Erstellt am 04. Februar 2015, 14:44

von Marlene Trenker

Was ist Menschenwürde?. Schwierige Fragen haben sich Schüler für ein Projekt zum Thema Menschenrechte gestellt. Zu beantworten versuchte diese eine Expertenrunde bei einem Round Table.

Eine ganze Woche lang beschäftigten sich Schüler der BAKIP mit Menschenrechtsthemen.  |  NOEN, BAKIP

Die vierten Klassen der BAKIP und die Kollegklasse 1K des Sacré Coeur führten eine Woche lang ein Projekt zum Thema „Wert des Lebens: Menschenwürde - Menschenrechte“ durch.

Am Montag erarbeiteten die Schüler unterschiedlichste Inhalte zum Thema, die von den Lehrern der BAKIP und des Kollegs angeboten wurden. Von bemerkenswerten Ergebnissen konnte man sich bei den Präsentationen der Gruppen am Dienstag überzeugen. Der Bogen der angebotenen Themen spannte sich dabei von den Kinderrechten, der Kinderarmut in Europa, der Kompetenzförderung und dem Freizeitstress bei Kindern über Folter, Menschenhandel und moderne Sklaverei, Rassismus und Bioethik, Integration, Inklusion und Leben mit Behinderung heute bis hin zur Macht der Sprache und zu geschichtlichen Themen. Das Thema „Erziehung von Kindern slowenischer Zwangsarbeiterinnen in der NS-Zeit“ wurde von Martin Kranzl-Greinecker, Leiter der Fachzeitschrift „Unsere Kinder“, angeboten.

Ausgestattet mit dem Fachwissen der diversen Präsentationen begaben sich die Schüler und Studenten am Mittwoch auf Exkursion nach Schloss Hartheim in der Nähe von Linz, das während des NS-Regimes eine Euthanasie-Anstalt war und seit 2003 eine Gedenkstätte ist. Die Führung durch das Schloss, während der der Weg der Opfer nachvollzogen wurde, mit anschließendem Workshop löste bei vielen Schülern und Studenten tiefe Betroffenheit aus und warf viele neue Fragen auf, die danach verlangten, besprochen und beantwortet zu werden.

Offene Fragen wurden bei Round Table gestellt

Die Möglichkeit dazu ergab sich am Donnerstag bei einem „Round Table“ mit prominenten geladenen Gästen an der BAKIP. Unter den Diskutanten befanden sich Susanne Kummer (Institut IMABE, Bioethik), Tom Matzek (Regisseur, ORF), Ernst Tradinik (Regisseur, Okto, Behindertenbetreuung), Stefan Jaindl (Interview-Gestaltung „Naja Genau“ mit Tradinik), Martin Kranzl-Greinecker (Redaktionsleitung „Unsere Kinder“), Johann Hisch (Leitung des Pilgrim-Projektes, Erzdiözese Wien) und Landtagsabgeordneter Lukas Mandl.

Eine der Fragen beim Round Table lautete: „Wie sieht menschenwürdiges Leben aus“? Lukas Mandl eröffnete und sagte, dass Menschenwürde nichts ist, was ein Gesetzgeber verleihen kan. „Der Mensch als Geschöpf hat Menschenwürde“, so Mandl.

Susanne Kummer ergänzt, dass jeder Mensch Würde hat. Johann Hisch: „Ein menschenwürdiges Leben ist, wenn ich ,Ich‘ sein kann. Martin Kranzl-Greinecker spricht vom Dazugehörigkeitsgefühl als wichtigem Faktor, wenn es um Menschenwürde geht. Für Tom Matzek bedeutet ein menschenwürdiges Leben Respekt vor der Vielfalt. „Menschenwürde bedeutet, dass man sein kann, wie man ist und in der Gegenwart hier und jetzt leben kann“, so sieht Ernst Tradinik das Thema.

Warum für Rechte der Menschen einsetzen? 

In der zweiten Fragerunde ging es darum, warum sich die Teilnehmer für Menschenrechte einsetzen. Susanne Kummer setzt sich damit auseinander, wie Menschenrechte bedroht sind. „Es gibt einen enormen technischen Fortschritt, auch in der Fortpflanzungsmedizin. Leider gibt es jedoch keine Reflexion darüber, was das für die Menschen bedeutet“, so Kummer. Laut Johann Hisch gibt es derzeit einen gesellschaftlichen Klimawandel, indem der Spruch vorherrscht „Jedem das Seine, dir mehr, aber mir das Meiste“. Unter den Vorzeichen dieses Klimawandels versucht er, sich für Menschenrechte einzusetzen. Für Lukas Mandl ist es wichtig, nicht zu warten, bis jemand etwas für die Rechte der Menschen macht, sondern man muss selbst etwas dafür tun.

Den Abschluss der Projektwoche bildete eine Führung durch das Foltermuseum in Wien. Dabei wurde der Arbeit von Amnesty International besonderes Augenmerk geschenkt.