Purkersdorf

Erstellt am 13. Juli 2016, 05:09

von Martin Gruber-Dorninger

„Schlechteste für eine Stadt ist Stillstand“. Die NÖN plaudert mit Karl Schlögl, zum Auftakt einer Interviewreihe. Wie kann und wird sich Purkersdorf entwickeln?

Bürgermeister Karl Schlögl macht den Anfang einer Interviewreihe in der Purkersdorfer NÖN. Redaktionsleiter Martin Gruber-Dorninger stellt die Fragen. Marlene Trenker  |  NOEN

Die Purkersdorfer NÖN macht nun wöchentlich mit den Bürgermeistern der Region in der Sommerzeit das sogenannte „Plauscherl im Wienerwald“. Den Beginn macht Purkersdorfs Bürgermeister Karl Schlögl. Er plaudert über die Zukunft seiner Stadt und die Region sowie Themen, die die Stadt in letzter Zeit in Atem hielten.

NÖN: Vor der Wahl haben Sie angekündigt, dass dies Ihre letzte Periode als Bürgermeister sein wird. Hat sich daran seither etwas geändert?
Karl Schlögl: Ich bin bei der letzten Gemeinderatswahl mit einem sensationellen Ergebnis wieder gewählt worden. Obwohl sehr viele Parteien kandidiert haben und es auch heftige Angriffe vonseiten der Grünen in Purkersdorf gegeben hat. Ich werde also bis zur nächsten Gemeinderatswahl weiterhin mit großem Engagement für diese Stadt arbeiten.

Das äußert sich auch in diversen Projekten, wie Stadterneuerung und dergleichen. Möchten Sie sich damit bereits ein Denkmal setzen?
Es werden in den nächsten Jahren noch viele Projekte umgesetzt. Von der Stadterneuerung angefangen über das Projekt Tagesheimstätte für Senioren, den weiteren Ausbau der Kinderbetreuung und des Radwegenetzes bis zur Verbesserung der Sportanlagen. Es ist auch sonst noch sehr viel geplant. Purkersdorf hat sich in den letzten drei Jahrzehnten sehr positiv entwickelt. Das Schlechteste für eine Stadt wäre der Stillstand, ich bin Garant dafür, dass immer etwas in Bewegung ist.

Bürgermeister Karl Schlögl im Gespräch mit der NÖN. Trenker  |  NOEN

In Bewegung ist derzeit die gesamte Region Purkersdorf. Stichwort: Neuer Bezirk St. Pölten-Land. Wie sehen Sie den neuen Bezirk?
Die Eingliederung sehe ich sehr positiv, weil diese viele Vorteile für die Menschen in unserer Region bringen wird. Ich halte es für gut, dass die Bürgermeister der sechs Gemeinden so eng miteinander zusammenarbeiten. Hier steht wirklich das Gemeinsame im Vordergrund. Purkersdorf ist nach St. Pölten im neuen Bezirk immerhin die zweitgrößte Stadt.

Haben in der neuen Region Städte eine größere Bedeutung? Wird es also eine starke Achse Purkersdorf - Pressbaum geben?
Nein, wenn das alles einen Sinn haben soll, müssen alle Gemeinden gleichwertig vertreten sein. Es ist aber natürlich so, dass wir mit den angrenzenden Gemeinden Gablitz und Tullnerbach noch enger verbunden sind.

"Es gab und gibt berechtigte Ängste der Menschen"

Wichtiges Thema in Purkersdorf sind die Flüchtlinge. Wie ist es Ihnen damals ergangen, als der Stadtsaal voll war mit erbosten und sorgenvollen Bürgern?
Ich war davon nicht überrascht, sondern habe das erwartet. Die Bürgerversammlung wurde auch deshalb angesetzt. Es gab und gibt berechtigte Ängste der Menschen, und mit dieser Versammlung ist es uns gelungen, diese Ängste einigermaßen zu nehmen. Wir haben jetzt rund 100 Flüchtlinge in Purkersdorf. Es gibt eine große Gruppe von Menschen, die ehrenamtlich dazu bereit ist, diese Menschen zu betreuen – unter anderem mit Deutschunterricht – worüber ich sehr dankbar bin. Dass natürlich das Dasein von Flüchtlingen auch in Purkersdorf Probleme bringt, möchte ich aber nicht verschweigen.

Welche Probleme sind das?
Die spielen sich allesamt innerhalb der Wohneinheiten ab. Wenn Syrer, Afghanen, Iraker und Schwarzafrikaner auf engestem Raum zusammenleben, ist das nicht immer ganz einfach. Es gibt Gewalt in den Familien und Schwierigkeiten mit der Integration in unsere Gesellschaft.

Verbesserung des öffentlichen Verkehrs entscheidend und wichtig

Die Verlängerung der U4 ist kein neues Thema. Neu ist hingegen, dass es erstmals positive Signale aus Wien gibt. Kann das tatsächlich etwas werden?
Für mich ist die Verbesserung des öffentlichen Verkehrs entscheidend und wichtig. Einiges ist bereits gelungen. Notwendig ist aber, dass der S-Bahn-Verkehr weiter verdichtet wird und ein tatsächlicher Taktverkehr kommt. Ziel muss es sein, dass in Spitzenzeiten alle zehn Minuten ein Zug nach Wien geht und in Nicht-Spitzenzeiten alle 15 Minuten. Wenn das gelingt, bin ich zufrieden. Die U-Bahn ist eine zusätzliche wichtige Forderung, weil ich glaube, dass sie bis Unterpurkersdorf äußerst kostengünstig errichtet werden kann. Es gibt erstmals Bewegung in Wien. Zwei Bezirke, nämlich Penzing und Hietzing, sind nun auch Befürworter. Bisher waren wir „Ein Rufer, allein in der Wüste“.

Die Zusammenarbeit mit der Opposition in der neuen „Stadtregierung“ scheint ganz gut zu funktionieren. Trügt der Schein?
Es ist eine sehr gute Zusammenarbeit. Vor allem mit der ÖVP und mit den Grünen hat sich die Arbeit sehr konstruktiv entwickelt. Es gibt regelmäßige Gesprächsrunden. Man versucht, die Aktivitäten gemeinsam abzuklären. Auch FP-Mandatar, Martin Cipak, bringt sich konstruktiv ein.

Letzte Frage zur letzten Amtsperiode. Wer wird der Nachfolger von Karl Schlögl?
Ich bin bis 2020 gewählt und dann wird man weitersehen. Die SPÖ ist in der glücklichen Situation, dass sie eine Reihe von altbewährten tollen Leuten hat und eine neue junge Riege im Gemeinderat, die bereits sehr stark positiv aufzeigt. Ich war noch nie in der Situation, so viele geeignete Nachfolger für meine Position als Bürgermeister in der Partei zu haben, wie jetzt.