Purkersdorf

Erstellt am 20. Oktober 2016, 06:00

von Martin Gruber-Dorninger und Maria Prchal

Jubiläum: Einzigartige Erfolgsgeschichte. Das Gymnasium Purkersdorf kann auf eine einzigartige Erfolgsgeschichte zurückblicken.

20 Jahre später können Karl Schlögl und Irene Ille auf eine lange Liste an Absolventen und eine einzigartige Erfolgsgeschichte zurückblicken.  |  Prchal

Wer 1994 in der Region Purkersdorf wohnte und ein Gymnasium besuchen wollte, der hatte schlechte Karten. Wien nahm zu diesem Zeitpunkt keine Niederösterreicher mehr auf, die nächsten Gymnasien in Tulln und St. Pölten platzten aus allen Nähten.

So nahm Purkersdorfs Bürgermeister Karl Schlögl, selbst die Zügel in der Hand und traf eine Entscheidung, die alles in die richtigen Bahnen lenkte – er vertraute voll und ganz der heutigen Direktorin Irene Ille. „Und ich habe es bis zum heutigen Tage keine einzige Sekunde lang bereut“, so Schlögl.

„Es war ein wahnsinniges Vertrauen da"

In der Not wurde eine einzigartige Idee geboren: Purkersdorf braucht ein eigenes Gymnasium. Doch der Bund stemmte sich vorerst dagegen, es fiel der berüchtigte Satz: „Es wird nie ein Gymnasium nach Purkersdorf kommen!“ Doch allen voran kämpfte Bürgermeister Karl Schlögl für die Errichtung. Es ergab sich eine damals noch nie da gewesene Lösung: Die Gemeinde zeichnete selbst für das Projekt verantwortlich und bestimmte über Personal und mehr.

Schlögl denkt zurück: „Wir stellten die Infrastruktur zur Verfügung, das schulische Personal wurde zwar vom Bund gezahlt, das nicht schulische aber von uns.“ Als Direktorin kam für ihn nur eine in Frage, Irene Ille: „Sie hatte die pädagogische und organisatorische Qualität, aus dem Nichts etwas aufzubauen.“ Allen Widersachern und Zweiflern zum Trotz, zeigten sich Ille und Schlögl dickköpfig und konsequent: „Wir erhielten sogar Drohbriefe“, erinnert sich Ille.

Im April erfolgte bereits die Anmeldung für die Schüler, doch bis in den Mai hing noch alles in der Schwebe. Ille erzählt: „Es war ein wahnsinniges Vertrauen aus der Bevölkerung da, uns ihre Kinder anzuvertrauen, obwohl noch nicht einmal ein Gebäude stand.“ Im Herbst 1996 wurde dann das AHS-Provisorium I eröffnet und die ersten zwei Klassen mit je 66 Schülern bildeten den Startschuss für das Purkersdorfer Gymnasium.

 „Das war eine wirkliche Bildungsreform, ein komplett neues Schulmodell“,

Irene Ille, Direktorin 

„Das war eine wirkliche Bildungsreform, ein komplett neues Schulmodell“, so Ille. Die Schule wuchs rasant, deswegen wurde auch das zweite Provisorium eröffnet. Schüler aus Gablitz mussten aufgenommen werden, in Tullnerbach wurde die Außenstelle eröffnet und nicht zuletzt erfolgte 2002 die Inbetriebnahme des neuen Standorts und erst vor Kurzem der Zubau.

Mittlerweile gehen 846 Schüler in das Purkersdorfer Gymnasium und aus zwölf Lehrern, wurden 92. Um das Projekt durchzusetzen, war viel Ausdauer aller Beteiligten nötig. Dass das vermeintlich nie kommende Gymnasium nun sein 20-jähriges Jubiläum feiert, Bedarf natürlich eines besonderen Festakts. Dieser wird am 11. November um 12 Uhr stattfinden.

Die Wünsche für die nächsten 20 Jahre sind Direktorin Irene Ille klar: „Kindern sollen keine Angst haben, dass sie keinen Platz in der Schule bekommen, in die sie gehen wollen. Das war immer schon mein Ziel.“