Purkersdorf

Erstellt am 07. April 2017, 13:02

von Martin Gruber-Dorninger

Erwin Kiennast: „Klavier war mein Freund". Erwin Kiennast hat eine neue Leidenschaft entdeckt und er spielt bei Feier zu 50 Jahre Stadterhebung.

Erwin Kiennast ist derzeit hauptsächlich mit der Vertonung von Naturfilmen beschäftigt. Am 1. Juni wird er im Rahmen der Feiern zu 50 Jahre Stadterhebung im Purkersdorfer Stadtsaal auftreten.  |  Ernst Jauck

Er sitzt vor einer Wand von Monitoren, Tastaturen, Keyboards und sonstigen Musikinstrumenten. Gebannt verfolgt sein Blick eine Sequenz auf einem Bildschirm, auf dem ein Naturfilm zu sehen ist. Mit seinem Drehsessel schwingt er sich an ein Keyboard und haucht dem Film mit seiner
Musik erst so richtig Leben ein. Die Rede ist von Erwin Kiennast, einem der größten Musiker der Region, der auch bei der 50-Jahre-Stadterhebung-Feier von Purkersdorf mit den Ton angeben wird.

Vertonen von Naturfilmen als neue Leidenschaft

„Da kommen die Yaks, das musst du den Seher spüren lassen“, schildert Kiennast seine Live-Komposition, als die Hornträger über einen seiner Bildschirme huschen. Kiennast hat eine neue Leidenschaft entdeckt, nämlich das Vertonen von Naturfilmen. Kürzlich lief eine Universum-Produktion über den Lungau, an der Kiennast mitgewirkt hatte. „Das war, von den Zuschauerzahlen her, der größte Erfolg seit Jahren“, ist Kiennast stolz, einen Anteil daran zu haben.

Derzeit arbeitet er an der Vertonung eines dreiteiligen Naturfilms, der sich dem Brahmaputra widmet. Der Fluss ist der wasserreichste Strom Asiens. Drei Wochen braucht er, um dem Film mit seiner Musik den würdigen Rahmen zu verpassen. „Danach wird das noch mit einem Orchester im Studio eingespielt. Insgesamt brauche ich einen Monat pro Film“, so Kiennast.

Ausnahmekönner aus der Region

Als Musiker zählt er bestimmt zu den größten Söhnen der Region, wenn nicht sogar Österreichs. Kiennast war nicht nur musikalischer Leiter aller namhaften Musiktheater Wiens, sondern trat auch als Produzent und Komponist unter anderem für Georg Danzer, Stefanie Werger, Rainhard Fendrich und Ludwig Hirsch in Erscheinung. Obendrein ist er Erfinder des Kiddy-Contests, der im Herbst seinen 23. Geburtstag feiert.

Wer wäre also besser geeignet, als Kiennast, den musikalischen Bogen für 50 Jahre Stadternennung Purkersdorf zu spannen. Am Donnerstag, 1. Juni, ab 19.30 Uhr tritt er mit einigen Purkersdorfer Musikern im Stadtsaal auf und zelebriert ein Konzert des PUKK (Purkersdorfer Kulturkreis) in Zusammenarbeit mit der Stadtgemeinde Purkersdorf. „Ich komme aus der Region und für mich hat es immer gezählt, dass ich das auch nach außen trage“, philosophiert Kiennast. Dabei sei es wichtig, sich darauf zu besinnen, woher man ist und seine Erfahrungen mit Fremden und Fremdem zu teilen. „Dabei entstand etwas, das ich wieder zurück in meine Region tragen kann“, so Kiennast.

Das Klavier gehört zu ihm wie sein Markenzeichen, seine Kopfbedeckung. „Ich übe jeden Tag ein bis zwei Stunden am Flügel. Ich bin mir sicher, dass ich derzeit besser spiele als noch vor ein paar Jahren“, ist Kiennast auch auf die Stadterhebungsfeiern vorbereitet. „Ich bin kein nostalgischer Mensch. Ich werde also nicht großartig in der Vergangenheit schwelgen, ich will in die Zukunft schauen“, lässt sich Kiennast nur vage in die Karten blicken.

Konzert soll einmaliges Erlebnis für alle werden

Elf Jahre war Kiennast alt, als Purkersdorf zur Stadtgemeinde erhoben wurde. „Ich habe mir bei den Feierlichkeiten ein Cut mit einem Schwert zugezogen“, erinnert er sich noch. Damals schon bestimmte die Musik sein Leben. „Während die anderen lieber ins Schwimmbad gingen, habe ich mich an das Klavier gesetzt. Irgendwie war das Klavier mein Freund“, schwelgt Kiennast in Erinnerungen.

Stephan Deutsch, Anna Starzinger, Karl Takats, der Chor des Purkersdorfer Gymnasiums und viele mehr werden Kiennast bei seinem Konzert im Stadtsaal auf der Bühne begleiten. „Ich werde an meinem Flügel sitzen und alle sollen daran Spaß haben. Besucher und Musiker“, macht es Kiennast spannend.

Der Eintritt wird frei sein. „Es ist kein PUKK-Abo-Konzert“, will Mitorganisator Niki Neunteufel Missverständnisse aus dem Weg räumen. „Das Konzert ist ein würdiges Heimspiel für Erwin, zu dem möglichst viele Menschen kommen sollen“, erhofft sich Neunteufel ein einmaliges Erlebnis.