Purkersdorf

Erstellt am 27. Juli 2016, 05:50

von Birgit Kindler

Bittere Tränen nach Urteilsverkündung. Nigerianer (16) zu drei Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, weil er sich in Flüchtlingsunterkunft geprügelt und gedroht hat.

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In Handschellen wurde ein 16-Jähriger aus Nigeria Richter Markus Grünberger beim Prozess am Landesgericht St. Pölten vorgeführt. In einer Flüchtlingsunterkunft in Purkersdorf soll er seinem Zimmerkollegen, einem Afghanen, einen Faustschlag gegen das Kinn verpasst und ein Glas nach ihm geworfen haben. Außerdem hat er immer wieder gefährliche Drohungen gegen seine Mitbewohner ausgesprochen.

Mit Gerichtssälen kennt sich der Nigerianer aus. Schon einmal ist der erst 16-Jährige mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Am Gericht in Korneuburg wurde er zu einem Monat unbedingter Haft verurteilt, weil er von der Polizei mit Drogen erwischt worden war.

„Es tut mir alles sehr leid“

Zu den neuerlichen Taten in der Unterkunft in Purkersdorf gibt sich der Jugendliche geständig. „Es tut mir alles sehr leid“, beteuert er immer wieder. Für Richter Grünberger ist alles klar: „Er ist geständig, ich brauche die Zeugen nicht mehr zu befragen.“ Der Staatsanwalt sieht das jedoch anders – er lässt alle Zeugen vernehmen. Zuerst wird jener Zimmerkollege befragt, der den Kinnhaken vom Nigerianer verpasst bekommen hat.

Bei der Auseinandersetzung erlitt er Kratzer am Brustbereich und eine Schnittverletzung an der Zehe. Außerdem soll ihn der Nigerianer immer wieder mit „Fuck you“ und „Scheiß Afghane“ beschimpft haben. Von Schimpfereien und „Ich will dich schlagen“-Drohungen berichten auch die übrigen Zeugen. „Er hat immer Streit gesucht, bei uns sagt man ‚Streithansel‘ dazu“, meint der Staatsanwalt vor der Urteilsverkündung. Richter Grünberger verurteilt den Nigerianer zu drei Monaten Freiheitsstrafe, die Probezeit wird auf fünf Jahre verlängert. Nach der Urteilsverkündung bricht der 16-Jährige in Tränen aus. „Es tut mir leid, es wird nicht wieder vorkommen“, beteuert er. Zuerst will der 16-Jährige das Urteil nicht anerkennen. Als der Richter betont: „Sie kommen heute sowieso nicht aus dem Gefängnis“, akzeptiert er die Strafe. Der Nigerianer muss bis längstens 22. September im Gefängnis bleiben, die früheste Entlassung könnte am 22. August sein, ein Monat Haft, die er nach der Verurteilung in Korneuburg abgesessen hat, wird angerechnet.