Purkersdorf

Erstellt am 20. April 2017, 15:15

„Am Anfang war nur die Freude. Karl Takats spricht mit der NÖN über den schwierigen Beginn und den Erfolg, der sich langsam einstellte.

Der Chef der Bühne, Karl Takats, blickt zufrieden auf die ersten fünf Jahre seiner Wirkunsgstätte zurück.  |  NOEN, Gruber-Dorninger

„Das Haus von Rocky Docky hat Vieles schon erlebt. Kein Wunder, dass es zittert, kein Wunder, dass es bebt“, so lautet ein bekanntes Kinderlied. Der Text lässt sich auch wunderbar auf das Hotelensemble in der Wienerstraße 12 im Herzen Purkersdorfs umlegen. Vor allem „Die Bühne“ lässt seit fünf Jahren die Kulturszene massiv beben. Der Erfolg hat einen Namen, nicht Rocky Docky, sondern Karl Takats, seines Zeichens Chef der „geilen Hütte“, wie er die Bühne selbst bezeichnet.

Karl Takats schätzt das Gespräch mit seinen Künstlern. Hier mit Nadja Maleh im Backstage-Bereich der Bühne.  |  NOEN, Jauck

Das Gebäude selbst entstand 1900, als es nach einem Brand im damaligen Hotel Senfelder renoviert und auch neu gebaut wurde. „Die Bühne“ diente als Ballsaal, das lässt sich auch heute noch nachvollziehen, spätestens bei einem Blick an die Decke. Zwischenzeitlich wurde das Haus als Kino genutzt, danach als Veranstaltungsstätte, die mehr schlecht als recht Events beherbergte. Vor etwas mehr als fünf Jahren erhielten Karl Takats und Werner Deimel mit ihrem Verein den Zuschlag, einen Neuanfang mit der Bühne zu wagen und tatsächlich Veranstaltungen jeglicher Art nach Purkersdorf zu holen und den Künstlern im wahrsten Sinne eine „Bühne“ zu bieten.

„Ich bin draufgekommen, dass eigentlich nichts da war. Keine Konzessionen, Berechtigungen, und und und.“Karl Takats

„Am Anfang war nur die Freude“, erinnert sich Karl Takats im Gespräch mit der NÖN. Er wusste noch nicht, mit welchen Windmühlen der Behörden er es noch zu tun bekam. „Ich bin draufgekommen, dass eigentlich nichts da war. Keine Konzessionen, Berechtigungen, und und und. Es hat fast ein halbes Jahr, viel Geduld und Geld gebraucht, um die Bühne überhaupt erst einmal eröffnen zu können“, waren Rückschläge für Takats bereits vorprogrammiert.

„Das war okay, denn ich sehe mich als Entwickler. Und unser Motto war ohnehin: Aufgeben tut man einen Brief!“ Tägliche Gänge zur Bezirkshauptmannschaft und Geldaufstellen standen zunächst an der Tagesordnung statt Musik, Kabarett und Unterhaltung. „Die Vermieter des Gebäudes haben uns zu dieser Zeit unterstützt und dann war es auf einmal so weit – am 13. April 2012 hatten wir große Eröffnung“, strahlt Takats.

Bühne-Urgestein und NÖN-Mitarbeiter Ernst Jauck wird seine besten Schnappschüsse der letzten fünf Jahre ausstellen.  |  NOEN, Karl Takats

Seither geben sich die Stars der Klein- und auch Großkunstszene die Türklinke der Bühne in die Hand. Aber auch das funktionierte zunächst nicht ganz so gut. „Wir haben bekannte Jazzbands geholt. Die waren nicht nur teuer, sie haben auch nicht unbedingt den Geschmack des Publikums getroffen. Wir mussten zunächst kleinere Brötchen backen“, führt Takats einen Strategiewechsel aus.

Heimische Künstler wurden allmählich nicht nur zum Stammpublikum, sondern zu Stammkünstlern. „Ich hab mir am Anfang eingebildet, zu wissen, wie es geht. Das war pure Selbstüberschätzung. Doch nach und nach hat sich eine Hellhörigkeit für die Bühne entwickelt“, gesteht Takats Kinderkrankenheiten ein. Nach einem weiteren Jahr stellten sich erste Erfolge ein – seither ist „Die Bühne“ nicht mehr aus Purkersdorf wegzudenken.

Bühne ist und bleibt ein Künstler-Treff

Mittlerweile hat sich so etwas wie eine „Bühnen-Szene“ gebildet. Ginge es nach den Vorstellungen von Takats sollen sich hier die Künstler ungezwungen treffen können und sich austauschen, ganz egal, aus welcher Richtung der Kunst sie kommen. „So hat es eigentlich auch angefangen. Als Tschellnig, Grünzweig und Jauck sich regelmäßig trafen, um zu musizieren oder sich einfach zu unterhalten“, soll für Takats die Bühne eine Kommunikations-Plattform und Künstlertreff für alle bleiben.

Ideen, wie der Blue Monday, an dem Nachwuchskünstler quasi kostenlos in der Bühne auftreten dürfen, sind für Karl Takats stets willkommen. „Viele haben eine Idee, schmeißen sie mir vor die Füße und sagen dann, dass ich etwas daraus machen soll“, kann Takats heutzutage nichts mehr damit anfangen.

Der Idee von „Dancing Star“ Monica Weinzettl, die sie in einem NÖN-Interview äußerte, kann Takats durchaus etwas abgewinnen. Sie schlug eine Art „Fünf Uhr Tee“ wie früher vor, wo Leute im alten Ballsaal das Tanzbein schwingen können.

In den nächsten Jahren will Takats den erfolgreichen Weg weitergehen. „Was noch fehlt, ist so ein bisschen die Spitze. Ich glaube, dass wir in ein paar Jahren bereit sind, ein bis zweimal im Monat internationale Spitzenkünstler in Purkersdorf auftreten zu lassen“, schaut Takats zuversichtlich in die Zukunft.

Am Freitag, 21. April wird gefeiert, und zwar das fünfjährige Bestehen der „Bühne“. Takats selbst wird sich dabei einen Traum erfüllen und gemeinsam mit 22 weiteren Künstlern die Bude zum Beben bringen.