Erstellt am 18. August 2016, 05:20

von Maria Prchal und Marlene Trenker

Besseres Miteinander: Schaffen kleinen Ort des Respekts. „Weg der Versöhnung“ und „PatInnen für alle“ für niederösterreichweiten Sozialpreis nominiert.

Hier sieht man, was engagierte Paten bewirken können. Erika Kudweis mit ihrem Patenkind Ali Musavi, der als Kleidermacherlehrling seinen Traumberuf erlernen darf.  |  NOEN

Wer sich schon einmal den Schraubenzieher vom Nachbarn ausgeborgt oder mit den Kollegen dem Chef Widerstand geleistet hat, weiß — zusammen ist man stärker. Ein gemeinsames positives Zusammenleben erleichtert jedem den Alltag und es gibt genug Menschen, die sich für ein friedliches und gutes Miteinander einsetzen. Dafür werden Initiativen gegründet, Projekte gestartet und Aktionen gesetzt, die alle ihren Teil für ein gemeinsames Miteinander leisten. Die Organisationen, die in ihrem Bundesland besonders viel für ein fortschrittliches Zusammenleben tun, werden bei „Orte des Respekts“ ausgezeichnet.

Nominiert für diesen Preis wurden auch zwei Initiativen aus der Region Purkersdorf. Ein Vorzeigebeispiel ist etwa das Projekt „PatInnen für alle“ von Erika Kudweis. Hier werden Paten an unbegleitete Flüchtlinge vermittelt, im letzten Jahr alleine 21. „Man darf sich das ein bisschen so vorstellen, wie früher der Taufpate, der das Kind durch die schwierigste Phase des Lebens hinein ins Erwachsenenalter begleitet“, erklärt Kudweis. Nach einer speziellen Ausbildung bekommen die Paten ein Kind zugeteilt, das sie dann beim Zurechtfinden in ihrer neuen Umgebung und beispielsweise bei der Ausbildungssuche unterstützen.

Es gibt bereits 13 Paten

„Momentan sind 13 Patinnen verteilt, zehn sind gerade in Herzogenburg in Ausbildung. Am 9. September ist der nächste Infoabend in Purkersdorf“, ist Kudweis‘ Verein sehr aktiv und möchte in den nächsten Jahren auch anderen Jugendlichen aus schwierigen Situationen Paten vermitteln.

Warum sie sich für „Orte des Respekts“ beworben hat, erklärt die Mutter eines äthiopischen Mädchens und Patin eines afghanischen Buben so: „Es ist, als würden wir Samen in die Jugendlichen streuen, die dann irgendwann aufgehen. Aber auch in unsere Umgebung: Die Idee verbreitet sich und öffnet vielen neue Sichtweisen. Mit jedem Kind, das wir in ein sicheres Umfeld bringen, schaffen wir einen kleinen Ort des Respekts“, betont Kudweis, dass sowohl für den jungen Menschen, wie auch für die Umgebung neue Perspektiven entstehen würden. Noch Ende des Jahres möchte „PatInnen für alle“ 20 Paten in Purkersdorf, Gablitz sowie Herzogenburg vermittelt haben.

Bürgermeister Karl Schlögl mit Stadtrat Viktor Weinzinger und Stadtverschönerungsvereinsobmann Erich Liehr dort wo der „Weg der Versöhnung“ entstehen sollte  |  NOEN, privat

Beworben hat sich auch der Purkersdorfer Verschönerungsverein für seinen „Weg der Versöhnung“. 100 Jahre nach Beginn des Ersten und 75 Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde der „Weg der Versöhnung“ vom Purkersdorfer Friedhof zum „Russenfriedhof“ geschaffen. Er verbindet die Gräber sowjetischer Soldaten mit den beiden Gedenkstätten gefallener Purkersdorfer Soldaten der beiden Weltkriege. Auch befinden sich ein Holocaust-Denkmal sowie eine Grabstätte der 1945 vertriebenen „Brünner Deutschen“ am beziehungsweise nahe des Weges.

Purkersdorf war in der Schlacht um Wien umkämpft. Die hier bestatteten Soldaten fielen bei der Befreiung Österreichs vom Nationalsozialismus im Raume Purkersdorf. Entstehen konnte dieser Weg, da der „Ort der Erinnerung“ verlegt wurde.

Der Ort hat eine besondere Lage

Dieser Ort hat jedoch eine besondere Lage, da er direkt oberhalb des Friedhofes der russischen Soldaten des Zweiten Weltkrieges liegt und man vom Friedhofseingang auf dem Weg dorthin an den Denkmälern für die Gefallenen des Ersten und des Zweiten Weltkrieges vorbeigeht, auf denen hunderte Namen von Purkersdorfer Opfern angeführt sind und dann vorbeikommt am Holocaust-Gedenkstein, auf dem die in der NS-Zeit deportierten oder ermordeten jüdischen Mitbürger eingraviert sind.

„Dieser Weg des Schreckens könnte durch die Planung des Stadtverschönerungsvereines ein Weg der Versöhnung werden: Im Zuge der baulichen Gestaltung des Ortes der Erinnerung sollte gemeinsam mit der Stadtgemeinde ein barrierefreier Verbindungsweg zwischen Gemeinde- und Russenfriedhof geschaffen werden“, sagt der Obmann des Stadtverschönerungsvereins Erich Liehr zum „Weg der Versöhnung“.