Erstellt am 16. Dezember 2015, 05:03

Noch immer kein Takt. Seit Jahren wird er gefordert und auch versprochen. Doch auch in diesem Jahr wird es für Bahn-Haltestellen in der Stadtgemeinde Pressbaum keinen Halb-Stunden-Takt geben.

Schulkinder warten auf den nächsten Zug an der Haltestelle Pressbaum. Die Schüler sind nach 25 Minuten Wartezeit schon sehr unruhig.  |  NOEN, Kieseberg
Großer Unmut herrscht in der Stadtgemeinde Pressbaum über den neuen Fahrplan der ÖBB.
Pressbaum ist mit über 8.000 Einwohnern ein Zentrum im Wienerwald. Darüber hinaus ist es, mit insgesamt neun Schulen, zu denen eine Reihe von höheren Schulen zählt, das Schulzentrum im Wienerwald. Dementsprechend ist die Stadtgemeinde an einer entsprechenden Versorgung mit Verkehrsanbindungen interessiert.

„Die von der ÖBB versprochenen Verbesserungen sind leider nicht eingetreten“, ärgert sich Vizebürgermeister Alfred Gruber. Versprochen wird schon seit Jahren der Halb-Stunden-Takt. Diesen gibt es jedoch nur bis zur Haltestation Tullnerbach-Pressbaum. Ab Neulengbach bis St. Pölten bessern sich die Zugverbindungen ebenfalls wieder. „Dazwischen gibt es eine Lücke“, so Peter Grosskopf. Für die Haltestellen Dürrwien und Rekawinkel wurden die Halte sogar drastisch reduziert.

Bereits im Herbst 2011 wurden zur Verbesserung des
öffentlichen Verkehrs auf der Westbahnstrecke zwischen Wien und St. Pölten vom Aktionskomitee „Unsere Westbahn, unsere Busse“ Vorschläge ausgearbeitet, die in das Verkehrskonzept der NÖ Landesregierung eingearbeitet werden sollten.

Durchgängiger Takt im gesamten Wiental

Besonderes Gewicht wurde neben einer Verbesserung und Verdichtung des Regionalfahrplans auf die Einführung eines durchgängigen Taktfahrplanes im gesamten Wiental und besonders auf alle drei Bahnhöfe im Stadtgebiet, nämlich Pressbaum, Dürrwien und Rekawinkel, gelegt. Das bleibt jedoch Zukunftsmusik.
„In Spitzenzeiten fahren durch Pressbaum 10.000 Fahrzeuge“, sagt Vizebürgermeisterin Irene Wallner-Hofhansl über die schon ohnehin zugespitzte Verkehrssituation der Stadtgemeinde und ergänzt: „Wenn die Bürger keine vernünftige Alternative zum Auto haben, kommt es bald zum Verkehrskollaps.“

Wegen der besseren Anbindung fahren viele Menschen aus dem Westen bis zur Station Tullnerbach-Pressbaum mit dem Auto und steigen dann auf den Zug um. „Die P&R-Anlage ist völlig überfüllt, während
jene in Dürrwien und Rekawinkel leerstehen“, so Wallner-Hofhansl. Doch nicht nur Pendler zahlen drauf. Für Schüler und Pensionisten hat sich die Situation ebenfalls massiv verschlechtert.

„Sogar Kinder, die erst in die Volksschule
gehen, regen sich über den neuen Fahrplan
der ÖBB auf.“
Thomas Tweraser, Jugendgemeinderat

Thomas Tweraser, Jugendgemeinderat und Schüler der HLW, berichtet von einem Mitschüler, der von Weidlingau zuerst nach Hütteldorf fahren muss, um rechtzeitig zu Schulbeginn nach Pressbaum zu kommen. Er braucht nun 35 Minuten länger. „Die Schulstadt Pressbaum wird für potenzielle neue Schüler unattraktiv wegen der schlechten öffentlichen Anbindung“, so Tweraser.

Senioren haben es da auch nicht einfacher. Die Anbindung nach Tulln, beispielsweise zum Krankenhaus, ist ohnehin nicht sehr gut. „Mit den derzeitigen Verbindungen wird es Menschen, die nicht mehr autofahren können, nur noch schwerer gemacht“, sagt Wallner-Hofhansl.

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