Purkersdorf

Erstellt am 11. Februar 2018, 05:38

von Martin Gruber-Dorninger

Rudi Dolezal: "Auf die Nähe zu den Stars kommt es an". Rudi Dolezal bezeichnet den Film „Whitney Houston – Close up“ als seinen besten Film. 18 Jahre lang hat er daran gefeilt. Jetzt kommt er ins TV.

Dieses Bild von Whitney Houtson und Rudi Dolezal entstand im Haus in Purkersdorf. Dort wurde die jahrelange Zusammenarbeit und die Idee für den Film „Close up“ besiegelt.  |  NOEN, Rudi Dolezal

Der Februar hat es für den Purkersdorfer Filmemacher Rudi Dolezal in sich. Am 6. Feburar jährte sich der Todestag von Hans Hölzel alias Falco zum 20. Mal, und vor sechs Jahren starb Whitney Houston am 11. Februar. Beide waren Künstler, zu denen Dolezal eine besondere Verbindung hatte und noch immer hat. Am Todestag von Whitney Houston zeigt Servus TV um 20.15 Uhr den Dolzeal-Film „Close up“. Die NÖN wollte vom großen Sohn Purkersdorfs wissen, wie der Film entstand und welch Gefühl es ist, dass viele der großen Stars, die Dolezal auf Film gebannt hat, bereits gestorben sind.

Der Purkersdorfer Rudi Dolezal ist nicht nur ein vieldekorierter Filmemacher, er ist auch auf seine Art und Weise Archivar. Er hat Videos von den bekanntesten Künstlern auf dem Gipfel ihrer Schaffenskraft gemacht.

Verhältnis zum Künstler macht den Film aus

Die besondere Nähe zu den Künstlern machte es aus, dass Dolezal diese große Qualität der Musikerfilme überhaupt machen kann. „Bei Mick Jagger stand ich nur wenige Zentimeter mit der Kamera entfernt, kurz bevor er auf die Bühne gegangen und vor 60.000 Zuschauern aufgetreten ist. Da sieht man die Anspannung und das Adrenalin, wie es ihm in die Venen schießt“, nennt Rudi Dolezal nur ein Beispiel für eine gelungene Szene. Das war es wohl auch, was Rudi Dolezal einst den Auftrag einbrachte, den Film „Close up“ mit Whitney Houston zu drehen.

18 Jahre lang hat es gedauert, bis er ihn fertiggestellt hat. Er lief bereits in den Kinos und brachte ihm sogar eine Vor-Nominierung für die Oscars ein. Nun läuft er auf Servus TV. „Whitney war für einen Musikpreis in den USA nominiert, und sie sollte ihn auch bekommen. Sie befand sich allerdings auf Europa-Tournee und konnte die Dankesrede nur per Video einspielen lassen“, erinnert sich Dolezal an den Beginn einer jahrelangen Arbeitsbeziehung.

„Es lief alles wie am Schnürchen, sie hatte nicht eine Kleinigkeit am Film auszusetzen."

Houstons Manager Clive Davis, der auch Janis Joplin, Santana und Bruce Springsteen entdeckte, rief bei Dolezal an: „Er wollte, dass ich zu einem Konzert nach Mannheim komme und die Dankesrede während des Konzertes mit den tausenden Menschen im Hintergrund aufnehme.“ Das hat er dann auch gemacht. Wenige Tage später fuhr Houston nach Wien, um Dolezals Werk zu begutachten. „Es lief alles wie am Schnürchen, sie hatte nicht eine Kleinigkeit am Film auszusetzen. So hatten wir noch jede Menge Zeit und ich zeigte ihr meinen soeben fertiggestellten Film ,Freddie Mercury - the Untold story’“, so Dolezal.

Sie dürfte begeistert gewesen sein, denn Dolezal zeigte ihr auch noch den Film von den Rolling Stones. Als der Film lief, sagte sie zu Dolezal: „Stop! Genau so einen Film – mit soviel Perfektion, Liebe zum Detail und so nah dran am Künstler – so einen Film will ich, dass du über mich machst.“

Die Details wurden dann im Haus in Purkersdorf ausgemacht. „Ich hab ihr dann sogar ein Gemälde von Stones-Gitarrist Ron Wood geschenkt, auf dem Mick Jagger zu sehen ist. Die Zusammenarbeit war also beschlossen.

„Sie war damals sehr schüchtern. Sie hat nicht einmal eine Zigarette angenommen."

Schon am nächsten Tag ging es los. Dolzeal fuhr mit Sack und Pack zu einem Konzert nach Köln, und von da an lief die Kamera quasi Tag und Nacht. „Whitney war sehr schüchtern. Ich durfte aber überall rein. Ich bekam von ihr einen Backstage-Pass mit Access All Areas. Zusätzlich schrieb sie noch persönlich darauf ,and any where Rudi wants to go’“, sagt Dolezal. Er filmte Houston kurz bevor sie auf die Bühne trat und gleich danach, als sie wieder von der Bühne ging.

„Sie war damals sehr schüchtern. Sie hat nicht einmal eine Zigarette angenommen. Ich musste daher besonders aufpassen, was ich filmen konnte und was nicht“, berichtet Dolezal. Er hatte aber stets eine kleine Handkamera in seiner Regieweste eingesteckt.

„Wenn es einmal zu intim wurde, schickte ich das Kamerateam weg und bei Bedarf konnte ich immer noch mit der Handkamera filmen. So entging mir nichts“, verrät Dolezal seine Kniffe und Tricks. Die Vervollständigung des Films erlebte Whitney Houston nicht mehr mit. „Wir haben uns aber noch gemeinsam den Titel ,Close up’ ausgedacht.

„Stop! Genau so einen Film – mit soviel Perfektion, Liebe zum Detail und so nah dran am Künstler – so einen Film will ich, dass du über mich machst.“ Whitney Houston

Neben Houston hatte Dolezal auch zu Falco, Freddy Mercury und David Bowie ein sehr inniges Verhältnis. Auf die Frage, ob es denn sehr deprimierend sei, dass all seine Stars schon verstorben sind, sagt Dolezal: „Es kommt immer darauf an, wie jemand stirbt. Freddie Mercury war ein enger Freund. Wie es mit der Krankheit immer ärger wurde und er schließlich starb, was das sehr schlimm für mich. Ich habe mir nicht zugetraut, noch einmal so nahe an einen Künster heranzukommen.“

Bei Falco sei es noch schlimmer gewesen, da der Tod so unerwartet kam. „In meinem Denkerzimmer in Purkersdorf habe ich eine kleine Stätte, an der ich stets an Hans erinnert werde“, sagt Dolezal wehmütig.

Er habe sich aber immer wieder gesagt, dass die Stars durch seine Filme weiterleben. Eines dieser Lebensarchive wird am 11. Februar, um 20.15 Uhr auf Servus TV ausgestrahlt.

Am Montag feierte Dolezal übrigens selbst ein Jubiläum. Der Purkersdorfer wurde 60 Jahre alt. „Ich feiere in enger Runde in Miami“, sagt Dolezal knapp und bescheiden.