Erstellt am 19. Juli 2017, 05:59

von Martin Gruber-Dorninger

Tiefe Trauer um Wilfried. Wegbegleiter und Freunde erinnern sich an den Ausnahmekönner und trauern.

Wilfried Scheutz starb 67-jährig im Landesklinikum Lilienfeld.  |  NOEN, Jauck

Vor rund einem Monat plagte sich Wilfried in der Vereinsmeierei in Pressbaum noch einmal in den Mittelpunkt. Gezeichnet von seiner schweren Krebserkrankung, machte er mit seiner CD-Präsentation für „Gut Lack“ noch einmal Mut. Und zwar allen Fans und Angehörigen, bereits in dem Bewusstsein, dass seine Zeit bald abgelaufen sein wird. In der Nacht von Sonntag auf Montag verlor er den bitteren Kampf gegen den Krebs, er starb im engsten Familienkreis im Landesklinikum Lilienfeld.

Wilfrieds Lebenslauf aus Wikipedia ist in den vergangenen Tagen wohl unzählige Male veröffentlicht worden. Die Purkersdorfer NÖN verzichtet an dieser Stelle darauf und lässt lieber Wegbegleiter von Wilfried Scheutz zu Wort kommen, sofern sie das wollen.

Denn bei den betroffenen Mitgliedern der Vereinsmeierei und der Familie in Pressbaum, saß zu Redaktionsschluss der Schmerz noch zu tief, um sich an einem Nachruf zu beteiligen.

„Wilfried machte die besten Ham & Eggs“, sagt Karl Takats, Chef der „Bühne“ in Purkersdorf. Jeden Mittwoch sei er auch deshalb gerne nach Pressbaum gefahren, um an dem Kulturfrühstück teilzunehmen. Wilfried kannte Takats bereits aus seinen Jugendzeiten bei Ö3. „Wir haben seine Lieder dann öfter gespielt, als wir eigentlich vom Programmchef hätten spielen dürfen“, erinnert sich Takats, der Wilfried als herzensguten Menschen und guten Freund bezeichnet. „Er hat seine CD noch präsentiert, doch zu einem Auftritt in der Bühne wird es leider nicht mehr kommen. Ich bin sehr traurig“, so Takats.

„Er war ein herzensguter Mensch“

Einen großen Anteil am Schicksal und am Leben von Nikodemus-Chef Niki Neunteufel hatte Wilfried auch. „Der Lokalname steht in enger Verbindung zu Wilfried, er wohnte ja in der Nikodemusgasse in Pressbaum, und da stammte auch die Idee des Lokalnamens her“, erzählt ein betroffener Niki Neunteufel, dessen Frau Brigitte als Teenager Babysitter für Wilfrieds Sohn Hanibal war. „Seine Frau Marina half bei der Einrichtung des Nikodemus mit. Wilfried stellte die erste Musikauswahl des Lokals zusammen“, erinnert sich Neunteufel. Gemeinsam mit Marina habe Wilfried die Kulturszene in Pressbaum geprägt und unzählige fantastische Konzertabende organisiert. „Ich werde Wilfried immer als extrem authentischen, geradlinigen und ehrlichen Menschen in Erinnerung behalten, wenn wir uns auch in den letzten Jahren nicht mehr so häufig gesehen haben“, schließt Neunteufel.

Purkersdorfs Bürgermeister Karl Schlögl kannte Wilfried ebenfalls schon sehr lange: „Als junger SPÖler bin ich damals mit ihm in Kontakt getreten, als er bei Wahlkampfveranstaltungen musiziert hat.“ Er habe Wilfried als einen besonders netten Menschen kennengelernt. „Ikarus ist mein Lieblingslied von ihm“, schwärmt Schlögl.

Pressbaums Bürgermeister Josef Schmidl-Haberleitner drückte im Namen der Gemeinde sein Mitgefühl für die Familie aus. „Als ich ihm vor drei Wochen zu seinem 67. Geburtstag gratulierte, hat es so ausgesehen, als würde es ihm wieder besser gehen“, ist Schmidl-Haberleitner überrascht über das doch recht plötzliche Ableben des Künstlers.

Von Wilfried bleibt in der Region sicher mehr, als dass er ein Mitglied der EAV war, mit „Ziwui, ziwui“ einen großen Hit hatte und beim Songcontest auf dem letzten Platz landete. An allen Ecken und Enden der Region spürt man die Präsenz und die Wirkung von Wilfried Scheutz, der mit seiner Art der Kunst und Kultur und des Querdenkens eine große Lücke aber auch tiefe Spuren hinterlässt.

Informationen über das Begräbnis waren zu Redaktionsschluss noch nicht bekannt.

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