Erstellt am 23. November 2015, 14:34

von Claudia Stöcklöcker

Die Notlage ausgenützt - Mann missbrauchte Kinder. An bulgarischen Kindern verging sich ein 46-Jähriger. „Opfer stammen aus einer Bettelgemeinschaft“, sagt Verteidigerin Ulrike Koller im Prozess in Purkersdorf.

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„Der Angeklagte hat bei seiner Einvernahme erzählt, dass er pädophile Neigungen hat, sich von jungen Männern und Kindern angezogen fühlt“, sagte Staatsanwalt Karl Wurzer im Prozess gegen einen 46-Jährigen aus dem Bezirk Purkersdorf.

Schweren sexuellen Missbrauch von Unmündigen wirft der Staatsanwalt vor, laut Anklagebehörde verging sich der 46-Jährige an zwei Burschen im Alter von zehn und elf Jahren. Auch sexueller Missbrauch von Jugendlichen steht auf der Liste der Vorwürfe und pornografische Darstellung von Minderjährigen. 1.900 verbotene Fotos und 85 Videos wurden bei dem Angeklagten sichergestellt, bei diesen Opfern soll es sich um Unter-14-Jährige handeln.

Angeklagter fasste drei Jahre unbedingt aus

Im Prozess, der unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragen wurde, gesteht der Angeklagte teils und wird zu drei Jahren Gefängnis, also unbedingt, verurteilt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Laut Verteidigerin Ulrike Koller wurde vom 46-Jährigen ein sexueller Missbrauch vorgenommen unter Zahlung eines Entgelts. „Die Minderjährigen stammen aus Bulgarien, sie sind Teil einer Bettelgemeinschaft. Sie hausen alle in einem gemeinsamen Haus in Wien und bestreiten ihren Unterhalt von Betteln und Prostitution. Sie werden von den Eltern zu diesen Handlungen angeleitet und müssen das Geld auch wieder zu Hause den Eltern abliefern“, so die Rechtsanwältin.

Und: „Das Gericht führte aus, dass der Beschuldigte die Situation der Opfer, die aus dem Armenhaus Europas kommen und sich daher der Prostitution anbieten müssen, ausgenützt hätte, sodass eine unbedingte Freiheitsstrafe verhängt werden musste.“

Ausgeschieden wurde zur Vermeidung von Verfahrensverzögerung der Anklagepunkt „pornografische Darstellung Minderjähriger“, weil hier noch Erhebungen im Gange sind. Die Strafe könnte sich daher noch erhöhen.