Erstellt am 01. Juni 2016, 05:05

von Martin Gruber-Dorninger

Bundesforste: "'Wir sind Weltmeister im Spagat“. Stabile Betriebsleistung, Rekordinvestition, sinkender Holzpreis und ein nötiger Balanceakt bei der Nutzung der Wälder.

Die Vorstände Rudolf Freidhager (links) und Georg Schöppl von den Österreichischen Bundesforsten zogen in der Wiener Labstelle Bilanz unter das Vorjahr.  |  NOEN, Martin Gruber-Dorninger

Die Österreichischen Bundesforste (ÖBF), die ihren Firmensitz in Purkersdorf haben und somit im gesamten Wienerwald heimisch sind, luden zur Jahresbilanz von 2015. Die vielfältige Nutzung des Wienerwaldes waren ebenso Thema wie der sinkende Holzpreis und einem großen Anteil an Schadholz, trotz dem die Betriebsleistung stabil bei 230,2 Millionen Euro gehalten werden konnte.

„Der Fichtenborkenkäfer und damit verbunden die heißen Sommer, setzen den Wäldern Österreichs stark zu“, leitet der Vorstand der ÖBF (Österreichische Bundesforste), Rudolf Freidhager ein. Es werde künftig auch an eine veränderte Baummischung gedacht, bei der Pflanzung von Jungbäumen.

Die Fichte, die für die ÖBF so etwas wie ein „Brotbaum“ ist, wird aufgrund des Klimawandels eher höher anzusiedeln sein. „Wir hatten im vergangenen Jahr fast zehn Tage, an denen über 40 Grad Celsius in tieferen Lagen erreicht wurden. Dort werden wir vermehrt hitze- und windresistentere Baumarten einsetzen“, wagt Freidhager einen Blick in die Zukunft. Die Rede ist von der Douglasie.

Neue Herausforderung für das Unternehmen

„Die Nachfrage unserer Kunden an Nadelgehölzen wird nicht weniger“, ergänzt Georg Schöppl, Vorstand für Finanzen und Immobilien. Die Natur gebe die Rahmenbedingungen vor und die Herausforderung der ÖBF sei es, jedes Jahr das Beste daraus zu machen, so Freidhager.

Das Ernteziel von 1,5 Millionen Holzfestmetern wurde auch 2015 zum wiederholten Male eingehalten. „Natürlich wollen wir auch, wie alle Unternehmen wachsen. Wir haben uns jedoch der Nachhaltigkeit verpflichtet und uns mit den 1,5 Millionen Festmetern eine eigene Wachstumsbremse verpasst“, erläutert Schöppl.

Erfreulich seien auch die Rekordinvestitionen, die im Vorjahr im Ausmaß von 24,7 Millionen Euro getätigt wurden, so Schöppl. Zur Nutzung der Ressource Wald, vor allem im Freizeitbereich, gab es auch eine Stellungnahme.

Nachhaltige Immobilien-Strategie

„Jährlich besuchen rund 20 Millionen Menschen den Wienerwald. Wir sind die Weltmeister des Spagats und versuchen alle unterschiedlichen Interessen der Waldbesucher zufriedenzustellen“, spielt Freidhager auf oftmalige Konflikte zwischen beispielsweise Mountainbikern und Wanderern an. Das Fortswegnetz betrage österreichweit 14.000 Kilometer, 2.000 wurden nun für die Mountainbiker freigegeben.

Über Purkersdorf im Speziellen wurde dann in kleinerem Rahmen geplaudert. Hier steht vor allem die Adaptierung und Renovierung des Wasserschlosses im Fokus. „Ganz im Sinn unserer nachhaltigen Immobilien-Strategie werden die Bundesforste heuer investieren. Es sind Sanierungsmaßnahmen an der Substanz des Objektes geplant“, erklärt Pressesprecherin Pia Buchner. Außerdem geht es auch um die Barrierefreimachung.

Die Kosten werden zu je einem Drittel von der Gemeinde Purkersdorf, von den Gemeinden der Gerichtssprengel sowie von den Österreichischen Bundesforsten getragen. Bürgermeister Karl Schlögl ist froh über den starken Partner im Ort und in der Region: „Die Bundesforste verwalten zehn Prozent der Fläche des Landes und das sehr erfolgreich. Es ist gut, dass sich die Betriebsführung dazu entschieden hat, auf meiner Bitte hin, sich in Purkersdorf niederzulassen.“

 


Zahlen und Fakten

Bilanz des Vorjahres der Österreichischen Bundesforste.

Betriebsleistung: 230,2 Mio. Euro

Geschäftstätigkeit: 24,5 Mio. Euro

Operativer Gewinn: 24,8 Mio. Euro

Beitrag zum Bundesbudget: 29,9 Mio. Euro

Investitionen: 24,7 Mio. Euro

Schadholz um 88 % gestiegen