Erstellt am 16. September 2015, 06:42

von Jacqueline Kacetl

„Bin einfach zufrieden“. Anlässlich ihres 80. Geburtstages bat die NÖN die seit vier Jahren im Gablitzer Kloster St. Barbara tätige Oberin Jacinta zum Interview. Mit 17 Jahren trat sie in den Orden ein.

Schwester Oberin Jacinta neben der Statue der Heiligen Barbara, Namensgeberin des Klosters. Zu ihrem Geburtstag wurde auch ein Obstbäumchen im Klosterhof gepflanzt.  |  NOEN, Foto: Kacetl

Gut gelaunt schwebt Schwester Jacinta, Oberin des Gablitzer Klosters St. Barbara, flinken Schrittes durch die kühlen Gänge und entschuldigt sich verschmitzt für die Verspätung. „So viele Anrufe“, sagt sie lächelnd. Dass Oberin Jacinta heuer ihren 80. Geburtstag feierte, würde man angesichts ihres quirligen Temperaments und fröhlichen Wesens kaum vermuten. Gegenüber der NÖN blickte die gebürtige Steirerin, die seit vier Jahren die Geschicke des Gablitzer Klosters leitet, und zuvor fast fünf Jahrzehnte im Ordensspital Göttlicher Heiland in Wien-Dornbach tätig war, auf ihr Leben zurück.

NÖN: Viele würden sich wünschen, mit achtzig Jahren noch so agil zu sein wie Sie. Was ist Ihr Geheimnis?
Schwester Jacinta: Das kann ich nicht beantworten. Ich bin arbeitsmäßig sehr ausgelastet, kümmere mich um das Personal und um die Schwestern. Nebenbei lese ich viel und interessiere mich dafür, wie es in der Welt aussieht. Zu meinen Hobbies, wie dem Handarbeiten, komme ich fast gar nicht. Ich verstehe auch nicht, wie jemandem fad sein kann. Mir ist nie fad.

Mit welchem Gefühl blicken Sie auf die Jahre zurück?
Schwester Jacinta: Ich hatte ein sehr ausgefülltes Leben. Ich glaube, das hängt auch mit meinem Temperament zusammen. Ich bin keine, die sich ins Eck setzt und fragt „Was ist jetzt?“ Ich bin mit meinem Lebensweg sehr zufrieden und wünsche mir gar nicht mehr, als ich habe.    

Warum haben Sie sich dazu entschieden, Ordensschwester zu werden?
Jacinta: Ich war schon immer sehr lebhaft, und es war mein Jugendtraum, Missionsschwester in Argentinien zu werden. Mit 15 Jahren bin ich als Hausmädchen zu den Schwestern vom Göttlichen Erlöser gekommen. Dort bin dann hängengeblieben. Mit 17 Jahren bin ich in den Orden eingetreten, und ein Jahr später habe ich das Gelübde auf Lebenszeit abgelegt.

Haben Sie die Entscheidung, ins Kloster zu gehen, jemals bereut?
Jacinta: Nein. Die Pläne, nach Argentinien zu gehen, haben sich zwar zerschlagen, aber in der Krankenpflege und später als Hospizschwester in der Palliativstation im Krankenhaus Göttlicher Heiland im 17. Bezirk habe ich meine Aufgabe gefunden.
                
Welche Erfahrungen haben Sie dort gemacht?
Jacinta:  Die Arbeit mit Todkranken hat mich sehr verändert. Manches ist nicht mehr so wichtig, was vorher wichtig erschienen ist. Unter den Patienten waren ja auch ganz junge Leute. Der Jüngste war erst 17 Jahre alt. Es gab junge Frauen, auch mit kleinen Kindern, die an Krebs gestorben sind. Das ändert einen zum Positiven. Man wird dankbar – dankbar für die Gesundheit, für sein Leben, und dass man arbeiten kann.