Erstellt am 13. April 2016, 05:14

von Jutta Hahslinger

Möchtegern-Räuber in die Flucht „geredet“. Entnervt von couragierter Trafikantin, die trotz vorgetäuschter Waffe quasselte und kein Geld rausrückte, gab Täter auf und ging.

Anklägerin Elisabeth Böhm-Gratzl war mit der milden Strafe einverstanden.  |  NOEN, Foto: Hahslinger

Eigentlich wollte der 19-Jährige aus Bruck nur seine Haare schneiden lassen. Als er beim Frisör nicht gleich einen Termin bekam, ging er in die Trafik gegenüber, kaufte Zigarettenpapier und ging.

Nur wenige Minuten später kam er wieder und kaufte ein Gewinnlos - eine Niete, die er im Abfalleimer der Trafik entsorgte. Dann verließ er das Geschäft, allerdings nur, um kurze Zeit später erneut aufzutauchen: Mit den Fingern in der Jacke täuschte der 19-Jährige dann vor, eine Schusswaffe bei sich zu führen. Auf die Trafikantin zielend schrie er: „Das ist ein Überfall, her mit dem Geld!“

„Es ist aus Dummheit passiert“

Die Trafikantin Michaela H. (46) reagierte aber nicht wie gewünscht: Sie dachte an einen Spaß, den der Kunde mache, und rückte kein Geld heraus. Auch nicht, als der Möchtegern-Räuber klarstellte, dass es ihm ernst sei. Die couragierte Trafikantin redete auf den jungen Mann ein: „Du kannst doch nicht bei mir einkaufen und mich dann überfallen!“, und dieser gab schließlich entnervt auf. Ohne Cent gab er Fersengeld.

Die DNA-Spur am weggeworfenen Rubellos führte die Ermittler dann zu jenem Mann, den die Trafikantin als Möchtegern-Räuber eindeutig identifizierte. „Es war eine spontane Entscheidung. Ich habe überhaupt nicht nachgedacht. Es ist aus Dummheit passiert“, beteuerte der 19-Jährige vor Gericht und bat das Opfer um Entschuldigung.

Der bislang unbescholtene Brucker wurde wegen versuchten Raubes zu einem Jahr bedingt verurteilt. Weiters wurde eine Bewährungshilfe angeordnet. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.