Purkersdorf

Erstellt am 22. August 2016, 12:43

von Lisa-Maria Seidl

Sind neun Wochen zu viel?. Die Kinderbetreuung im Sommer stellt viele Eltern vor Probleme. Sollten die freien Tage daher anders aufgeteilt werden?

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Immer wieder wird darüber diskutiert, ob neun Wochen Sommerferien nicht doch zu lang seien, denn gerade für Eltern entstehen dabei oftmals Probleme, eine Betreuung zu organisieren. Der neueste Vorstoß in diese Richtung kam von Familien- und Jugendministerin Sophie Karmasin (ÖVP), die eine Kürzung der Sommer- und dafür eine Verlängerung der Herbstferien fordert. Grundsätzlich liegt Österreich mit der Feriendauer im Europadurchschnitt. Längere Ferien gibt es im Süden, im Norden, etwa in Großbritannien oder Deutschland, sind sie kürzer.

Irene Ille, Direktorin des BG/BRG Purkersdorf, kann dem Vorschlag der Ministerin durchaus etwas abgewinnen: „Die Zeit, in der sich die Schüler erholen können, reicht aus, auch für die Oberstufe. Trotz vier Wochen Ferialarbeit hätten die Schüler dann noch drei Wochen frei.“

Etwas skeptischer zeigt sich Mittelschul-Direktorin Margarethe Koncki-Polt: „Grundsätzlich gilt, dass eine lange Sommerpause wichtig ist, um wieder zu sich selbst zu finden, das gilt für Schüler und Lehrer. Der Lehrberuf ist ein kreativer Beruf, der den Einsatz der ganzen Persönlichkeit verlangt. In der Sommerpause kann man wieder neue Kräfte und Ideen sammeln.“ Dafür würden ihrer Meinung nach aber auch sieben Wochen noch ausreichen.


 „Schüler brauchen Zeit zum Abschalten“

Strikt gegen eine kürzere Sommerpause spricht sich Schülervertreter Marc Lang aus: „Die Sommerferien sind der Zeitraum im Leben eines Schülers, in dem er komplett abschalten kann - und muss. Keine Projekte, Schularbeiten, Tests, Hausaufgaben oder Referate. Es mag schockierend klingen, aber wir brauchen diese neun Wochen wirklich.“ Gleichzeitig argumentiert Lang auch gegen die angedachten längeren Herbstferien. Schüler würden nach den Sommerferien Zeit brauchen, um wieder ins Lernen hineinzufinden: „Wären jetzt nach zwei Monaten wieder Ferien, schalten wir erneut ab. Die Zeit von September bis Dezember ist die längste durchgehende Lernperiode - und die brauchen wir auch, um den Stoff zu bewältigen.“ Sein Alternativ-Vorschlag wäre, die zwei Wochen in Form von Vier-Tage-Wochen zu verwenden.

In eine ähnliche Kerbe schlägt Koncki-Polt, die meint: „Ich finde verlängerte Herbstferien nicht so optimal. Eine kurze Verschnaufpause, wie sie jetzt gegeben ist, ist ganz gut. Mit einer längeren Pause fällt man eher wieder aus dem Arbeitsrhythmus heraus.“ Sie würde lieber die Osterferien verlängern. 

Eine Befürworterin längerer Herbstferien ist die Gym-Direktorin: „Erfahrungsgemäß sind diese zum Durchschnaufen gerade für die Älteren sinnvoll.“ Die Osterferien zu verlängern hält sie in der Oberstufe nicht für zielführend, da das Sommer- ohnehin kürzer sei als das Wintersemester. „Wogegen ich ganz sicher bin, ist, die Entscheidung wieder den Schulen zu überlassen“, so Ille, „Prinzipiell bin ich schon sehr für Autonomie, aber es ärgert mich immer noch, wie das mit den schulautonomen Tagen geregelt wurde. Hier ist Vereinheitlichung sicher sinnvoll.“