Erstellt am 16. März 2016, 04:34

von Martin Gruber-Dorninger und Marlene Trenker

Fast 40 Prozent bei Befragung. Deutliche Mehrheit für altes Amtshaus. Bürgermeisterin Bock: "Ergebnis ändert nichts an Tatsache."

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Damit hat wohl nicht einmal der optimistischeste Wolfsgrabener gerechnet - an der Volksbefragung über das Gemeindeamt nahmen 36,7 Prozent der Wahlberechtigten teil. Ein Großteil davon (60,8 Prozent) stimmte für den Verbleib des Amtes im alten Amtsgebäude, 37,8 Prozent befürworteten einen Umzug in das neue Automic-Gebäude.

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„Das Ergebnis ändert aber nichts an der Tatsache des Umzuges“, erklärte Bürgermeisterin Claudia Bock. Man könne jedes Ergebnis ganz unterschiedlich interpretieren. „Über 60 Prozent der Wolfsgrabener haben nicht an der Wahl teilgenommen. Viele Wähler haben beim Eintreffen im Wahllokal die Fragestellung hinterfragt“, führt Bock weiter aus.

Für Josef Pranke, Initiator der Volksbefragung und Gemeinderat der Bürgerliste Aktives Wolfsgraben, ist das Ergebnis sensationell: „Damit habe ich wirklich nicht gerechnet. Weder mit der Beteiligung an der Abstimmung, noch mit der großen Mehrheit.“

„Ich erwarte mir, dass der Ausschuss für Verkehr und Dorferneuerung ein sinnvolles Konzept für ein neues Gemeindeamt vorlegt.“ Claudia Bock, Bürgermeisterin

Dass das Thema eine Umfrage verdiente, bestätigt auch Gabriele Hollinek von den Grünen: „Mit der hohen Wahlbeteiligung hat die Wolfsgrabener Bevölkerung ihr politisches Interesse bekundet und die direkte Demokratie gestärkt.“ Das Ergebnis habe darüber hinaus gezeigt, dass den Bürgern ein lebendiges Ortszentrum wichtig sei. „Das ist auch in den Versammlungen der „Dorferneuerung und in den Befragungen zum Ausdruck gekommen“, so

Hollinek. „Meinem persönlichen Eindruck nach setzten die Wolfsgrabener ein Zeichen gegen die Arroganz der Macht, der Planlosigkeit und der Freunderlwirtschaft“, geht Hollinek zum Angriff über.

SPÖ-Gemeinderat Bernhard Hof war zwar vom deutlichen Ergebnis überrascht, die Wahlbeteiligung hält er für gering: „Für mich sagt diese Abstimmung aus, dass man sich seitens der Bevölkerung so etwas nicht mehr gefallen lässt.“ Hof plädiert an die Mehrheitspartei, künftig transparenter zu arbeiten und die Bevölkerung nicht vor vollendete Tatsachen zu stellen. „Im Sinne der Wirtschaftlichkeit bin ich natürlich nicht dafür, dass wieder alles rückgängig gemacht wird. Die Verantwortlichen sollten sich rasch des Problems annehmen und eine Lösung anstreben“, so Hof.

„Ich bin für alles offen"

Das Entscheidende in den nächsten Wochen wird sein, wie der derzeitige Gemeinderat und die Ausschüsse mit diesem „Wahlergebnis“ umgehen. Claudia Bock signalisiert Gesprächsbereitschaft: „Ich bin für alles offen, erwarte mir aber, dass der Ausschuss für Verkehr und Dorferneuerung ein sinnvolles Konzept für ein neues Gemeindeamt vorlegt. Sinnvoll heißt praktikabel und auch finanzierbar“, so Bock.

Das lässt sich der Vorsitzende dieses Ausschusses Josef Pranke nicht zweimal sagen: „Wir haben in einem Bürgerbeteiligungsprozess herausgefunden, dass ein Dorfzentrum mit Gemeindeamt für die Bürger sehr wichtig ist“, ist Pranke überzeugt. Außerdem will er zusätzlich auf den Wunsch der Gemeinde eingehen, in einem neuen Zentrum an der Stelle des alten Gemeindeamtes Wohnungen zu errichten. „Aber auch hier muss der Bedarf meiner Meinung nach erst nachgewiesen werden“, erklärt Pranke, der zum Beispiel an ein Lebensmittelgeschäft denkt.

„Das kann aber nur eines sein, wofür die Gemeinde nicht verantwortlich ist“, kontert Bock, die weiters betont, dass ihre Mitarbeiter stets konzentriert arbeiten und ein großartiges Team stellen. „Das lassen wir uns nicht von der Opposition miesmachen“, so Bock abschließend.