Erstellt am 21. April 2016, 05:24

von Martin Gruber-Dorninger

Ein Tag, der das Leben veränderte. Zum 30. Mal jährt sich der große Reaktorunfall. Die NÖN fragt bei Purkersdorfern nach, wie sie die Katastrophe damals erlebten.

Die Kinderspielplätze, hier Deutschwald, waren nach dem Reaktorunfall vollkommen verwaist.  |  NOEN, Stadtarchiv
30 Jahre ist es her, dass die Welt eine der schlimmsten Katastrophen der Menschheitsgeschichte heimsuchte – der Reaktor im Block vier vom Atomkraftwerk Tschernobyl explodierte. Anfang Mai kreiste auch eine radioaktive Wolke über Österreich. Die NÖN wollte von Purkersdorfer Politikern und „Ortspromis“ wissen, wie sie Tschernobyl damals erlebten.

Am 29. Mai rief das Bundeskanzleramt eine Warnung aus. Dabei hatte die Region noch Glück, denn die radioaktive Wolke, regnete nur in Form von leichtem Nieselregen herab. Die NÖN Wienerwald titelte 1986 „Boden verseucht: Weideverbot ist noch aufrecht“. Milch sollte nicht getrunken werden, spielen in den Sandkisten wurde untersagt und lediglich kurzer Aufenthalt im Freien wurde vom Gesundheitsministerium empfohlen. Zudem sollte man keinen Spinat oder Salat verkaufen oder konsumieren.

Kinder durften nicht im Freien spielen

In den Kindergärten, so auch im Übungskindergarten der BAKIP Sacre Coeur Pressbaum, durften die Kindern nicht im Freien spielen. „Ich traf in der U4 einen Bekannten. Wir witzelten über unsere Bundesheererfahrungen, die uns beim Befehl ,Atomblitz’ beigebracht wurden. Man spürt es nicht, man riecht es nicht, man sieht es nicht, man hört es nicht, man fühlt es nicht, aber es ist da“, erinnert sich Vizebürgermeister Christian Matzka.

Roland Mader, Seniorchef der Firma Gruber-Sauna denkt ebenfalls zurück: „Auch wenn Zwentendorf bei uns verhindert wurde, denkt man dennoch darüber nach, was mit den Atomkraftwerken in den Nachbarländern passieren könnte.“

Der Bezirkshauptmann von Wien-Umgebung, Andreas Strobl, war zum Zeitpunkt der Bekanntmachung der radioaktiven Wolke im Helenental klettern. „Man überlegt sich dann schon, ob das irgendwelche Auswirkungen auf einen gehabt haben könnte. Ein Bekannter war zu der Zeit gerade am Großvenediger, einer der Hotspots, unterwegs und er kam voll in den Regen“, denkt Strobl zurück.