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Das Motto ist: Jeder hebt das Papierl auf

FOLGE 348 / Peter Gruber, Geschäftsführer der Wiener Stadthalle, in Klement (Ernstbrunn): „Immer nett.“

VON THOMAS JORDA

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  • Der Vergleich mit jenen gigantischen Tankschiffen, die auf den Weltmeeren unterwegs sind, erheitert ihn sichtlich. Tatsächlich ist ein Unternehmen, wie es die Wiener Stadthalle darstellt, von ähnlich geringer Flexibilität, was eine Richtungsänderung betrifft. Aber jetzt, zehn Jahre später, hat er es geschafft.
    „Als ich 1999 die Geschäftsführung übernommen habe, da ist meine Philosophie gewesen, aus der Stadthalle einen Dienstleistungsbetrieb zu machen.“ Pause. „Was sie jetzt auch ist!“ Dabei müsse man, meint Gruber, immer gleich auf drei Partner Rücksicht nehmen, auf das Publikum, auf Veranstalter und Sponsoren.
    „Das Publikum ist verwöhnt und erwartet sich um den Kartenpreis immer eine besondere Qualität. Viele Veranstalter sind nicht mehr zwingend auf Wien angewiesen, seit es in Budapest, Prag, Vilnius und Riga auch entsprechend große Hallen gibt. Und ohne Sponsoren könnten wir viele Veranstaltungen nicht mehr abwickeln, weil wir ja nicht alle Kosten auf die Kartenpreise umlegen können.“

    Die Wiener Stadthalle ist ein ganz besonderes Haus, 1958 von Architekt Roland Rainer geplant und gebaut. „Man kann immer sagen, das Haus gefällt mir oder gefällt mir nicht, aber man muss sagen, dass Rainer eine Multifunktionshalle errichtet hat in einer Zeit, in der es ja keine oder kaum anderswo vergleichbare Hallen gegeben hat. Das ist sensationell. Und mindestens ebenso sensationell ist, dass sie immer noch funktioniert.“

    Eine Stadt in der Stadt – mit 100.000 qm Dachfläche
    Unter fast 100.000 Quadratmetern Dachfläche gibt‘s mitten in Wien – und mit öffentlichen Verkehrsmitteln jeder Art bestens erreichbar – zwei Sporthallen, eine Eishalle, den Banquettsaal für rund 1000 Gäste, die Halle F, eigentlich eine Showbühne für gut 2000 BesucherInnen, und die legendäre Halle D, in die 16.000 Menschen passen.
    „Unser Anspruch ist, dass wir alles veranstalten können, was Indoor überhaupt möglich ist. Dazu gehören Auftritte der Freestyle-Motocross-Fahrer der Masters of Dirt ebenso wie etwa 2004 die Ausrichtung der Schwimmweltmeisterschaften, für die wir in der Halle D sogar ein eigenes Becken aufgestellt haben.“

    Aber Größe, Technik und Qualität, sagt Gruber, sei nur der halbe Erfolg. „Besonders wichtig ist die Dienstleistung für unser Publikum, dem wir einen angenehmen entspannten Abend bieten wollen. Ich bin ja nicht die Visitenkarte des Hauses, aber die Billeteure und Portiere sind es, der Kartenverkauf und die Telefonzentrale. Deshalb lege ich auch größten Wert darauf, dass unsere Mitarbeiter freundlich, nett und gepflegt sind, dass sie auch optisch einen guten Eindruck machen. Aber das ist keine Frage des Alters, unsere Leute müssen nicht jung sein.“
    Mitarbeiterkontrolle gäbe es keine, sagt Gruber, „aber ich verlange von allen, dass sie offenen Auges durchs Haus gehen und sich um jedes Problem, das sie entdecken, auch kümmern. Walt Disney hat seine Firmenphilosophie so beschrieben: Everybody picks up the paper! So halten wir es auch. Jeder ist für alles zuständig, das ist die Halle der Mitarbeiter. Und wenn ich eine kaputte Glühbirne entdecke, schaue ich, dass sie ausgetauscht wird.“

    500 Veranstaltungen im Jahr, die Stadthalle ist immer fertig
    280 MitarbeiterInnen sorgen dafür, dass jährlich rund 1,2 Millionen BesucherInnen friktionsfrei insgesamt fünfhundert Veranstaltungen besuchen können.
    „Wir arbeiten unter ständigem Zeitdruck. Wenn um 19.30 Uhr die Vorstellung beginnt, muss alles erledigt sein. In meiner Zeit ist aus unserer Schuld noch keine Vorstellung abgesagt worden. Die Stadthalle ist immer fertig!“
    Peter Gruber hatte sich in seinen jungen Jahren zum Toningenieur ausbilden lassen, in einer Zeit, als man nur im ORF solche Leute brauchen konnte.
    Also musste er sich einige Jahre durch andere Jobs über Wasser halten, ehe er als Geschäftsführer bei Chapell Intersong anheuerte, damals der größte private Musikverlag der Welt. „Die Firma ist dann zwei Mal verkauft worden. Als ich im Jahr 1999 zur Stadthalle gegangen bin, waren wir ein Teil von Time Warner.“

    Die Stadthalle, gibt Peter Gruber gerne zu, sei ein Traumjob. „Für ein Unternehmen zu arbeiten, dessen Bekanntheitsgrad in Wien hundert Prozent ist und in Linz bekannter ist als das Brucknerhaus, das muss doch Freude machen! Die Stadthalle ist längst zu einem Wahrzeichen Wiens geworden, es gibt keinen Wiener, der nicht wenigstens einmal bei uns war – und kaum einen Niederösterreicher oder einen Burgenländer.“
    Anfang der Neunzigerjahre bezogen die Grubers in Klement einen Zweitwohnsitz, um die Naturschönheit der Leiser Berge zu genießen. „Ich habe mir sogar ein Musikzimmer eingerichtet, weil ich dachte, ich würde wieder Musik machen.“
    Daraus ist bis jetzt aber nichts geworden. Die Stadthalle verlangt eben den ganzen Mann!

    FOTOS: FRANZ GLEISS




     

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