Erstellt am 12. April 2018, 05:21

von Lisa-Maria Seidl

Kopftuch-Debatte: Schutz oder Politik-Manöver?. Mädchen unter zehn Jahren sollen durch Verbot „geschützt“ werden. In Purkersdorf scheint dies jedoch wenig relevant.

Symbolbild  |  APA (dpa)

Das Kopftuchverbot ist nach dem jüngsten Vorstoß seitens FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache wieder in aller Munde. Vorgeschlagen wurde ein solches Verbot aktuell für Kinder unter zehn Jahren. Geschützt werden sollen auf diese Weise insbesondere junge Mädchen, die noch den Kindergarten oder die Volksschule besuchen. Wie viele Kinder in Österreich bereits in diesem Alter tatsächlich ein Kopftuch tragen, ist unklar. Genaue Zahlen fehlen bislang.

In Purkersdorf ist die Kopftuchdebatte kein Thema. „Bei uns an der Schule gibt es diese Problematik nicht. Wir hatten noch nie Kinder mit Kopftüchern“, erklärt Volksschuldirektorin Anna Diasek.

„Ich lehne dies auch ab für Mädchen in diesem Alter. Aber gibt es im Bildungsbereich nicht viel wichtigere Themen?“ Beatrix Kaukal, Stadträtin (SPÖ)

Außerdem hätte die einmal in der Woche an der Schule unterrichtende Lehrerin für islamische Religion ihren Schülerinnen das Tragen eines Kopftuches ohnehin verboten. Erst ab dem 15. Lebensjahr sollten die Mädchen dann selbstständig entscheiden dürfen, ob sie ein Kopftuch tragen wollen oder nicht.

Bildungsstadträtin Beatrix Kaukal (SPÖ) hält jedenfalls nicht viel von der angedachten Regelung: „Ich lehne dies [Anm.: das Tragen eines Kopftuches] auch ab für Mädchen in diesem Alter. Aber gibt es im Bildungsbereich nicht viel wichtigere Themen?“.

Sie hält die erneute Diskussion für ein Ablenkungsmanöver: „Dies hätte schon der damalige Integrationsminister und jetztige Bundeskanzler Sebastian Kurz erledigen können. Viel wichtiger wäre beispielsweise über die Ganztagsschule zu reden und die Ressourcen dafür zur Verfügung zu stellen.“