Erstellt am 01. Juni 2016, 04:35

von Martin Gruber-Dorninger

Hermi Moser über ihre Jahre im Dienst für alte, arme Menschen. Hermi Moser spricht mit NÖN über 40 Jahre im Dienst für alte, arme Menschen und ein besonderes Zuhause.

Ein besonders schönes Fleckchen im Gelände ist die Margeritenwiese hinter der Villa. Hier spaziert Hermi Moser mit Gertrude Eitel durch den großzügig angelegten Garten.  |  NOEN, zVg

Das Haus zum frohen Lebensabend wird von der Dorfgemeinschaft Breitenfurt übernommen und in ein Haus für Menschen mit besonderen Bedürfnissen umgebaut. Die Mitarbeiter und verbliebenen Gäste dürfen weiterhin im Haus beiben. Über 40 Jahre lang leitete Hermi Moser die Geschicke des Hauses. Nun erzählt sie über ihre Erlebnisse.

Der Verein Mutterhilfswerk, unter der Führung von Präsidentin Hermi Moser, übernahm 1976 das Haus zum frohen Lebensabend. Alte, einsame Menschen, die zwei Weltkriege durchgemacht hatten und als Kleinstrentner in den 70er und 80er Jahren kaum ihr Leben fristen konnten, fanden hier ihr neues Zuhause.

Besonders schlimm waren die Frauen dran in dieser Zeit. Durch die Kriege verloren viele ihre Männer und Söhne. Da sie selber Hausfrauen waren, hatten sie nur einen Anspruch auf Mindestrente.

"War wie eine große Familie"

„Wer arm war, hatte keine andere Wahl, als in die sogenannte "Versorgung" zu gehen, wo bis zu 30 Menschen in einem Raum schlafen mussten“, berichtet Moser.

Ein Beispiel ist ihr besonders in Erinnerung. Herta Starek verbrachte im Haus das erste Mal seit langer Zeit Weihnachten in einem eigenen warmen Zimmer, umgeben von Leidensgenossinen.

„Das war wie eine große Familie. Herta Starek hat sich gefreut und man konnte ihr die Dankbarkeit regelrecht ansehen“, erinnert sich Moser und ist nach wie vor gerührt.

Über 1.000 alte Frauen fanden neues Zuhause

Außerdem fanden auch Frauen, die uneheliche Kinder auf die Welt brachten, ihr Zuhause im Haus zum frohen Lebensabend. „Das galt noch in den 80er Jahren als Schande. Die Frauen wurden oftmals von zu Hause verstoßen“, erklärt Moser.

Seit ein paar Wochen ist Hermi Moser von ihrer Funktion als Präsidentin entbunden und wartet darauf, dass die Dorfgemeinschaft Breitenfurt ihre Umbauten vornimmt. „Langweilig wird mir aber deshalb nicht. Ich würde auch gerne meine Erlebnisse in einem Buch niederschreiben“, setzt sich Moser nach wie vor hohe Ziele.

In den 40 Jahren seines Bestehens hat das Haus „Zum frohen Lebensabend über eintausend alten armen einsamen Menschen ein familiäres Zuhause geboten.

Kommentar von Martin Gruber-Dorninger