Erstellt am 23. Februar 2016, 10:17

von Martin Gruber-Dorninger

"Gegenwind macht betroffen". Politiker nehmen Ängste der Purkersdorfer ernst. Maßnahmenkatalog und Integration werden großgeschrieben.

 |  NOEN, zVg

Ein bisschen stand die ganze Stadt noch im Eindruck des letzten Montags, als über 500 Bürger in den Stadtsaal kamen, um einer Diskussion über das geplante Flüchtlings-Quartier in der Wintergasse beizuwohnen. Befürworter, Gegner und verunsicherte Bürger hofften auf Information seitens des Landes Niederösterreich und des Vereins menschen.leben, die die Unterbringung von 42 minderjährigen unbegleiteten in Purkersdorf initiieren.

„Der Gegenwind macht mich betroffen. Es treffen enthusiastische Helfer auf Menschen mit großen Vorurteilen. Wir versuchen, den Weg der Mitte zu finden“, ist Bürgermeister Karl Schlögl über die hochkochenden Emotionen beider Lager überrascht. Derzeit leben schon 70 bis 80 Asylwerber als Familien bei Purkersdorfern. Die 42 jungen Männer, die spätestens im April gemeinsam in ein Quartier kommen sollen, sind da ein anderes Thema, vor allem für die besorgten Anrainer.

Maßnahmenkatalog wurde ausgearbeitet

Nach der Diskussion wurde bereits ein umfassender Maßnahmenkatalog ausgearbeitet, um die Integration der neuen Flüchtlinge bestmöglich voranzutreiben. Es wird ein Patenschaftssystem gestartet, zudem sollen sich Vereine um die jungen Männer kümmern. „Außerdem wurde mir von der Purkersdorfer Polizei volle Unterstützung zugesagt“, ist Schlögl froh über seine Exekutive. Weiters wurde eine Null-Toleranz-Politik vereinbart. „Sollte es Probleme geben, werden wir sofort massiv eingreifen“, so Schlögl.

„Die ÖVP-Gemeinderäte haben, wie auch Bürgermeister Schlögl und fast alle anderen Gemeinderäte, im Juni des Vorjahres für die Aufnahme von Flüchtlingen in Purkersdorf gestimmt“, ruft VP-Obmann Andreas Kirnberger in Erinnerung, der dafür plädiert, die Integration der jugendlichen Flüchtlinge so schnell wie möglich anzupacken. „Wir nehmen die Sorgen der Bevölkerung ernst. Die Stadt sollte gemeinsame Zusammentreffen mit Flüchtlingen und Bevölkerung organisieren“, hofft Kirnberger, auf diese Weise Vorurteile abzubauen. Darüber hinaus sei die Polizei gefordert, das subjektive Sicherheitsgefühl zu stärken.
Großes Lob streut NEOS-Mandatar Christoph Angerer den beiden Flüchtlingskoordinatorinnen Purkersdorfs, Susanne Bollauf und Marga Schmidl. „Bei der Quartiersuche ist zwar leider nicht alles optimal gelaufen. Die Jugendlichen, die jetzt kommen, verdienen es, fair behandelt zu werden. Ich sehe keinen Grund, schon vorher negative Stimmung zu verbreiten“, so Angerer. In Gablitz, Pressbaum und Eichgraben funktioniere das Zusammenleben mit den Flüchtlingen bereits sehr gut.

"Starke Polarisierung bedauerlich"

Für Christiane Maringer (LBG) ist die starke Polarisierung bedauerlich. „Je offener und positiver wir den jungen Menschen begegnen werden, umso besser wird das Zusammenleben doch funktionieren“, ist Maringer überzeugt. Bereits in der Vergangenheit habe es mit Flüchtlingen ausschließlich positive Erfahrungen in Purkersdorf gegeben. Sowohl im Jugoslawienkrieg als auch aktuell mit den Familien, die seit letztem Herbst bereits im Ort leben. „Wenn die Jugendlichen erst eingezogen sind, legen sich die Ängste“, ist Maringer überzeugt.

Martin Cipak von der FPÖ ist davon überzeugt, dass sich Purkersdorf an der Flüchtlingsfrage beteiligen soll, „aber nicht in der Form, wie es jetzt passiert.“ Er ist für die Aufnahme von Familien, da es weniger Ängste geben würde. „Am Informationsabend waren die Antworten sehr vage, viele Fragen blieben offen“, so Cipak. Für ihn sei die Stadtgemeinde vom Verein menschen.leben und dem Land NÖ vor vollendete Tatsachen gestellt worden. Etwaige Wünsche des Vereins menschen.leben würde er daher umgehend an das Land NÖ weiterleiten. Abschließend meint Cipak, dass die FPÖ nicht den Teufel an die Wand malen werde. „Berechtigte Ängste und Befürchtungen der Purkersdorfer Bevölkerung werden wir auf jeden Fall ernst nehmen und nicht wie andere Parteien lächerlich machen“, will Cipak die Kritik nicht als Hetze verstanden wissen.