Purkersdorf

Erstellt am 17. Mai 2017, 05:16

von Martin Gruber-Dorninger

Karl Schlögl: „Kreisky hat mich geprägt“. Karl Schlögl feiert ein Vierteljahrhundert Bürgermeister der Stadtgemeinde Purkersdorf.

Karl Schlögl    |  NOEN

Die Stadtgemeinde Purkersdorf feiert im Juni ihr 50-jähriges Bestehen. Karl Schlögl leitete während der Hälfte der Zeit die Geschicke der Stadt als Bürgermeister. Am 15. Mai sind es genau 25 Jahre, dass Schlögl Bürgermeister ist, mit einem kurzen Intermezzo in die Bundes- und Landespolitik.

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„Ich komme aus einer bürgerlichen Familie. Hätte es Kreisky nicht gegeben, wäre ich wohl zur ÖVP gegangen“, denkt Schlögl an seine politischen Anfänge zurück. Er wurde Sekretär unter Bundeskanzler Fred Sinowatz, später im Kabinett von Franz Vranitzky. „Das war auch der Grund, warum ich in die Gemeindepolitik eingestiegen bin. Ich wollte mich aufgrund meiner Sekretärstätigkeit auch lokal für die Politik engagieren“, so Schlögl.

„Es kam keine Mehrheit zustande. Wir hatten damals zwei Mandate und waren das Zünglein an der Waage.“ Josef Baum

1985 zog Schlögl erstmals in den Purkersdorfer Gemeinderat ein. Die Bedingungen waren mit heute kaum vergleichbar. So schildert Schlögl die Situation: „Die ÖVP war mit der SPÖ vollkommen zerstritten und intern gab es in der Volkspartei auch Probleme.“ 1989 kam es dann zur Neuwahl und unter Schlögl erreichte die SPÖ Purkersdorf 43 Prozent, knapp hinter der ÖVP mit 44 Prozent. Damit gewann er neun Prozent im Vergleich zur vorhergehenden Wahl. Für eine Wahl zum Bürgermeister ging es sich dennoch noch nicht aus.

Einer der sich in seiner Polit-Karriere den einen oder anderen Strauß mit Schlögl ausgefochten hat, ist Josef Baum (Liste Baum, KLS). Er erinnert sich: „Es kam keine Mehrheit zustande. Wir hatten damals zwei Mandate und waren das Zünglein an der Waage. Im zweiten Wahlgang entschieden wir uns für Schlögl, obwohl wir große Vorbehalte hatten.“

Bruno Kreisky war der Grund für Schlögl, sich der Sozialdemokratischen Partei anzuschließen.  |  NOEN, privat

Dies besiegelte die erste Amtszeit von Karl Schlögl als Bürgermeister, der Franz Matzka (ÖVP) nachfolgte. Dessen Sohn Christian Matzka ist aktuell Vizebürgermeister für die SPÖ-Liste Schlögl. „Schlögl hat die Ende der 1980er Jahre gespaltene Purkersdorfer Gesellschaft geeint und eine Purkersdorfer Identität ermöglicht, in der sich sehr viele Menschen finden können“, spricht Christian Matzka von den Geschicken Schlögl. Die Gründung des Gymnasiums, die Ansiedelung der Unternehmensleitung der ÖBF und die stetige Entwicklung Purkersdorfs zur größten Stadt im Bezirk St. Pölten zählt Matzka zu Jahrhundertleistungen. Die Marke Purkersdorf sei untrennbar mit der Marke Karl Schlögl verbunden.

Intermezzo als Innenminister

Dies blieb auch der Bundes-SPÖ nicht lange verborgen. Schlögl wurde 1995 Staatssekretär im Bundeskanzleramt, 1997 berief ihn Bundeskanzler Franz Vanitzky zum Innenminister. „Damals hätte ich mir nicht gedacht, dass ich einmal wieder als Bürgermeister nach Purkersdorf zurückkommen würde“, erklärt Schlögl.

Die Zeit als Innenminister zählt Schlögl zu seiner politisch schönsten Zeit, und das, obwohl er in seinem Ressort kaum zur Ruhe kam: Die Briefbombenserie von Franz Fuchs, die Flüchtlingsbewegungen aus dem Kosovokrieg, die Entführung von Natascha Kampusch, die Lawinen-Katastrophe von Galtür und das Grubenunglück von Lassing fielen in seine Amtszeit. Starker Kritik war Schlögl wegen des Falls Marcus Omofuma ausgesetzt. Nicht nur seitens der Grünen, sondern auch aus der eigenen Partei. „Könnte ich etwas aus der damaligen Zeit ändern, dann würde ich mich dieser Kritik nicht mehr so alleine aussetzen“, so Schlögl.

Der Purkersdorfer Bürgermeister strebte auch den Bundespartei-Obmann der SPÖ an. „Dazu hat mir aber schlussendlich die letzte Brutalität gefehlt“, erinnert sich Schlögl. Sein Engagement als Minister beendete er gezwungenermaßen durch die schwarz-blaue Koalition im Jahr 2000.

Für ein Jahr versuchte Schlögl auch sein Glück in der Landespolitik als Landeshauptmann-Stellvertreter. Davon trat er dann 2001 zurück. 2000 kam Schlögl auch wieder zurück nach Purkersdorf und löste Traude Eripek als Bürgermeisterin ab.

Schlögl hat mit der Spitzenpolitik abgeschlossen

„Seither kamen immer wieder Angebote der Bundes- und Landespolitik, auch von verschiedenen Parteien. Diese Angebote ehren mich alle, doch ich habe stets dankend abgelehnt“, hat Schlögl mit der Spitzenpolitik abgeschlossen.

Wie lange er selbst noch in Amt und Würden in Purkersdorf bleiben wird, das weiß nur er selbst. Vor der letzten Gemeinderatswahl hat er zwar angekündigt, dass dies seine letzte Amtsperiode sein werde, doch ganz vorstellen kann man sich das nicht. „Ich bin bis 2020 gewählt, da bin ich dann 65 Jahre. Ich werde zu einem gegebenen Zeitpunkt vor der nächsten Wahl meine Absichten öffentlich machen“, gibt Schlögl kein Geheimnis preis.