Erstellt am 14. Oktober 2015, 05:37

von Martin Gruber-Dorninger und Christoph Hornstein

Stadtpolitik mit Wahlanalyse. Schlögl hat Abstand der SPÖ nicht erwartet. Kirnberger glaubt an keine Änderung, Schmidl ist erleichtert.

Purkersdorfs Bürgermeister Karl Schlögl mit Amtskollegen Michael Häupl und Mauerbachs Bürgermeister Peter Buchner (v.l.) pflegen ein gutes kollegiales Verhältnis.  |  NOEN

Unerwartet und kurios. Die Wien-Wahl 2015 brachte nicht das von allen erwartete Kopf-an-Kopf-Rennen Häupl gegen Strache. Und kurios, denn die SPÖ feierte den klaren Vorsprung auf die FPÖ wie einen Wahlsieg, obwohl sie knapp fünf Prozent Wähler verlor.

Etwa 1.700 Purkersdorfer gingen am letzten Sonntag zu den Wahlurnen in Wien. Es sind Purkersdorfer, die in Wien hauptgemeldet sind. Wie sie wählten, ist in keiner Statistik ersichtlich. Dass sie wählten, ist wahrscheinlich, denn die hohe Wahlbeteiligung mit 74,4 Prozent überraschte.

Wahlkampf im Zeichen eines pikanten Duells

Dass sich der Wahlkampf fast ausschließlich auf das Duell Häupl gegen Strache fokussierte, kostete den anderen Parteien Stimmen. Allen voran der ÖVP, die das erste Mal in Wien mit einem einstelligen Wahlergebnis in die politischen Keller sackte. Aber auch die Grünen mussten Federn lassen, denn wer Strache nicht als Bürgermeister wollte, musste diesmal Rot wählen. Der Einzug der NEOS in den Wiener Gemeinderat überraschte in seiner Klarheit. Die Strache-FPÖ als klarer Duell-Verlierer kann sich allerdings mit dem historisch besten Wahlergebnis trösten.

Was sagen Purkersdorfs Stadtpolitiker zum Ausgang der Wien-Wahl?

Selbst der erfahrene Polit-Haudegen und Purkersdorfs Bürgermeister Karl Schlögl zeigte sich vom Wahlausgang des großen Nachbarn überrascht. Er habe zwar die SPÖ vorne erwartet, allerdings nicht mit diesem Abstand. Dennoch verpasst er seinem Wiener Amts- und Parteikollegen Häupl einen kleinen Seitenhieb: „In Wien und Linz verliert die SPÖ bei jeder Wahl Stimmen. In Purkersdorf kommen von Wahl zu Wahl Stimmen dazu.“

„In Wien und Linz verliert die SPÖ bei jeder Wahl Stimmen. In Purkersdorf kommen von Wahl zu Wahl Stimmen dazu.“ Karl Schlögl, Bürgermeister Purkersdorf

Was Schlögl betroffen macht, sind die hohen Zugewinne der FPÖ in traditionellen Arbeiterbezirken Wiens. In Simmering, Floridsdorf und Favoriten haben die Freiheitlichen enorm zugelegt. In Simmering und Floridsdorf ist die FPÖ stimmenstärkste Partei und wird dort auch die Bezirksvorsteher stellen. In Favoriten und in Donaustadt hat die FPÖ den ersten Platz nur um wenige Stimmen verfehlt, in Liesing ist sie knapp an die Mehrheit herangerückt.

Andreas Kirnberger von der ÖVP war auch ob der Deutlichkeit des Vorsprungs der SP gegenüber der FP überrascht: „Das Ergebnis war klarer als erwartet, denn viele potenzielle ÖVP-, Grün- und NEOS-Wähler haben sich zum Schluss für eine Stimme für Häupl entschieden, um Strache zu verhindern.“

Kirnberger erwartet keine Veränderung

Für Purkersdorf würde sich, laut Kirnberger, nichts ändern. „Allerdings hätte eine Stärkung der kleineren Parteien andere Koalitionen ermöglicht, und damit wäre es vielleicht endlich zu einer Verlängerung der U-Bahn an die Stadtgrenze beziehungsweise zum Ausbau der P&R-Anlagen gekommen“, so Kirnberger. Er vermutet weiter, dass es dies unter Rot-Grün weiterhin nicht geben werde.

Marga Schmidl von der Liste Baum & Grüne ist erleichtert: „Ich bin froh, dass zwei Drittel nicht die FPÖ gewählt haben und dass eine Rot-Grün-Regierung wieder möglich ist.“ Trotzdem sei der große Stimmenzuwachs für die FPÖ ein Warnzeichen für die großen Parteien. Sie müssten wieder Leadership zeigen. „Nicht Stellung beziehen und nicht regieren führt immer zu einem Gewinn für die FPÖ“, analysiert Marga Schmidl.

„Nicht Stellungbeziehen und nicht regieren führt immer zu einem Gewinn für die FPÖ.“ Marga Schmidl, Liste Baum & Grüne

Für Christoph Angerer von den NEOS ist das Ergebnis gut: „Es ist wichtig, dass wir drinnen sind. Es ist wichtig für uns und sicher auch gut für Wien.“ Nur so könne man glaubhaft etwas verändern. Für Purkersdorf werde sich seiner Meinung nach aber nichts verändern. „Wir werden uns aber anschauen, wer in den Nachbarbezirken in den Bezirksparlamenten sitzt und nach Ansprechpersonen Ausschau halten.

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