Himberg

Erstellt am 14. Juni 2017, 04:37

von Otto Havelka

Ärztliche Versorgung wird zum Polit-Streit. In der Diskussion um ein Ärztezentrum werfen die Parteien einander Populismus vor. Dafür könnte bald ein Kinderarzt einziehen.

Symbolbild

SP-Vizebürgermeister Ernst Wendl landete bei der Gemeinderatssitzung am vergangenen Mittwoch einen Überraschungscoup: Während FP-Ortsparteiobmann und Umweltgemeinderat Sascha Csida einen Initiativantrag mit rund 360 Unterschriften für die Schaffung eines Ärztezentrums und die Urgenz einer zusätzlichen Ordination eines praktischen Arztes mit Kassenvertrag vorlegte, zückte Wendl ein umfassendes Ansuchen der Gemeinde vom 23. Mai an die Gebietskrankenkasse hervor, in dem eine zusätzliche Planstelle für einen Allgemeinmediziner und einen Kinderarzt verlangt wird.

Die Entscheidung über den Antrag wurde just bei der Quartalssitzung der Gebietskrankenkasse am gleichen Tag wie die Gemeinderatssitzung getroffen.

"Wir waren noch nie so nahe am Ziel"

Fazit: Ein zusätzlicher Vertragsarzt für Allgemeinmedizin wurde bei der Sitzung der Gebietskrankenkasse abgelehnt. Sollte aber einer der drei derzeitigen Allgemeinmediziner in Pension gehen oder aus sonstigen Gründen die Praxis niederlegen, wurde wieder ein Kassenarzt für Himberg zugesagt.

Wesentlich besser sieht es mit einer Planstelle für einen Kinderarzt aus. In der Sitzung der Kasse wurde eine Arztstelle mit Kassenvertrag für Kinder- und Jugendheilkunde für drei konkrete Gemeinden im Bezirk beschlossen – unter diesen ist auch Himberg. Die Stelle soll im August bei der Ärztekammer ausgeschrieben werden. „Wir waren noch nie so nahe am Ziel, einen Kinderarzt mit Kassenvertrag zu bekommen“, gibt sich Wendl zuversichtlich. „Wichtig ist jetzt, dass sich ein Kinderarzt oder eine Kinderärztin für unsere Gemeinde meldet.“

Unabhängig davon geht die Diskussion um ein Ärztezentrum weiter. Grundsätzlich sind alle Fraktionen im Gemeinderat dafür. Gleichzeitig werfen sie einander aber vor, mit populistischen Parolen daraus politisches Kleingeld schlagen zu wollen. Die SP brachte zum Initiativantrag Csidas einen „Abänderungsantrag“ ein, weil die Forderung „alle Voraussetzungen“ für ein Ärztezentrum zu schaffen, finanziell nicht überschaubar sei.

Und auch wenn sich alle Fraktionen in der ungewohnt hitzigen Debatte zum gemeinsamen Anliegen bekannten, die medizinische Versorgung in der Gemeinde verbessern zu wollen, war spätestens bei der Abstimmung über die Anträge wieder Parteitreue gefragt. SP und Grüne stimmten gegen den Initiativantrag und für den Abänderungsantrag. VP und FP votierten genau umgekehrt.

Neo-VP-Gemeindeobfrau Claudia Hofbauer: „Es ist ein Witz, dass wir über das Ansuchen der Gemeinde an die GKK nicht informiert wurden.“ Sie wünscht sich bis Ende des Jahres ein Konzept zur Gesundheitsversorgung samt Berücksichtigung im nächsten Budgetplan.