Erstellt am 30. Mai 2016, 13:03

von Claudia Stöcklöcker

Tullnerbach: Attacke mit Flieder. Weil er sich über die Krankenkasse ärgerte, griff ein 40-Jähriger zur Schnapsflasche. Mit 2,14 Promille im Blut rastete er aus.

 |  NOEN, Symbolbild

"Ich hatte 2,14 Promille, da ist bei mir das Licht ausgegangen. Ich war im Ausnahmezustand“, erklärt ein 40-Jähriger aus Tullnerbach vorm Richter, weshalb er die Kontrolle über sich verlor.

„Mein Leben ist den Bach runtergegangen. Ich bin herzkrank, habe von der Krankenkasse kein Geld bekommen. Mit der Krankenkasse, das ist ja ein ewiger Kampf“, ärgert er sich. Zu tief ins Glas blickte er ob seines Grolls und drohte einem Mitbewohner in einer Pension, in der er wohnte.

Das Opfer erzählt: „Er hat sonst nie Alkohol getrunken, damals aber war harter Schnaps im Spiel. Wie ein Irrer hat er gegen meine Tür getreten, weil er vermutet hat, dass sein Hund bei mir im Zimmer war, dabei war der im Aufenthaltsraum. ,Komm raus, ich bring dich um!‘, hat er gebrüllt. Aber am nächsten Tag haben wir uns versöhnt und wieder gemeinsam Kaffee getrunken.“

Angeklagter saß zwei Wochen in U-Haft

Den Fuhrlohn blieb der 40-Jährige im Suff Taxifahrern schuldig. Einen soll er bedroht haben. Der Taxler fürchtete sich: „Er hat einen Ast vom Strauch heruntergetreten, ist damit auf mich zugelaufen“, sagt er. Nach dieser Aktion landete der Angeklagte in U-Haft.

Böses habe der 40-Jährige nicht im Sinn gehabt, beteuert er nun im Prozess. Und sagt: „Das war Flieder. Den habe ich gepflückt, damit es im Zimmer besser riecht.“ Der Staatsanwalt fordert Strafe. „Mag sein, dass der Angeklagte in einer schwierigen Situation war, doch das ist kein Grund, sich so zu verhalten.“

Um Milde bittet der Verteidiger. „Seine kriminelle Energie ist gering, und die 14 Tage in U-Haft waren für ihn eine Lehre“, meint der Verteidiger.

Der Richter verhängt wegen Nötigung, gefährlicher Drohung und Betrugs sechs Monate bedingt (nicht rechtskräftig). Der 40-Jährige darf somit als freier Mann nach Hause gehen.