Wolfsgraben

Erstellt am 08. August 2016, 12:35

von Martin Gruber-Dorninger

Sommergespräch - „Porzellan zerschlagen“. Einzige Bürgermeisterin der Region stellt sich den NÖN-Fragen.

Bürgermeisterin Claudia Bock stellte sich in der Tullner NÖN-Redaktion den Fragen von Redaktionsleiter Martin Gruber-Dorninger.  |  NÖN, Steinböck

Bürgermeisterin Claudia Bock stellt sich als nächstes den Fragen der NÖN beim Gespräch im Wienerwald. Hat sie eine Sonderstellung als einzige Bürgermeisterin weit und breit? Welche Spuren hat die Abstimmung wegen des Ortszentrums hinterlassen? Wie sieht sie den neuen Bezirk? – Diese Fragen werden unter anderem bearbeitet.

NÖN: Sie sind die einzige Bürgermeisterin in der Region. Ist das ein Vor- oder ein Nachteil?
Claudia Bock: Kürzlich wurde vom Gemeindevertreterverband eine Umfrage unter den Bürgermeisterinnen gemacht. Darin wurde befragt, ob man das Amt aktiv angestrebt hat. Mein Vater war 31 Jahre lang Bürgermeister von Wolfsgraben. Als er bemerkt hat, dass ich mich für Politik interessiere hat er mich mitgenommen. Dann war ich vierzehn Jahre lang im Gemeiunderat, von 2001 bis 2006 Vizebürgermeisterin, ehe ich selbst Bürgermeisterin geworden bin. Auch wenn die damalige Opposition von einer „Erbpacht“ gesprochen hat. Das war es aber ganz bestimmt nicht.

Haben Sie es jemals bereut Bürgermeisterin zu sein?
Keinen einzigen Tag, auch wenn es ab und zu schwierige Zeiten gab. Ich habe eine Verantwortung dem Ort und der Bevölkerung gegenüber. Jemand der Verantwortung hat, übernimmt auch Probleme. Wenn man aber mit Freude und Fleiß an die Sache herangeht, dann ist das zu schaffen.

Mit der Befragung wegen des Amtsgebäudes gab es ziemliche Turbulenzen in der Gemeinde. Würden Sie bei einer zweiten Chance noch einmal alles so machen?
In der Zwischenzeit ist es sehr ruhig um dieses Thema geworden und eigentlich ist der Umzug problemlos über die Bühne gegangen. Die Leute haben das positiv aufgenommen. Die Abstimmung war unglücklich, da sie zu diesem Zeitpunkt schon obsolet war. Die Bürgerliste hat das dennoch durchgezogen, denn sie lebt davon, nach außen hin trotzig aufzutreten. Es ist schon sehr viel Porzellan zerschlagen worden.

Wie geht es jetzt mit dem alten Gemeindeamt weiter?
Der Abriss des alten Hauses Nummer 56 wurde bereits beschlossen. Es wird in Richtung Wohnungen gemeinsam mit einem Gemeindeamt gehen. Am 29. Juli hat es diesbezüglich eine Exkursion gegeben und wir konnten uns dort interessante Projekte anschauen. Es gab schon einmal eine ähnliche Planung.

Gibt es auch schon einen Zeitplan?
Es wird ein Masterplan ausgearbeitet und NÖ-Gestalten mit der Ausschreibung betraut. Im Herbst soll dieser Masterplan fertig sein, der die Basis für die weitere Planung ist.

Gibt es schon einen Betreiber für den Postpartner?
Ab dieser Woche wird der Postpartner vom Wirtschaftspark übernommen.

In einem Projekt der Technischen Universität wurde das Konzept eines Ortszentrums ausgearbeitet. Wie realistisch ist eine Umsetzung?
Dabei ist auch herausgekommen, dass es in Wolfsgraben kein wirkliches Ortszentrum gibt. Das Problem ist beispielsweise, wer ein Kaffeehaus betreiben würde. Ich will nicht, dass es wird wie in Tullnerbach, wo ständig Betreiber für die freien Flächen gesucht werden müssen.

Sehen Sie den neuen Bezirk St. Pölten-Land positiv?
Wir kooperieren bereits mit den Gemeinden Pressbaum und Tullerbach intensiv. Bei den Schulen, Standesamt, Musikschule, bei den Feuerwehren und als Sanitätssprengel. Wenn wir sechs Gemeinden in der Region geschlossen auftreten, dann ist das durchaus positiv.

Der neue Bezirk bringt auch verkehrspolitisch eine neue Herausforderung. Wird es eine neue Autobahnauffahrt bei Wolfsgraben geben?
Nur über meine Leiche. Ich kann den Zuzug und den daraus resultierenden Verkehr nicht an die Nachbarn abwälzen. Wichtig ist die Stärkung des Öffentlichen Verkehrs.

Aber gerade gastronomisch gibt es einige Erfolgsgeschichten in Wolfsgraben oder sehen Sie das nicht so?
Durchaus. Der Erfolg ist auf viel Arbeit und Konsequenz zurückzuführen. Der Oliver ist so etwas wie ein Kommunikationszentrum von Wolfsgraben. Der Mini-Bauernmarkt ist eine Drehscheibe. Und generell können wir auf unsere Gastronomie stolz.