Erstellt am 19. Juli 2017, 05:20

von Martin Gruber-Dorninger

"Ich bin euch erspart geblieben“. Was unterscheidet das Rote Kreuz vom Samariterbund? Die NÖN sprach mit den Chefs der Rettungsorganisationen.

 |  NOEN

Zwei Rettungsorganisationen gibt es in Purkersdorf, Arbeitersamariterbund und das Rote Kreuz. Die NÖN bat die beiden Chefs, ASBÖ-Obfrau Brigitte Samwald und Rot-Kreuz-Bezirksstellenleiter Wolfgang Uhrmann, zu einem Doppelinterview „Sommerdoppel im Wienerwald“.

Brigitte Samwald ist seit 28 Jahren Obfrau des Arbeitersamariterbundes in Purkersdorf.  |  NOEN, Marlene Trenker

Was unterscheidet ihre Organisationen voneinander?

Brigitte Samwald: Wir sind eigenständige Rettungsorganisationen, wo jede Gruppe eine eigene Rechtsperson ist, für alles selbst verantwortlich und die auch dafür haftet.

Wolfgang Uhrmann: Das Rote Kreuz hat einen zentralen Rechtsträger, das ist der Landesverband. Aber keine Sorge wegen der Haftung, auch mich lassen sie nicht aus. Bei uns gibt es dieselbe Haftung wie beim Samariterbund. Wir nutzen die Stärken eines Zentraleinkaufs und zentralen Bestellsystems.

Wolfgang Uhrmann ist der Bezirksstellenleiter des Roten Kreuzes in Purkersdorf.  |  NOEN

Der Unterschied ist wahrscheinlich auch politisch?

Uhrmann: Mein Präsident hat kein Parteibuch. Es steht auch in den Statuten vom Roten Kreuz, dass wir ganz sicher unparteilich sind. Auch ich besitze weder ein Parteibuch noch ein Naheverhältnis.

Samwald: Das wird uns in die Schuhe geschoben. Das stimmt ja nicht. Das hat mit der Partei nichts zu tun. Ich besitze zwar ein Parteibuch, aber ich weigere mich, dass das eine Auswirkung hat. In der Rettung hat das nichts verloren.

Das heißt, es wird bei Wahlen keinerlei Empfehlung geben?

Samwald: Nein, sicher nicht. Es wird seitens des Samariterbundes sicher nicht heißen, Präsident Franz Schnabl vor, noch ein Tor.

Uhrmann: Wir unterstützen prinzipiell gute Sachen. Spendenaktionen, Kinderburgen aber sicher keine Politiker. In politische Agenden mischen wir uns keinen Millimeter ein. Die Politik ist ein Partner, den wir uns aber auch nicht aussuchen können.

Es hat kurz geheißen, dass die Notarztstelle von Purkersdorf nach Pressbaum wechseln könnte. Wie haben sie das damals erlebt?

Uhrmann: Wir hatten ein zentrales Verhandlungsteam, das aus dem Präsidium des Roten Kreuzes bestanden hat und dem Landesrettungskommandanten des ASBÖ inklusive beider Geschäftsführer. Die Verhandlungen waren geheim. Dass es über den Standort Pressbaum Gespräche gab, war uns nicht bekannt. Es hat medial geheißen, dass der Standort wackelt.

Samwald: Das Rote Kreuz und der Samariterbund haben gemeinsam die Kräfte gebündelt, um bei der Ausschreibung des Notarztsystems ein möglichst gutes Angebot legen zu können.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit seither?

Samwald: Super. Es hat sich eigentlich nichts geändert.

Uhrmann: Es haben sich nur Kleinigkeiten in der Fahrzeugtechnik und bei den Ärzten geändert.

Wie schaut es bei der Umstellung zu Notruf 144 aus? Hat das auch funktioniert?

Samwald: Wir sind journalmäßig auf unserer Dienststelle nicht mehr selbstständig tätig, sondern es läuft alles über Notruf 144. Dort wird alles disponiert und alles eingeteilt. Es ist für uns beim ASBÖ nicht wirklich positiv. „Stammpatienten“ sind den Samariterbund gewöhnt und wollen uns auch deshalb anfordern, kommen tut dann aber jemand, den sie nicht kennen.

Uhrmann: Für uns ist es schon positiv, weil diese Doppelalarmierungen wegfallen. Im Zuge der Bezirkszusammenlegung ist unsere Leitstelle von Tulln nach St. Pölten übersiedelt, und da gab es selbstverständlich einige Umstellungen.

Wie sieht es in Ihren Organisationen mit Zivildienern aus?

Samwald: Wir haben genug, wir können gar nicht alle nehmen, derzeit haben wir 17. Das System ist für uns sehr wichtig.

Uhrmann: Wir haben zwischen acht und zwölf. Werden die Zivildiener weniger, wird jemand diese Lücke füllen müssen, weil deswegen die Transporte nicht weniger werden.

Wie schaut es generell mit Nachwuchs aus?

Samwald: Freiwillige können nie genug sein. Das Potenzial, der Nachwuchs, sind eben die Zivildiener, die danach bei uns bleiben. Von der Straße kommt selten jemand rein.

Uhrmann: Wir haben momentan 30 Jugendliche, auf die wir sehr stolz sind.

Beide Organisationen in Purkersdorf haben Suchhundestaffeln. Übt man da auch hin und wieder gemeinsam?

Samwald: Bis jetzt üben wir noch nicht gemeinsam. Das kann ja vielleicht irgendwann einmal kommen. Mein Hund ist aber nicht in der Hundestaffel, weil die findet nicht einmal eine Knackwurst.

Uhrmann: Die Übungen sind momentan auf ein Minimum zurückgeschraubt, weil wir ja gerade einen Hundeplatz in Schwechat bauen.

Wie sind sie zu ihren Organisationen gekommen?

Uhrmann: Ich wollte seit der dritten Klasse Volksschule Notarzt werden. Wir sind dann nach Purkersdorf gezogen, das Rote Kreuz war damals gerade im Umbruch und ich habe bei der Feuerwehr angefangen. Mit 17 war es mir neben der Schule dann nicht mehr möglich die Rettungssanitäter-Ausbildung zu machen. Beim Bundesheer war ich dann Sanitäter und ich hab’ mein Praktikum beim Roten Kreuz gemacht und bin dann geblieben.

Samwald: Als wir nach Purkersdorf gezogen sind, war ich beim Roten Kreuz und wollte dort anfangen. Ich bin euch (zu Uhrmann) dann erspart geblieben. Die damalige Schwesternführerin, Josefine Fuchs, mit der ich mich später sehr gut verstanden habe, hat das Angebot von mir wohl nicht ganz ernst genommen. Damals hat es noch gar keinen Samariterbund in Purkersdorf gegeben. Eine Freundin hat mir später dann vom ASBÖ erzählt und ich bin sofort beigetreten.

Wie sehen sie die ASBÖ-Purkersdorf-Obfrau Samwald?

Uhrmann: Der Respekt ist natürlich da. Vor allem, weil die meisten Vereinsmeiereien männerdominiert sind und man dort einen gewissen Widerstand erwarten muss. Sie hat einiges mit meinem Vorgänger gemeinsam erstritten. Das über 28 Jahre als Obfrau des ASBÖ zu machen, ringt mir schon großen Respekt ab.

Und wie sieht es bei ihnen gegenüber Herrn Uhrmann aus?

Samwald: Ich finde ihn ganz super. Es hat mich gefreut, dass er als Nachfolger gekommen ist. Wir haben aber noch nicht sehr viel gemeinsam gemacht. Er hat es sicher am Beginn nicht leicht gehabt. Als Junger musst du dich einmal profilieren und 150 Prozent geben. Und er macht das recht geschickt. Das mit der Hauskrankenpflege ist gut angelaufen. Dafür machen wir beim Samariterbund Essen auf Rädern.

Wie könnten Kooperationen aussehen?

Uhrmann: Sicher in der Ausbildung, da gäbe es Möglichkeiten. Das wird künftig auch gemacht.