Erstellt am 31. März 2016, 05:14

von Martin Gruber-Dorninger

Kontakt hilft Angst abbauen. Flüchtlingshelfer unterstützen beim Beziehungsaufbau zwischen Asylwerbern und Purkersdorfern.

Gemeinderätin Marga Schmidl, Erika Kudweis vom Verein »PatInnen für alle« und Stadträtin Susanne Bollauf (v.l.) veranstalten am Donnerstag, 31. März, um 19 Uhr im Stadtsaal einen Infoabend  |  NOEN, zVg

Mitte/Ende April sollen 42 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF) im Gebäude des ehemaligen Diebl-Druck in die Linzerstraße einziehen. Wie die Erfahrung von Flüchtlingsbetreuern in jüngster Vergangenheit zeigte, sind vor allem jene Projekte von Erfolg gekrönt, bei denen sich die Bevölkerung ebenfalls für die Integration von Flüchtlingen interessiert. Ein bewährtes Modell sind die sogenannten „Patenschaften“. Am Donnerstag, 31. März, lädt die Stadtgemeinde um 19 Uhr zu einem Informationsabend in den Purkersdorfer Stadtsaal. Die NÖN sprach mit den Organisatoren der Patenschaften und mit Menschen, die bereits Erfahrung damit gemacht haben.

„Dort kann man dann entscheiden, ob man mitmachen will.“ Astrid Wessely, Gemeinderätin in Gablitz

In Gablitz sind bereits seit einigen Wochen Asylwerber untergebracht. Eine Infoveranstaltung zeigte reges Interesse an Patenschaften, wie Gemeinderätin Astrid Wessely berichtet: „Wir haben 95 Personen hier, großteils junge Männer. Probleme gibt es in Wahrheit keine, außer irgendwelche Missverständnisse.“ So wurde beispielsweise von besorgten Bürgern über Facebook vom Ausbruch der „Krätze“ im Quartier der Asylwerber berichtet. „Eine Person hatte Krätzmilben aus Traiskirchen mitgebracht. Das wurde sofort ärztlich behandelt bei uns und es besteht keine Ansteckungsgefahr“, so Wessely. Man müsste schon in engen Hautkontakt mit dem Infizierten kommen.

Weiters könne sie besorgten oder ängstlichen Bürgern nur empfehlen, die Menschen und ihre Geschichten kennenzulernen. „Das ist meines Erachtens der schnellste Weg, die Angst vor ihnen abzubauen“, rät Wessely.
Der einfachste Weg wären das Besuchen von Infoveranstaltungen. „Dort kann man dann entscheiden, ob man mitmachen will“, erklärt Wessely. In vier Abenden mit jeweils drei Stunden, wird den Interessierten auch eine kleine Ausbildung im Umgang mit Flüchtlingen angeboten. „Diese Module kann ich nur empfehlen. Die Entscheidung ob oder ob nicht oder später vielleicht, kann auch nach dem letzten Modul getroffen werden“, hofft Wessely auf noch mehr Interessenten. „Es geht darum, Zeit miteinander zu verbringen und in familiärem Umfeld die Traumata des Krieges und den Verlust der eigenen Familie zu verarbeiten“, hat Wessely bereits Erfahrung.

In Purkersdorf wird das alles noch einmal genau bei der Infoveranstaltung erläutert. Da wird auch Erika Kudweis vom Verein „PatInnen für alle“ für Fragen zur Verfügung stehen.

Schmidl und Bollauf hoffen auf Interesse

Auch Purkersdorfs Bürgermeister Karl Schlögl ist von diesem Modell überzeugt: „Halte das für eine ganz wichtige Geschichte. Integration ist sehr schwierig, auch das Familienverständnis. MIt diesem Modell kann man das sinnvoll erarbeiten.“ Organisiert wird das ganze von Stadträtin Susanne Bollauf. und Gemeinderätin Marga Schmidl, die von der Stadtgemeinschaft beauftragt wurden, sich mit der Flüchtlingshilfe und Integration der Neu-Purkersdorfer auseinanderzusetzen. „Integration beinhaltet auch das Öffnen einer Tür und die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen. Vielleicht, indem man einen jungen Menschen auf seinem Weg in eine neue Zukunft unterstützt“, hofft Bollauf auf reges Interesse an der Infoveranstaltung und am Patenschafts-Modell.

Das Engagement reicht von Sprachkursen über Spielenachmittage, gemeinsames Kochen und Essen in der Familie und vieles mehr. „Wir freuen uns, wenn sich interessierte Purkersdorfer als Paten melden. Wer sich im Rahmen einer Patenschaft um einen anderen Menschen kümmert, hilft ungemein und leistet einen wertvollen Beitrag für unser Gemeinwohl“, so Schmidl.

INFOABEND

Zur Gründung von Patenschaften.

  • Wann?: Donnerstag, 31. März, 19 Uhr.

  • Wo?: Stadtsaal Purkersdorf.

  • Information auch unter:  0664/432 69 40