Mauerbach

Erstellt am 21. Juli 2016, 05:41

von Martin Gruber-Dorninger

Ortschef Buchner: „Ohne Freude wäre man fehl am Platz“. Wie ist die Stimmung im neuen Gemeinderat nach der Auflösung? Dies und mehr beantwortet Ortschef Peter Buchner.

Mauerbachs Bürgermeister Peter Buchner wurde im Zuge des Steinbacher Feuerwehrfestes von Redaktionsleiter Martin Gruber-Dorninger interviewt. Marlene Trenker  |  NOEN

Das zweite Gespräch im Wienerwald führte die Purkersdorfer NÖN mit dem Mauerbacher Bürgermeister Peter Buchner. Der Sportplatz, die Auflösung des alten Gemeinderates und das neue Gemeindeamt sind die bewegenden Themen in der Gemeinde, die Herzensangelegenheit Kutscherstall beschäftigt den Bürgermeister fast rund um die Uhr.

NÖN: In Mauerbach hat sich die ÖVP mit der SPÖ auf eine Koalition geeinigt. Wie funktioniert das bisher?
Peter Buchner: Im Großen und Ganzen ganz gut. In manchen Teilbereichen funktioniert es noch nicht ganz reibungslos, da es einige Gemeinderäte gibt, die noch ganz neu im Geschäft sind. Aber das ist ganz normal, denn es dauert seine Zeit bis man die Abläufe und die ganzen Zusammenhänge auch kennt.

Wie belastend war das als Bürgermeister, dass man in der letzten Legislaturperiode plötzlich keinen funktionierenden Gemeinderat mehr zur Verfügung hatte?
So etwas belastet einen Bürgermeister als Person eigentlich überhaupt nicht, es belastet vielmehr die Gemeinde, weil sie dadurch handlungsunfähig wird. Das heißt, für jede kommunalpolitische Entscheidung, die durch einen finanziellen Hintergrund geprägt ist, wird entweder ein Vorstands- oder ein Gemeinderatsbeschluss benötigt. Ist der Gemeinderat acht Monate lang handlungsunfähig, ist das natürlich ein Schaden für die Weiterentwicklung einer Gemeinde. Dabei denke ich an die ganzen Gemeindeprojekte, die damals schon zur Ausführung angedacht waren – beispielsweise das neue Gemeindeamt. Durch den Rücktritt des Gemeinderates hat sich das mindestens um ein Jahr verzögert.

„Der damalige Auszug ist für mich noch immer unverständlich. Das Problem hätte man lösen können, indem man miteinander spricht.“
Peter Buchner
 

Der Sportplatz war der Stein des Anstoßes zum Rücktritt. Nun fasst man dieses heiße Eisen wieder an. Ist der Gemeinderat dieses Mal besser darauf vorbereitet?
Der damalige Auszug ist für mich noch immer unverständlich. Das Problem hätte man lösen können, indem man miteinander spricht. Das war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich, daher ist dieser überraschende Schritt passiert. Geschadet wurde damals nicht mir, sondern der Gemeinde. Jetzt ist der Sportplatz wieder auf der Tagesordnung, weil wir endlich eine Lösung brauchen. Die damalige Opposition hat über vier Jahre lang behauptet, dass es Alternativen gäbe und dass fixfertige Konzepte in der Schublade liegen würden. Diese wurden aber nie präsentiert.

Nun gibt es wieder Diskussionen über die Möglichkeit zumindest eines neuen Standortes?
Nach der letzten Wahl habe ich SPÖ-Vizebürgermeister Erwin Hackl dazu aufgefordert, diese Alternativen zu präsentieren beziehungsweise eine Arbeitsgruppe zu bilden, die sich damit beschäftigt. Das wurde gemacht. Es gibt jetzt auch ein Papier darüber, worin steht, dass es eigentlich bisher nie eine Alternative gegeben hat und von der Arbeitsgruppe als einzig möglicher Standort das Feld in der Hainbucherstraße angedacht wird.

Der Gemeinderat hat sich in einem Grundsatzbeschluss zu einem Sportplatz bekannt. Wie sieht es mit der Umsetzung aus?
Voraussetzungen für einen alternativen Sportplatz-Standort sind die Raumordnung, Umwidmung, Finanzierbarkeit, ein Eigentümernachweis und vieles mehr, das noch gelöst werden muss. Das heißt, man beginnt bei null. Es stellt sich auch die Frage, wie lange der Sportverein auf diesem alten, holprigen Platz unter diesen unmenschlichen sanitären Bedingungen noch weiterwurschteln kann.

Haben Sie nach der Auflösung des Gemeinderates jemals daran gedacht, den Hut drauf zu hauen?
Wenn man das politische Bürgermeisteramt nicht mit Freude macht oder eine gewisse Portion an Spaß mitbringt, dann ist man fehl am Platz. Auch bei der Auflösung des Gemeinderates dachte ich keinen Moment daran, weil ich die Hintergründe kannte. Es ging rein um politische Taktik, es ging nicht mehr um die Sache. Die Opposition hat eben geglaubt, dass sie, wenn sie das so durchzieht, bei der nächsten Wahl punktet.

Kutscherstall: Für Buchner eine Herzensangelegenheit
 

Thema Kutscherstall – neues Gemeindeamt: Wie ist der Baufortschritt?
Witterungsbedingt ist es zu einer kleinen Verzögerung gekommen. Das stört weniger, da wir nun bereits 26 Jahre im alten Gemeindeamt sitzen. Auf ein paar Monate mehr oder weniger kommt es nicht an. In der letzten Woche hatten wir Dachgleiche und jetzt kommen wir in die Bauphase, in der man auch von außen einen Fortschritt bemerken wird.

Der Kutscherstall ist also eine echte Herzensangelegenheit?
Ja, das ist ein Projekt, das gemeinsam mit den Architekten entwickelt wurde. Ich merke auch in der Bevölkerung, dass es eine Notwendigkeit war, diesen alten Bau, der über 40 Jahre marod dagestanden ist, wieder zum Leben zu erwecken. Daher bin ich jeden Tag auf der Baustelle, um den Baufortschritt mitzuerleben.

Haben Sie bei Ihrem eigenen Haus den Baufortschritt auch so genau verfolgt?
Nein. Hier geht es um öffentliche Gelder, jeder Schritt kostet viel Geld, da muss man noch penibler dahinter sein.

Gibt es keine Nachfrage im Ort, gibt es auch kein Angebot
 

In Mauerbach gibt es keinen Bankomaten, der 24 Stunden zugänglich ist, und keine Tankstelle. Fehlt das in der Gemeinde?
Das ist richtig. Mauerbach hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem „Wohndorf“ entwickelt. Die Ansiedlung von Gewerbebetrieben wurde vernachlässigt. Im Prinzip können inzwischen alle Bedürfnisse in der benachbarten Großstadt Wien abgedeckt werden, das Resultat ist eben: Gibt es keine Nachfrage im Ort, gibt es auch kein Angebot.

Die Bevölkerung zeigt sich aber schon bemüht, wenn es um Aktivitäten geht. Ich denke an die Naturfreunde, die Kinderfreunde und den Verein Menschengarten. Ist dies im Sinne der Gemeinde zu begrüßen?
Selbstverständlich. Ich sehe diese Vereine nicht als politisch. Ich bin daher immer bemüht, sämtliche Aktionen in der Sache zu sehen, Hauptsache es geschieht etwas Positives für den Ort. Das ist für mich das Wichtigste.