Erstellt am 20. Januar 2016, 05:23

von Christoph Hornstein

„Mein Kandidat war Pröll". Bürgermeister Karl Schlögl (SPÖ) bewertet die Präsidentschaftskandidaten.

NOEN, zVg

Jetzt ist die Katze aus dem Sack. Nur die FPÖ hält sich mit ihrem Präsidentschaftskandidaten noch bedeckt. Die ÖVP schickt Senioren-Chef Andreas Khol ins Rennen, die SPÖ Sozialminister Rudolf Hundstorfer, die Grünen stellen ihre Galionsfigur Alexander Van der Bellen zur Wahl, und die Juristin Irmgard Griss, bekannt durch ihre Arbeit im Hypo-Untersuchungsausschuss, will ohne Parteihilfe Bundespräsidentin werden. Als möglicher Kandidat der FPÖ wird Rechnungshofpräsident Josef Moser genannt, der soll aber schon abgewunken haben. Als gewählt gilt derjenige Kandidat, der mehr als 50 Prozent der abgegebenen, gültigen Stimmen auf sich vereinen kann. Erreicht im ersten Wahlgang kein Kandidat diese Marke, wird eine Stichwahl mit den beiden stimmenstärksten Kandidaten des ersten Wahlganges durchgeführt. Als Wahltermin wird Sonntag, 24. April gehandelt. Vor Redaktionsschluss stand der Termin aber noch nicht fest.
Was sagt nun Purkersdorfs Stadtchef zu den Kandidaten? Die NÖN sprach mit Bürgermeister Karl Schlögl (SPÖ).

„Ich schätze ihn und kenne ihn seit vielen Jahren“, so Bürgermeister Schlögl zum ÖVP-Kandidaten Andreas Khol, „und glaube, dass er diese Funktion hervorragend wird ausführen können.“ Nachteilig sei sein hohes Alter. Dass Landeshauptmann Erwin Pröll nicht kandidiert, bedauert Schlögl sehr: „Für mich war Pröll der Kandidat Nummer eins. Er wäre ein starker und durchsetzungsfähiger Bundespräsident geworden, der die Themen, die den Menschen jetzt unter den Fingernägeln brennen, angesprochen hätte.“ Aber auch die Beliebtheit von Khol und seine politische Stärke dürfe man nicht unterschätzen.

„Brauchen starken Mann an der Spitze“

Dass sein Parteikollege Rudolf Hundstorfer Bundespräsident wird, glaubt Schlögl nicht. Und warum? „Weil er am wenigsten dem Anforderungsprofil eines Bundespräsidenten entspricht. Österreich wünscht sich einen Politiker mit Durchsetzungsfähigkeit. Wir brauchen einen starken Mann an der Spitze“, so Schlögl.
Mit der unabhängigen Kandidatin Irmgard Griss geht Schlögl hart ins Gericht: „Eine liebenswerte Dame, die in keiner Weise die Voraussetzung hat, die erste politische Kompetenz im Land zu sein.“ Eine gute Richterin und eine Frau zu sein, sei zu wenig, um dieses Amt zu besetzen.

„Ich kenne sehr viel Grüne. Van der Bellen ist für mich der Sympathischste und Korrekteste“, streut Schlögl Alexander Van der Bellen Blumen. Andererseits sei er aber auch ein politisches Chamäleon. Zuerst SPÖ, dann Bundesvorsitzender der Grünen und jetzt unabhängiger Präsidentschaftskandidat? „Er hat eine hohe Kompetenz, ist aber kein Mann des Ausgleichs“, so Schlögl.

Schlögl schätzt den möglichen Kandidaten der FPÖ, Rechnungshofpräsident Josef Moser: „Ein hochanständiger, korrekter Mensch, der seine Tätigkeit als Rechnungshofpräsident untadelig ausgeführt hat.“
Dem sehr hohen Altersdurchschnitt der Kandidaten steht Schlögl skeptisch gegenüber: „Ein Kandidat zum Bundespräsident soll zwischen 50 und 65 Jahre alt sein, denn er soll ja für zwei Perioden, also zwölf Jahre im Amt sein können.“