Purkersdorf

Erstellt am 29. Juni 2016, 05:17

von Martin Gruber-Dorninger, Marlene Trenker und Jacqueline Kacetl

Brexit: Zwischen Schock und Jubel. Das Abstimmungsergebnis verunsichert. Die NÖN holte Meinungen aus der Region ein und befragte Politiker und Bürger.

 |  APA (AFP)

Jetzt ist es also Gewissheit, Großbritannien tritt nach einem Referendum aus der EU aus. Dies betrifft auch eine Handvoll Purkersdorfer und auch indirekt das Stadtbudget.

"Schlecht für das Geschäft"

Die Tochter von Vizebürgermeister Christian Matzka hat in Dublin studiert und einige Zeit in London verbracht. Liiert ist sie mit einem Franzosen, der bei einer amerikanischen IT-Firma in London arbeitet. „,Schlecht für das Geschäft’ hat es der Lebensgefährte meiner Tochter auf den Punkt gebracht“, erzählt Matzka gegenüber der NÖN. Besonders erschreckend für ihn sei, dass eher die älteren Personen für den Austritt Großbritanniens gestimmt haben. „Die investieren offensichtlich in die Vergangenheit des Königreichs und nicht in die Zukunft“, so Matzka. Auch Bürgermeister Karl Schlögl hält den Brexit für äußerst bedenklich. „Das ist das Ende des britischen Königreiches. Ich bin davon überzeugt, dass sich Schottland und Nordirland nach diesem Referendum abspalten werden“, wagt Schlögl einen Blick in die Zukunft. Für ihn sei die EU durch den Austritt sicherlich geschwächt, aber wirklich merken würden das nur die Briten. „Dennoch denke ich, dass sich der Aktienmarkt und auch der Euro in den nächsten Tagen wieder erholen wird“, sagt Schlögl.

Da Purkersdorf einen Teil seiner Kredite in Schweizer Franken aufgenommen hat, hat die Abwertung des Euro auch Einfluss auf die Stadtfinanzen. Schlögl: „Die werden aber minimal sein und kein Grund, daran etwas zu ändern.“ Erwartungsgemäß kein gutes Haar lässt der Gablitzer Robert Marschall, Obmann der EU-Austrittspartei und gescheiterter Wahlwerber bei der Bundespräsidentenwahl, an den Entscheidungsträgern der Europäischen Union: „Man bietet den Briten keine fairen Austrittsverhandlungen, wenn man erklärt, dass man eine schmutzige Scheidung will, um den Nachahmungseffekt von anderen Staaten zu verhindern.“ Bedauernswert findet der Gablitzer, dass das EU-Referendum nicht rechtsverbindlich sei. Marschall: „Ich hoffe, dass es in Österreich eine Volksabstimmung über den Austritt aus der EU geben wird.“

„Ich bin verunsichert. Niemand scheint zu wissen, was jetzt kommt.“

„Schockiert“ über das Abstimmungsergebnis zeigt sich die aus Schottland stammende Übersetzerin und Englischlehrerin Donna Patricia Stockenhuber, die in Gablitz wohnt. „Ich bin verunsichert. Niemand scheint zu wissen, was jetzt kommt.“ Aufgrund ihres langen Aufenthalts im EU-Ausland durfte Stockenhuber nicht am Referendum teilnehmen: „Aber ich hätte für den Verbleib in der EU gestimmt.“