Erstellt am 02. Juni 2016, 04:05

von Jacqueline Kacetl

Interview mit Christian Mader "Vermisst: was nun?". Christian Mader, Obmann des Vereins „Österreich findet euch“, der bei der Suche nach Abgängigen hilft, im NÖN-Gespräch.

Christian Mader hat sich die Suche nach vermissten Menschen zur Aufgabe gemacht und will mit seinem Verein die Angehörigen unterstützen.  |  NOEN, Schwarzenegger

Christian Mader arbeitet im Büro zur Bekämpfung von Suchtmittelkriminalität im Bundeskriminalamt (BKA) und ist Obmann des im Vorjahr gegründeten Vereins „Österreich findet euch“. 2014 erschien sein Buch „Vermisst. Spektakuläre Fälle im Visier der Fahnder“ (Amalthea Verlag).

Anlässlich des Tages der vermissten Kinder organisierte der Verein eine Wanderung in Mauerbach, um auf die Problematik aufmerksam zu machen.

NÖN: Warum haben Sie den Verein gegründet?

Christian Mader: Ich war früher Leiter der Vermisstenfahndung im Wiener Sicherheitsbüro. Das Thema hat mich einfach nicht losgelassen. In einer Zeit, die tendenziell immer mehr entmenschlicht, ist es einfach eine Sache, die den Menschen dient.

NÖN: Wie viele Menschen werden jährlich in Österreich vermisst?

Mader: 2015 waren es mehr als 8.000 Personen. Zahlenmäßig gibt es einen Aufwärtstrend, weil es eine steigende Bevölkerungszahl gibt. In die Zahl fließen aber auch verschwundene unbegleitete minderjährige Flüchtlinge ein, die oft falsche Namen angeben.

NÖN: Was bietet der Verein?

Mader: Wir sehen uns als Bindeglied zwischen der Polizei und den Angehörigen. Wir kümmern uns auch um Besatzungskinder, die auf der Suche nach ihren Verwandten sind. Außerdem arbeiten wir mit dem Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung zusammen.

Auf der Vereinshomepage können Fotos und Daten der Abgängigen hochgeladen werden, die auf unserer Facebook-Seite veröffentlicht werden.

NÖN: Wie sieht die Zusammenarbeit mit dem BKA aus?

Mader: Wenn uns ein Vermisstenfall bekannt wird, nehme ich mit dem Kompetenzzentrum für abgängige Personen im BKA Kontakt auf. Wir klären die Daten ab und tauschen Informationen aus.