. Er werde als Bürgermeister auch versuchen ein gutes Zusammenleben mit den neuen Bürgern anzustreben. „Allerdings nicht um jeden Preis. Arabische Sitten werde ich keinesfalls dulden“, habe seine Toleranz auch eine Grenze.