Erstellt am 02. November 2015, 15:29

von Christine Haiderer

Wurst & Co: „Kein Grund zur Panik“. Dem Online-Service „Medizin-Transparent.at“ zufolge ist das Risiko, durch Wurst Darmkrebs zu bekommen, vergleichsweise gering.

 |  NOEN, Symbolbild
Über 800 Studien rund um Fleisch und Krebs haben sich 22 Experten für die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) der Weltgesundheitsorganisation WHO angesehen. Ihr Ergebnis: Rotes Fleisch ist wahrscheinlich krebserregend.

Und: Verarbeitetes Fleisch - wie Geräuchertes, Gepökeltes, Schinken, Würstchen & Co. - erhöhen das Risiko für Darmkrebs. Bei 15 Gramm pro Tag um 18 Prozent. Nach Protesten folgte einige Tage später die Information, dass die IARC nicht den völligen Verzicht auf Wurst fordere. Die Agentur mache aber darauf aufmerksam, dass, wenn man weniger Wurst & Co. konsumiert, auch das Risiko für Darmkrebs sinkt. 

Medizin-Transparent.at, ein Projekt der Österreichischen Cochrane-Zweigstelle an der Donau-Universität Krems , überprüft den Wahrheitsgehalt von Medien- und Werbebeiträgen und hat sich auch das Thema "Krebsrisiko Fleisch" angesehen. Das Ergebnis: „Kein Grund zur Panik“.

Risiko geringer als bei Alkohol oder Nikotin

Zwar sei es wahrscheinlich, dass verarbeitete Fleischprodukte die Entstehung von Krebs fördern. Allerdings: „Tabak verursacht rund 30-mal so viele Krebstote wie verarbeitete Fleischprodukte“, informiert www.medizin-transparent.at . „Durch Alkohol sterben 18-mal mehr Menschen an Krebs.“ Und: „Die Luftverschmutzung ist sechsmal so gefährlich wie Wurst und Schinken.“ 

Dazu kommt: "Erhöhtes Risiko" klingt sehr drastisch. Allerdings: „Eine 17-prozentige Risikoerhöhung bedeutet keinesfalls, dass 17 Prozent aller Konsumenten von verarbeiteten Fleischprodukten Krebs bekommen werden.“

Ein exzessiver Wurst-Fan hat im Vergleich zu einem, der nur wenig Wurst isst, ein um 17 Prozent erhöhtes Risiko. Durchschnittlich vier von 1.000 Männern im Alter von 45 Jahren werden in den nächsten zehn Jahren an Darmkrebs erkranken. Eine Erhöhung von 17 Prozent würde bedeuten, dass 5 von 1.000 Männern in diesem Alter erkranken. Bei 65-Jährigen (das Darmkrebs-Risiko nimmt mit dem Alter zu) wären es 28 anstelle von 24.
 
Mehr dazu: www.medizin-transparent.at/fleisch