Gablitz

Erstellt am 01. August 2016, 13:24

von Martin Gruber-Dorninger

„Nur Provokation bringt nichts“. Der Bürgermeister von Gablitz hat Freude an seinem politischen Amt. Das ist, seiner Meinung nach, Bedingung.

Bürgermeister Michael Cech hat nach wie vor Freude daran, Feste zu besuhen und unter Leute zu gehen. Das sagte er im NÖN Gespräch mit Redaktionsleiter Martin Gruber-Dorninger.  |  noen, Trenker

Die nächste Station der Sommergesprächs-Runde ist Gablitz. Bürgermeister Michael Cech spricht über den Aufschwung, den Gablitz derzeit erlebt, über seine Arbeit als Bürgermeister und das schwierige Thema „Flüchtlinge“.

NÖN: Wie sehen Sie die Eingliederung in den neuen Bezirk?
Michael Cech: Das ist einer der Gründe, warum wir gesagt haben, wir wollen eine gemeinsame Kleinregion gründen. Wir haben dafür gekämpft, dass unsere Gemeinden des Teilbezirks im neuen Bezirk zusammenbleiben und jetzt wollen wir schon unsere Identität bewahren. Die Themen, die uns hier stark verbinden sind der Zuzug, Verkehrsproblematik, viele Pendler, wenige Firmen. In der Kleinregion werden wir aktiv an diesen Themen arbeiten.

„ Manchmal ist es Zufall, manchmal ein Ergebnis harter Arbeit und man muss sich
dahinterklemmen.“

Michael Cech

Hat sich Gablitz in letzter Zeit gegenüber Purkersdorf ein wenig stärker emanzipiert?
Es gibt eine sehr starke Kooperation. Mit Karl Schlögl telefoniere ich wöchentlich. Bei jeder Anschaffung überlegen wir, ob wir das gemeinsam tun könnten. Der Musikschulverband mit Mauerbach war so ein Thema. Andererseits hatten wir in den letzten Jahren das Problem, dass das Ortszentrum Zug um Zug ausgestorben ist. Und da haben wir versucht, dagegen anzugehen. Ein Mittel war das Ärztezentrum, das mittlerweile ein extremes Zugpferd ist.

Wie hat das Gablitz geschafft, ein marodes Ortszentrum in ein florierendes umzumünzen?
Manchmal ist es Zufall, manchmal ein Ergebnis harter Arbeit und man muss sich dahinterklemmen. Der Zufall war, dass die Dermatologin aus ihrer Ordination in Purkersdorf heraus musste und der ehemalige Gablitzer Gemeindearzt in Pension gegangen ist und eine nicht mehr adäquate Ordination hinterlassen hat. Diese wäre nicht mehr zugelassen worden. Ich bin dann mit Vizebürgermeister Franz Gruber herumgelaufen und habe mir mit ihm die Möglichkeiten angesehen, das ehemalige Postgebäude, aber auch das leer stehende Klosterhaus. Wir haben dann mit der Kongregation geredet und binnen zwei Monaten ist die Idee gewachsen. Dann haben wir nach und nach andere Ärzte motiviert dort hineinzugehen. Das ist zwar harte Arbeit, aber es hat sich bezahlt gemacht.

Was macht den Erfolg eines Unternehmens in Gablitz dann aus?
Es kommt auf die Branche an. Ein Fleischer oder ein Greißler wären zwar wünschenswert, werden aber nur schwer zu finden sein. So realistisch muss man sein. Aber es gibt Beispiele, wo es funktioniert hat, wie etwa bei der Bäckerei Simhofer, die Gablitzer Brauerei, Maria Kowars Blumen, das Kaufhaus Gstöttner oder die Bio-Griechen. Man muss eben seine Nische finden.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit in der „Gemeinderegierung“?
Es funktioniert sehr gut, mit wenigen Ausnahmen. Wir hatten zwar die absolute Mehrheit, aber mit der SPÖ immer schon eine Partnerschaft. Es gibt bei den Ressortchefs keinen Unterschied zwischen ÖVP und SPÖ. Wir arbeiten wirklich als Team und ich kann mich auf alle verlassen. Wir sitzen auch häufig außerhalb der Sitzungen im privaten Bereich zusammen und stimmen alle Projekte im Vorhinein ab. Es funktioniert auch mit der FPÖ sehr gut. Mit den NEOS auch, die sind aber hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt. Bei den Grünen muss man ein wenig differenzieren. Bei einigen passt das sehr gut, bei anderen gar nicht.

Die Jungen Grünen scheinen sich da ein wenig auf Sie eingeschossen zu haben. Täuscht der Eindruck?
Das finde ich es schon sehr schade, gerade um den Florian Ladenstein. Der hat zu Beginn beim Projekt „Jugendzentrum“ mitgearbeitet. Da hat alles wunderbar geklappt. Oftmals wurde aber auch sehr destruktiv Konter gegeben. Derzeit spüre ich von ihnen sehr wenig, bis auf ein paar provokante Aktionen, wo die männlichen Straßentafeln überklebt wurden mit Frauennamen. Ich habe mehrfach angeboten, dass sie sich einbringen. Wir haben immer auch Themen von den Grünen umgesetzt. Beispielsweise die Bürgerbeteiligung im Gemeinderat war eine Grünen-Idee. Nur Provokation bringt nichts.

Sie sind hauptberuflich bei der OMV beschäftigt. Wären Sie lieber „nur“ Bürgermeister oder finden Sie es gut, dass es so ist?
Ich finde es gut. Es bringt Herausforderungen mit sich. Das Wichtigste ist, delegieren und organisieren zu können. Und man braucht ein gutes Team in der Gemeinde, sonst könnte man keinen Hauptjob daneben machen. Und man muss Spaß daran haben. Ich bin sicher, es bringt auch der Gemeinde viel, wenn man Erfahrungen aus einem herausfordernden Job mit- und einbringt.

„Wenn einem das keinen Spaß macht, wenn man den Bürgermeister nur als
Verwaltungsjob sieht, ist man fehl am Platz.“

Michael Cech

Wie schafft man es nach einem harten Arbeitstag noch bei diversen Festen aufzukreuzen und Spaß daran zu haben?
Ich mag es unter Leuten zu sein. Wenn einem das keinen Spaß macht, wenn man den Bürgermeister nur als Verwaltungsjob sieht, ist man fehl am Platz. Ich bin ein Gablitzer und hier aufgewachsen. Gablitz liegt mir am Herzen.

In Gablitz wurde mit dem Thema „Flüchtlinge“ immer sehr transparent umgegangen. Wie sind Sie damit gefahren?
Überwiegend läuft es gut. Es gibt die, die alles super finden. Es gibt aber auch eine Gruppe, die alles dramatisiert. Ich versuche, den konstruktiven Mittelweg zu gehen. Einerseits die Sorgen verstehen und aktiv anzugehen, andererseits versuchen wir auch aktiv zu integrieren, wie das Beispiel der beiden Flüchtlinge am Bauhof zeigt.

Ist es für den Bürgermeister schlimm zu beobachten, wie sich die Gablitzer durch dieses Thema Hass entgegenbringen?
Man muss die schwarzen und auch die weißen Aspekte offen ansprechen. Bei manchen Menschen wird auch das nichts helfen. Etwas grau zu färben funktioniert bei diesem Thema nicht. Es ist wichtig, gegenseitiges Verständnis herzustellen und Herausforderungen zu lösen.