Weidling

Erstellt am 18. Juli 2016, 12:00

von Martin Gruber-Dorninger

Spaß mit Risiko: Mit dem Rad im Trailpark. Die NÖN durfte bei der Eröffnung hautnah mit dabei sein.

Vor rund zwei Jahren drohte das Thema „Nutzung von Forststraßen“ durch Mountainbiker österreichweit zu eskalieren. Klagen wurden eingereicht, Demonstrationen durchgeführt und gegenseitig gedroht. Ausgerechnet am Hotspot Österreichs, was die freizeitliche Nutzung des Waldes betrifft, dem Wienerwald, wurde ein anderer Weg gegangen. Dieser wurde nun eröffnet, und die NÖN war dabei.

„Das hätten wir uns vor zwei Jahren nicht gedacht, dass wir einmal gemeinsam so ein Projekt eröffnen“, erinnert sich der Leiter des Forstbetriebes Wienerwald, Johannes Wimmer. Anstatt zu streiten hätte man sich an einen Tisch gesetzt und die gegenseitigen Anliegen gehört.

Dies bestätigt auch der Obmann des Vereins WienerWaldTrails, Alexander Arpaci: „Der Trailpark Weidlingbach ist ein ungewöhnliches Gemeinschaftsprojekt, zu dessen Entstehung alle Interessensvertreter von den Grundeigentümern, Behörden, Tourismus bis hin zu den Mountainbikern beigetragen haben – ein Beispiel für ein neues Miteinander.“

Die NÖN folgte auch der Einladung, eine der beiden neuen Strecken einem Test zu unterziehen. Startpunkt ist die Windischhütte. Von dort aus führt ein Wanderweg zum Startpunkt der beiden Mountainbikestrecken mit dem Namen „Flow“ und „Fun“. Inmitten der Mountainbiker des Vereins WienerWaldTrails ist das Gefühl, eine neue Strecke zu testen, ein wenig unbehaglich.

Profis und Laien auf gleichen Pfaden. Obendrein ist das geliehene Rad noch ein Fremdkörper. Bremsen, Sattelhöhe werden von einem Profimechaniker eingestellt. Andreas Mocha arbeitet in Diensten des ehemaligen Radrennprofis Bernhard Kohl und ist auch im Vorstand von WienerWaldTrails.

Die neuen Strecken im Selbstversuch

Diese Fachkenntnis vermittelt Vertrauen, Unbehagen weicht der zunehmenden Zuversicht. Dennoch bleiben die Knie weich. Das mag wohl auch an den extremen Dämpfungen in der Federgabel hängen. Die Mountainbiker brennen schon regelrecht auf das Runterfahren. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, schließlich haben sie sich bei der Errichtung der Strecken voll ins Zeug gelegt.

„Der Trailpark entstand in Teamarbeit. Ohne die Arbeit vieler Freiwilliger wäre dies nicht möglich gewesen, viele Vereinsmitglieder und Mountainbiker haben mitgeholfen, dieses Projekt entstehen zu lassen“, erklärt Arpaci. Insgesamt sind mehr als 4.000 Stunden Arbeitszeit, 27 Baggereinsatztage und unzählige Bautage in das Projekt geflossen.

Nach einer Einführung und der Erklärung des Sicherheits- und Alarmierungssystems geht es auch allmählich los. Die Strecke ist für Wanderer gesperrt, um keine unliebsamen Überraschungen zu erleben. Außerdem steht an jeder Gefahrenstelle ein Schild mit Notrufnummern und einer Bezeichnung, um den Einsatzkräften den genauen Standort mitteilen zu können.

„Puncto Sicherheit haben wir, denke ich, alles getan. Wir haben mehrere gemeinsame Begehungen gemacht und die Vorschläge der Blaulichter umgesetzt“, so Arpaci. Aber genau das ist der große und letzte Streitpunkt, der noch abzuklären ist. In der Vorwoche ist ein Mountainbiker, noch vor der offiziellen Eröffnung, im Trail schwer zu Sturz gekommen.

Die Einsatzkräfte holten den Sportler aus dem Wald, ein mitunter sehr schwieriges Unterfangen. „Es ist auch für die Mitglieder der freiwilligen Einsatzkräfte kaum zumutbar, dass sie in ihrer Freizeit ständig zu den Einsätzen in den Trailparks ausrücken müssen“, empfahl noch in der letzten Woche Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager, dies zu bedenken.

Die Vorsicht sollte also mitfahren, das tut sie aber bei einem Laien sowieso. Die Rückbremse des Mountainbikes ist so etwas wie die Lebensversicherung. Beim Runterfahren macht die rechte Hand eigentlich die meiste Bewegung. Hügel werden mit den Knien und dem überragenden Dämpfungssystem ausgeglichen.

Größte Sorge ist die Sicherheit der Sportler

Die Steilkurven, die bei den Mountainbikern „Anlieger“ heißen, sind zwar gewöhnungsbedürftig, doch nach ein paar Versuchen klappt auch das. Und es macht tatsächlich Spaß, allerdings sollte die Vernunft stets Copilot sein. Übermut hat hier nichts verloren, dazu ist dieser Sport sicherlich zu gefährlich. Sicherheitshalber hat der Mountainbike-Verein noch Warnschilder mit „Langsam“ aufgestellt, um den Übermut noch vorzeitig einzubremsen.

Nach rund zehn Minuten, bei Profis sicher weniger als die Hälfte, ist die Strecke „Flow“ bewältigt. Das Gefühl ist gut, man hat es geschafft, und das Verständnis für die Faszination Mountainbike ist größer.

Dennoch sind die Bedenken der Einsatzkräfte und auch von Ortsvorsteherin Traude Balaska nicht unbegründet: „Ich wünsche Ihnen, dass keine gröberen Unfälle passieren mögen“, sagt sie im Zuge der Eröffnung. Diese werden, wie bei fast jedem Sport, nicht zu verhindern sein. Dennoch sollte jeder Sportler sich selbst einschätzen und sich stets des hohen Risikos eines Unfalls bewusst sein.