Erstellt am 25. April 2018, 05:28

von Martin Gruber-Dorninger

Klimawandel stresst auch Baum und Biene. Trockenheit und Hitze haben bereits große Auswirkungen auf Flora und Fauna in unserer Region. Die NÖN sprach mit Experten, wo das noch hinführt.

Die Baumarten in den heimischen Wäldern werden sich aufgrund des Klimawandels stark verändern.  |  NOEN, shutterstock.com/lows und irin-k

Der Purkersdorfer Alexander Rüdiger ist Showmoderator des „Money Maker“ im ORF. Gleichzeitig ist er aber auch Extremsportler und absolvierte zuletzt einen Marathon nahe des Nordpols. Seine Abreise verzögerte sich, weil ein meterdicker Riss auf der Eisfläche eine Landung des Transportflugzeuges unmöglich machte. „Wer weiß wie lange es diese Veranstaltung noch gibt? Der Klimawandel ist hier deutlich spürbar“, sagt Rüdiger

. Doch nicht nur am Nordpol sind die Auswirkungen der Erderwärmung offensichtlich, auch bei uns im Wienerwald sind die Anzeichen mehr als deutlich. Vor allem wenn es um Bäume und Bienen geht. Die NÖN sprach mit Experten.

In Niederösterreich hat sich die Durchschnittstemperatur in den letzten 150 Jahren um zwei Grad Celsius erhöht, „weltweit lediglich um ein Grad“, rechnet Klaus Haslinger von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) vor. Bis 2050 rechnet er sogar noch um einen weiteren Anstieg um zwei Grad. Dies hat enorme Auswirkungen, die sich vor allem auch im Wienerwald bemerkbar machen.

Rotbuche wird Wienerwald dominieren

„Die milderen Winter bewirken, dass der Borkenkäfer sich stärker ausbreiten kann und enorme Schäden an den Fichten anrichtet“, erklärt Bernhard Perny, Abteilungsleiter des Instituts für Waldschutz beim Bundesforschungszentrum für Wald. Obendrein stellen Trockenheit und höhere Temperaturen die Förster vor grobe Probleme. „Das Immunsystem der Bäume wird dadurch geschwächt, wodurch Pilze und Käfer leichteres Spiel haben“, erklärt Perny. Obendrein steige durch die enorme Trockenheit auch die Waldbrandgefahr.

Vor allem der Fichte könnte es an den Kragen gehen. Die Baumart wurde in der Vergangenheit wegen ihres schnellen Wachstums sehr gerne gepflanzt. „Oft auch an Orten, wo dies nicht optimal war. Diese werden künftig verdrängt“, erklärt Perny.

„Laubwälder werden zunehmen, Nadelhölzer werden sich in immer höheren Lagen ausbreiten.“Rudolf Freidhager, Vorstand der Öbf

Dem pflichtet auch Rudolf Freidhager, Vorstand der Österreichischen Bundesforste mit Sitz in Purkersdorf bei: „In tiefen Lagen und im sommerwarmen Osten, wie etwa im Wienerwald oder auch im Donauraum, werden Laubwälder weiter zunehmen. Nadelhölzer hingegen, werden sich – ebenso wie ihre Schädlinge – in immer höhere Lagen zurückziehen und dort ausbreiten.“

Rotbuchen sind heute schon die Hauptbaumart des Wienerwaldes und werden dadurch ein größeres Verbreitungsgebiet vorfinden. Die Bundesforste würden daher bereits heute ihre Wälder dem Klimawandel anpassen und standortgerechte Pflanzen ansiedeln. „Insbesondere im Wienerwald bringen wir verstärkt Wildobstbäume aus und kultivieren Streuobstwiesen mit alten Apfel- und Birnensorten, aber auch Elsbeere und Speierling werden gepflanzt“, so Freidhager.

Doch nicht nur die Bäume des Wienerwaldes müssen sich auf erhöhte Temperaturen einstellen, auch Bienen und folglich auch die Imker. Der Purkersdorfer Benno Karner weiß davon ein Liedchen zu singen. „In den letzten Jahren folgte einem längeren Winter stets ein schnell einsetzender warmer Frühling. Das versetzt die Bienen ungemein in Stress“, erklärt Karner.

Zufüttern auch im Spätsommer

Zu Beginn des Jahres seien die Bienen aber noch nicht so stark, um sich diesem Stress auszusetzen. Auch er selbst hat dann jede Menge viel zu tun. „Wir müssen rasch die Waben austauschen und so Platz für die Bienenvölker schaffen, damit diese nicht ausschwärmen“, so Karner. Das ginge dann sehr schnell, weil die Königin pro Tag bis zu 2.000 Eier legen könne. „Kein Imker will, dass sein Volk ausschwärmt“, erklärt Karner.

Durch die Trockenheit im Sommer müssen die Imker neuerdings auch immer wieder mit Zuckerwasser nachfüttern. „Den Honig kann man dann natürlich nicht verwenden“, so Karner über die Auswirkungen des Klimawandels.