Tullnerbach

Erstellt am 21. August 2016, 10:47

von Martin Gruber-Dorninger

Johann Novomestsky; „Bin noch ÖVP-nahe“. Sommergespräch Novomestsky spricht über den Bruch mit der Gemeinde-ÖVP.

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Den goldenen Abschluss der NÖN-Interview-Serie „Gespräch im Wienerwald“ bildet Tullnerbachs Bürgermeister Johann Novomestsky. Er plaudert über Nachwirkungen der Gemeinderatswahl und neue Projekte in der Gemeinde.

NÖN: Die Gemeinde Tullnerbach liegt zwischen den Städten Purkersdorf und Pressbaum. Fühlen Sie sich da manchmal ein wenig eingeengt?

Johann Novomestsky: Nein, die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut. Zwischen den sechs Gemeinden der Region, die nach St. Pölten-Land kommen, haben wir auch grenzübergreifende Projekte. Im Zuge einer neuen Kleinregion, die diese sechs Gemeinden umfasst, haben wir vorerst drei Großprojekte in Planung genommen. Thema eins sind Freizeit/Erholung, Nummer zwei Infrastruktur/Mobilität und als drittes wollen wir Wirtschaft/Arbeitsmarkt in der Region stärken. Im September werden in den diversen Gemeinderatssitzungen Grundsatzbeschlüsse zur Kleinregion gefasst.

Wird sich im neuen Bezirk etwas an der Zusammenarbeit ändern?

Novomestsky: Nein, das denke ich nicht. Wir haben auch gute Kontakte nach St. Pölten. Manches war im Bezirk Wien-Umgebung schon eingefahren. Das bringt aber auch neue Chancen. Im Großen und Ganzen wird sich aber nichts ändern. Als Region wollen wir uns im neuen Bezirk stärker positionieren. Wir müssen da schauen, dass wir Einigkeit haben und alle einen Standpunkt vertreten und so geschlossen auftreten.

Die Lage zwischen zwei Städten bedingt auch viel Verkehr. Sind Sie mit der Verkehrssituation in Tullnerbach zufrieden?

Novomestsky: Das Verkehrsaufkommen wird immer mehr. Wir haben in der Gemeinde das Verkehrsproblem weitgehend gut gelöst, bis auf eine Engstelle bei der Bäckerei Raab. Auch das werden wir noch in Angriff nehmen. Der gewünschte Zebrastreifen wurde uns vorerst nicht genehmigt. Mit den Öffis sind wir recht gut angebunden. Außerdem haben wir durch eine neue Park & Ride-Anlage die Stellplätze um 50 erweitern können.

Beim Norbertinum ist so etwas wie eine Schulstadt entstanden. Wie geht es da weiter?

Novomestsky: Der Endausbau des Schulareals beim Norbertinum soll in den nächsten zwei Jahren über die Bühne gehen. Das hängt davon ab, wie schnell Land und Bund reagieren. Momentan haben wir etwas mehr als 1.000 Schüler oben, nach dem Ausbau sollten wir auf etwa 1.800 kommen. Darin ist auch der Ausbau des Gymnasiums geplant, das mittlerweile fast selbstständig agiert. Es hat eine eigene Schulnummer und ist von Purkersdorf weitgehend entkoppelt, hängt dennoch noch ein wenig zusammen.

Apropos Norbertinum: Der Biosphärenpark ist ein wichtiger Partner der Gemeinde. Ist das auch weiterhin so?

Novomestsky: Ja, selbstverständlich. Im Vorjahr wurden die Verträge für die kommenden zehn Jahre unterzeichnet. Es gab anfangs Probleme mit dem Mietvertrag, doch seit letzten September sind die Mitarbeiter dort eingezogen. Ich bin mehrmals pro Jahr oben auf ein Plauscherl, dann werden Probleme erörtert. Die Zusammenarbeit passt also.

Hat sich die Situation im Gemeinderat nach der Wahl schon etwas beruhigt?

Novomestsky: Wir sind nach Turbulenzen in der Tullnerbacher ÖVP als eigene Liste angetreten. Wir arbeiten auch mit der SPÖ und den Grünen in der Koalition sehr gut zusammen. Wir setzen derzeit ein Projekt nach dem anderen um. Wir sind bis 2020 gewählt, danach werden wir weiterschauen. Mit der jetzigen Tullnerbacher ÖVP wird es kein Zusammengehen mehr geben. Es gab Probleme in der Gemeinde ÖVP, die haben wir gelöst.

Welche Probleme waren das?

Novomestsky: Wir wurden vom Rest der Fraktion nicht ganz ernst genommen. Jene Gruppe, mit der ich dann angetreten bin, das sind die Arbeitsbienen im Gemeinderat. In der vorigen Amtsperiode war es oft so, dass es immer wieder zu Blockaden kam, wenn es zu einer Umsetzung kommen sollte.

War es schwer mit dem Gewissen zu vereinbaren, nicht mehr als ÖVP anzutreten?

Novomestsky: Ich bin nach wie vor ÖVP-nahe, bin Mitglied des Wirtschaftsbundes und wir haben auch breite Unterstützung von der Landes-ÖVP. Ich wurde in der Gemeinde-ÖVP gar nicht gefragt, ob ich noch einmal als Bürgermeister antreten möchte. In einer Parteisitzung wurde einfach über uns drübergefahren. Wenn ich aus der ÖVP Tullnerbach ausgeschlossen werde, muss ich mir etwas Neues einfallen lassen.

Auch dann wenn die ÖVP plötzlich als Opposition im Gemeinderat sitzt?

Novomestsky: Wir machen unsere Arbeit, wir machen sie, glaub‘ ich, gut. Wir haben einen guten Zuspruch im Ort. Erst da habe ich mich wirklich zu dem Schritt einer eigenen Liste entschlossen. Und wir haben dann die Mehrheit bekommen. Ich habe im Wahlkampf kein schlechtes Wort über meine Kontrahenten herausgelassen und auch keine Schmutzwäsche gewaschen.

Welche Projekte sind das, die Sie nun auf Schiene bringen wollen?

Novomestsky: Das nächste wird der Neubau neben dem Gemeindehaus sein. Da befinden wir uns gerade in der Planungsphase. Es sollen ein Kindergarten mit zwei Kindergartengruppen hineinkommen. Außerdem sind Büroräume angedacht und etwa 15 Kleinwohnungen mit bis zu 65 Quadratmeter n, hauptsächlich für junge Tullnerbacher beziehungsweise für Senioren. Bauträger wird die Gemeinde selbst sein. Es wird auch einen kleinen Architektenwettbewerb geben. Danach wird das Projekt ausgeschrieben, jene Firma, die am günstigsten baut, bekommt dann den Auftrag.

Bürgermeistersein ist schon spannend, oder?

Novomestsky: Ich habe noch keinen Tag bereut und es bringt Freude. Es gibt kaum Beschwerden. Ab und zu kommt jemand, damit ich einen Nachbarschaftsstreit schlichte.