Erstellt am 15. September 2015, 15:07

von Christoph Hornstein

Die Stadt braucht 471 neue Bürger. Purkersdorf will so schnell wie möglich zehntausendsten Bürger willkommen heißen. Der Grund: eine Million mehr Steuergeld.

Andreas Kirnberger, Bürgermeister Karl Schlögl und Vize Christian Matzka starten eine Offensive für mehr Einwohner.  |  NOEN, Foto: Hornstein
Um über die Runden zu kommen, benötigt die Stadt Purkersdorf Steuergeld. Etwa sieben Millionen
Euro sind es derzeit, die der Stadt als Ertragsanteile im letzten Jahr zugewiesen wurden. Es könnten aber acht sein, wenn die 10.000-Einwohner-Marke überschritten wird. Deswegen startet Bürgermeister Karl Schlögl eine Initiative, um 461 Zweitmelder zu hauptgemeldeten Bürgern zu machen.

Aus der Gemeindekategorie „unter 10.000 Einwohner“ fischt Purkersdorf derzeit sieben Millionen Euro aus dem Steuertopf, denn die aktuelle Einwohnerzahl beträgt in Purkersdorf 9.529. Dabei werden aber nur die hauptgemeldeten Bürger gezählt. Würden sich also 471 Zweitgemeldete entschließen, sich in Purkersdorf hauptzumelden, brächte das der Stadt eine satte Million mehr an Steuergeld. „Wir haben einstimmig – also alle Parteien des Gemeinderats – beschlossen, dass wir hier initiativ werden wollen“, informiert Bürgermeister Karl Schlögl.

x  |  NOEN, NÖN
In drei Phasen sollen die rund 1.700 Bürger, die Purkersdorf als Nebenwohnsitz erwählt haben, mit einer Informationskampagne angesprochen werden. „Wir wollen mit zwei Briefen und einer Schlussveranstaltung, zu der alle 1.700 Nebenwohnsitzer eingeladen werden, davon überzeugen, dass Purkersdorf als Stadt für eine Hauptmeldung attraktiv genug ist“, so Andreas Kirnberger, Obmann der ÖVP Purkersdorf, über dessen Werbeagentur die Kampagne läuft. Kirnberger: „Meine Firma hat die Kampagne übernommen, aber zum Selbstkostenpreis, weil es schließlich um unsere Stadt geht.“

Kein Geld für Zweitgemeldete

Das Problem der zweitgemeldeten Bürger ist auch in anderen Städten aktuell. Sie nutzen zwar die gesamte Infrastruktur, die Stadt kann aber kein Steuergeld für die Zweitgemeldeten lukrieren. Der Grund dafür, warum Bürger zwar in Purkersdorf leben, aber in Wien hauptgemeldet sind, liegt auf der Hand: Sie wollen das Parkpickerl, eine Gemeindewohnung oder einen Heimplatz nicht verlieren. Schlögl: „Wir wollen die Zweitgemeldeten davon überzeugen, dass es sehr wohl auch Vorteile hat, wenn man an dem Ort, wo man lebt, hauptgemeldet ist.“

Laut Hochrechnungen wird Purkersdorf auch ohne Kampagne 2020 die 10.000-Einwohner-Marke überschreiten. „Wir wollen diesen Prozess mit unserer Kampagne einfach beschleunigen,“ so Vizebürgermeister Christian Matzka.

Bevölkerungsentwicklung Purkersdorf

aktueller Stand 9.529
2014  9.359
2011  9.259
2001 7.762
1991 6.413
1981 5.147
1971 5.036
1961 4.912
1951    5.262
1934  5.032
1910  3.733
1869  1.423
Die achtziger und neunziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts brachten Zuwachsraten der Bevölkerung von durchschnittlich zwei bis zweieinhalb Prozent. Verantwortlich dafür waren die Zuzüge vieler, meist junger Menschen. Daraus ergibt sich auch die Entwicklung hin zu einer meist positiven Geburtenbilanz.
 Quelle: www.statistik.at

Wanderungen

Bis in die Achtzigerjahre verstarben in Purkersdorf mehr Menschen, als geboren wurden.
Gegenwärtig können immer wieder Jahre mit Geburtenüberschüssen, wie im Jahre 2004, als 36 mehr Menschen geboren wurden, als gestorben sind, beobachtet werden. Für das Jahr 2003 konnte ein Überschuss von zwölf Geburten festgestellt werden.
Nach der Abwanderung in den Fünfzigerjahren setzte in den Sechzigerjahren eine leichte Zuwanderung ein.
In zehn Jahren von 1961 bis 1971 war der Wanderungsüberschuss 295 Personen und damit geringer als im Jahre 2005, als um 297 Personen mehr nach Purkersdorf zuwanderten, als wegzogen.
Gäbe es die Zuwanderung nicht, wann wären die Purkersdorfer ausgestorben?

 Quelle: Christian Matzka