Erstellt am 08. Juni 2016, 05:35

von Martin Gruber-Dorninger

NSDAP Mitgliedschaft : "Müssten 80 Prozent der Namen ändern". Josef Weinheber hat ein Denkmal auf der Feilerhöhe. Abermals flammt Diskussion über Tafel und Abriss auf.

Das Weinheber-Denkmal ist wieder Stein des Anstoßes  |  NOEN, zVg

Josef Weinheber lässt die Stadtgemeinde Purkersdorf einfach nicht los. Dafür sorgt einerseits das Weinheber-Denkmal, andererseits die jungen Grünen, die das Denkmal beseitigt haben wollen. Nun meldete sich auch der ehemalige Vizebürgermeister und Kulturstadtrat Kurt Schlintner per Leserbrief an die NÖN zu Wort.

Auf der Feihlerhöhe steht er, der Stein des Anstoßes. 2012 wurde das Weinheber-Denkmal vom Verschönerungsverein renoviert, zusätzlich eine Tafel angebracht. Der Text auf der Zusatztafel lautet in Anlehnung an das Gedicht von Theodor Kramer „Requiem für einen Faschisten“ aus dem Jahre 1946: „Weinheber, den großen Lyriker, zog es zu denen, die marschierten“. Dies entspricht übrigens Manfred Cambruzzi, der damals (PUL, Wahlbündnis mit Baum & Grüne) im Kulturausschuss tätig war. „Für mich war mit der Anbringung der Tafel an diesem Denkmal, die Geschichte erledigt“, erinnert sich Cambruzzi und kann die Kritik der jungen Grünen nicht ganz nachvollziehen. Gleiches gilt auch für Kurt Schlintner, Vizebürgermeister a. D. Er verteidigt das Denkmal und fragt sich, ob die Grünen keine größeren Sorgen hätten.

Grünen-Sprecherin Miriam Üblacker wehrt sich: „Weinheber hat zwar 1938 die Mitgliedschaft bei der NSDAP zurückgelegt. 1944 ist er aber wieder beigetreten. Die Tafel alleine ist mir zu wenig. Wir wollen, dass das Denkmal abgetragen wird.“

„Weinheber hat zwar 1938 die Mitgliedschaft zurückgelegt. 1944 ist er aber wieder beigetreten. Wir wollen, dass das Denkmal abgetragen wird.“ Miriam Üblacker, Sprecherin der Jungen Grünen

Auch der aktuelle Kulturstadtrat Christian Matzka möchte unter diese leidige Geschichte einen Schlussstrich ziehen. Er verweist darauf, dass Purkersdorf zu diesem Thema, freiwillig den Weg Wiens eingeschlagen habe. Dort wurden in einer Studie Namen von Straßen, Plätzen und Denkmälern in drei Kategorien eingeteilt. „Weinheber wäre demnach in der zweiten Kategorie. Hier wurde die Anbringung einer Tafel vorgeschlagen. Das haben wir gemacht“, begründet Matzka und weiter: „wenn wir bei Weinheber anfangen, müssten wir 80 Prozent der Namen ändern.“