Erstellt am 07. Februar 2018, 05:12

von Martin Gruber-Dorninger

Studentenverbindung wehrt sich gegen Vorurteile. Die K. Ö. St. V. Austria Purkersdorf wehrt sich gegen eine Pauschalisierung und verurteilt die Germania.

Band und Deckel gehören zu den Mitgliedern der K. Ö. St. V. Austria Purkersdorf dazu. Mit der Burschenschaft Germania haben sie aber nichts am Hut.  |  NOEN, K. Ö. St. V. Austria Purkersdorf.

Viele Themen gab es ja nicht gerade im Wahlkampf rund um die Landtagswahl in Niederösterreich. Lediglich eines sorgte für Aufsehen, und das kam auch eher ungeplant aufs Tableau – dabei handelt es sich um die Texte der Liederbücher einer Burschenschaft, die für FPÖ-Spitzenkandidat Udo Landbauer schlussendlich das Ende der politischen Karriere bedeuteten.

Er war Vizeobmann der schlagenden Verbindung Germania und gab an, nichts von den Texten der Lieder gewusst zu haben. Die NÖN fragte nun bei der Purkersdorfer Studentenverbindung K. Ö. St. V. (Katholische Österreichische Studentenverbindung) Austria Purkersdorf nach, wie es denn bei ihren Mitgliedern um dieses Thema steht.

Albrecht Oppitz ist Mitglied bei einer Studentenverbindung.  |  NOEN, privat

„Das Entscheidende dabei ist, dass wir eine katholische Studentenverbindung sind und keine Burschenschaft. Diese Unterscheidung ist enorm wichtig. Die Germania ist eine schlagende deutschnationale Verbindung, wir setzen uns hingegen für karitative Angelegenheiten und die Ausübung des katholischen Glaubens ein“, will VP-Stadtrat Albrecht Oppitz gleich eindeutig die Unterschiede definiert wissen.

„Ja, wir haben auch ein Liederbuch. Darin finden sich Lieder für offizielle und inoffizielle Anlässe"

Außerdem bekenne sich die K. Ö. St. V. Austria Purkersdorf zur Heimat Österreich als eigenständige Nation. „Deutschnationales Gedankengut hat bei uns nichts verloren. Auch die Mensur lehnen wir zu 100 Prozent ab“, betont Oppitz. Er habe in seiner Zeit bei der Studentenverbindung kein einziges Mal erlebt, dass aus Jux und Tollerei politisch sensible Themen besungen oder belächelt wurden. „Ja, wir haben auch ein Liederbuch. Darin finden sich Lieder für offizielle und inoffizielle Anlässe. Doch auch bei Veranstaltungen der Verbindung wurde stets darauf geachtet, was der Inhalt der Texte war“, so Oppitz.

Ob der Freiheitliche Udo Landbauer das gewusst haben könnte, kann Oppitz natürlich nicht sagen. Nur so viel: „Bei uns sind die Kenntnis der 25 beliebtesten Lieder eine Voraussetzung für die Aufnahme in die Studentenverbindung. Und ich persönlich gehe da mit der Meinung von Sebastian Kurz konform, der sagte, dass man hier nicht wegsehen dürfe.“

Ex-Minister Robert Lichal, WIPUR-Aufsichtsratsvorsitzender Ernst Grossmann, Pfarrer Marcus König und Ex-Pfarrer Anton Guber sind neben Albrecht Oppitz die bekanntesten Mitglieder der K. Ö. St. V. Austria Purkersdorf. Der Obmann, der im Regelfall ein Mittelschüler ist, wechselt jedes Semester.

Oppitz geht mit Kurz’ Meinung konform

Jakob Kellner wurde bei der letzten Versammlung zum Obmann für das Sommersemester erwählt. „Ich kann ganz sicher sagen, dass die Lieder keine rassistischen, antisemtitischen oder nationalsozialistischen Inhalte haben, das würden wir nicht tolerieren“, erklärt Kellner. Altherren-Vertreter Philipp Harold pflichtet ihm bei: „Seit 1997 bin ich in dieser Verbindung und ich kann ausschließen, dass Lieder mit diskriminierendem Inhalt gesungen wurden.“

Die Studentenverbindung ist jedenfalls bestrebt, Missverständnisse aller Art aus dem Weg zu räumen. „Wenn man in der Öffentlichkeit einen Deckel (Kopfbedeckung) auf hat und ein Band (Schleife) trägt, dann wird man aufgrund der aktuellen Diskussion sofort als rechtsradikal abgestempelt. Doch wir sind das ganz sicher nicht, und in Purkersdorf wissen das auch die meisten Menschen“, sagt Albrecht Oppitz.