Purkersdorf

Erstellt am 19. Juli 2017, 11:00

von Martin Gruber-Dorninger

Schlögl fordert Schließung. Streit unter Asylwerbern eskalierte, Somalier flog aus dem Fenster und wurde schwer verletzt. Mutmaßliche Täter sitzen in U-Haft, verlegte Flüchtlinge tauchten unter.

Das Gebäude des ehemaligen Dibl-Druck ist seit Montag voll bezogen. Die UMF versuchen sich nun an die neue Umgebung zu gewöhnen. Trenker  |  NOEN

Wilde Szenen spielten sich im Asylheim in der Purkersdorfer Wintergasse ab: Nachdem es zu einem Streit unter afghanischen und somalischen Flüchtlingen (alle zwischen 15 und 17 Jahren) gekommen war, stürzte ein Somalier aus dem Fenster im zweiten Stock elf Meter in die Tiefe und zog sich dabei schwere Verletzungen zu. „Die Erhebungen zu dem Fall sind sehr umfangreich“, berichtet Polizeisprecher Johann Baumschlager, viele Befragungen müssen durchgeführt werden.

Streit eskalierte in Unterkunft

Zu den Fakten: In der Nacht auf Donnerstag brandete zwischen Somaliern und Afghanen ein böser Streit auf. Sie sollen sogar mit Eisenstangen aufeinander losgegangen sein. Dabei verschanzten sich zwei Somalier in ihrem Zimmer. Die Afghanen sollen daraufhin die Zimmertür aufgebrochen haben und einen Somalier gemeinsam aus dem Fenster befördert haben. Vom zweiten Stock landete er erst auf einem Vordach und dann auf dem Boden in einem Schacht. „Der junge Mann wurde dabei schwer verletzt“, berichtet Baumschlager.

Zur Bergung des jungen Mannes wurde auch die Feuerwehr gerufen, die Rettung übernahm die Versorgung des Verletzten und brachte ihn ins Landesklinikum Tulln. Auch zwei weitere Asylwerber wurden bei den Auseinandersetzungen leicht verletzt. Mehrere Festnahmen waren die Folge. „Fünf Asylwerber befinden sich derzeit in U-Haft“, weiß Polizeisprecher Johann Baumschlager. Nach Abschluss der Ermittlungen werde die Staatsanwaltschaft über die weitere Vorgehensweise und die Anklage entscheiden. Von einer Anklage wegen versuchten Mordes will Bürgermeister Karl Schlögl bereits erfahren haben. Außerdem sollen sich einige der Beteiligten vom Heim entfernt haben und sollen seit dem Zwischenfall nicht mehr auffindbar sein. Nach den Burschen wird gefahndet.

„Ich verlange, dass die Ethnien in diesem Heim streng voneinander getrennt werden"

Schlögl selbst ersuchte umgehend bei Innenminister Wolfgang Sobotka, Landesrat Maurice Androsch und Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner um Unterstützung in dieser Causa an. „Ich verlange, dass die Ethnien in diesem Heim streng voneinander getrennt werden. Außerdem fordere ich die Schließung des Heimes“, so Schlögl.

Der Bürgermeister spricht von insgesamt über 15 Einsätzen seit der Eröffnung des Quartiers. „Alles Streitigkeiten untereinander. Doch auch die Anrainer sind beunruhigt. Es kam das eine oder andere mal zu Pöbeleien und Ruhestörungen“, berichtet Schlögl.

In dieselbe Kerbe schlägt auch FPÖ-Gemeinderat Martin Cipak: „Flüchtlingshilfe ist schön und gut, doch das Pulverfass in der Wintergasse ist jetzt explodiert. Ich verlange, dass ein anderer Betreiber gefunden wird oder ebenfalls die Schließung.“

Vom zuständigen Verein menschen.leben, der die Unterkunft für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge führt, ist zu dem Fall wenig zu erfahren: „Wir geben dazu keine Stellungnahme ab, die Polizei ermittelt in dem Fall“, zeigt sich Pressesprecher Christian Lenhardt wortkarg. Er sagt aber, dass grundsätzlich das Zusammenleben im Haus in Purkersdorf gut funktioniere.

Konsequenzen wurden gezogen

Nach dem tragischen Zwischenfall hat die zuständige Abteilung des Landes auch gleich Konsequenzen gezogen und begann mit den Überstellungen von elf Asylwerbern und einem Asylberechtigten, „um eine Entflechtung der Nationalitäten und damit eine Entspannung der Situation zu erreichen“, wie Anton Heinzl, Pressereferent des zuständigen Landesrates Androsch bestätigt. Zudem werden „neben den deeskalierenden Maßnahmen auch Gespräche mit dem Betreiber geführt“, sagt Heinzl.